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Keine Rettungspunkte im Wald: Gemeinde sieht gute Gründe

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Rettungspunkte im Wald: Ursprung des Projekts war nach dem Orkan Kyrill im Januar 2007. Im Zuge der danach erforderlichen umfangreichen Aufräumarbeiten waren ungleich viel mehr Forstarbeiter als sonst in den Wäldern im Sauerland. Um den Waldarbeitern bei ihrem gefährlichen Job die Gewissheit zu geben, dass im Falle eines Unfalls Hilfe schnell vor Ort ist, wurden damals Rettungspunkte eingerichtet.
Rettungspunkte im Wald: Ursprung des Projekts war nach dem Orkan Kyrill im Januar 2007. Im Zuge der danach erforderlichen umfangreichen Aufräumarbeiten waren ungleich viel mehr Forstarbeiter als sonst in den Wäldern im Sauerland. Um den Waldarbeitern bei ihrem gefährlichen Job die Gewissheit zu geben, dass im Falle eines Unfalls Hilfe schnell vor Ort ist, wurden damals Rettungspunkte eingerichtet. © Privat

6000 Rettungspunkte gibt es im Sauerland, hauptsächlich in Waldgebieten. In Nachrodt-Wiblingwerde gibt es sie nicht. Bürgermeisterin und Feuerwehr-Chef sehen die Einrichtung kritisch.

Nachrodt-Wiblingwerde – Ist es ein einfacher Schritt für mehr Sicherheit oder hat sich das System schon überholt, bevor es allerorts eingerichtet ist? 6000 Rettungspunkte gibt es insgesamt im Sauerland, hauptsächlich in Waldgebieten. Das berichtet der Verein „Naturpark Sauerland Rothaargebirge“, der die Organisation der Rettungspunkte 2016 vom Sauerland-Tourismus übernommen hat. In Nachrodt-Wiblingwerde gibt es sie nicht. Und das hat Gründe.

Wanderer, die sich verlaufen, Autofahrer, die sich auf Waldwirtschaftswegen „verfransen“ und nicht mehr weiterwissen, Mountainbike-Fahrer, die stürzen und dringend Hilfe benötigen: Hilfskräfte können mithilfe der Schilder zum Ort des Geschehens gelotst werden – wenn der Verunfallte oder Verirrte die Schilder entdeckt. Mancherorts hat das schon gut geklappt. Rettungspunkt-Schilder gibt es im Märkischen Kreis zum Beispiel in Schalksmühle, Balve und Halver.

Es klingt nach einem Gewinn: Zunächst den Notruf 112 wählen, dann die jedem Rettungspunkt zugewiesenen Koordinaten angeben. „Wir haben ein System in Südwestfalen umgesetzt. Wir pflegen die Koordinaten in einer Datenbank und die Leitstellen der Kreise bekommen regelmäßig ein Update“, sagt Georg Schmitz, stellvertretender Geschäftsführer vom Naturpark Sauerland Rothaargebirge.

Dieses Angebot ist kostenlos. Die Anschaffung der Schilder muss allerdings über die Kommunen oder über Sponsoren finanziert werden. Doch: Es gibt augenscheinlich im gesamten Märkischen Kreis kein einheitliches System.

„Aus diesem Grund haben nicht viele Kommunen Rettungspunkte errichtet. Die Schilder müssen auch regelmäßig kontrolliert werden, ob eventuell Vandalismusschäden vorliegen, Schilder vertauscht oder sogar abhandengekommen sind“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat, nachdem die UWG-Fraktion die Möglichkeit, Rettungspunkte in Nachrodt-Wiblingwerde zu installieren, angefragt hatte.

Auch Mark Wille, Leiter der Feuerwehr der Gemeinde, ist eher skeptisch. Mit Smartphones sei es recht einfach, Menschen zu orten. Auch funktioniere der Notruf netzunabhängig. Nur im Nahmer Tal sei das Netz schlecht.

„Vor zwei Jahren hatten wir ein Pärchen, das sich im Dunkeln mit dem Auto auf einem Waldwirtschaftsweg verirrt hatte und dann per Whatsapp den Standort geschickt hat“, erzählt der Wehrleiter. Im vergangenen Jahr rückte die Wehr zweimal zur Klaras Höhe aus, einmal nach Veserde: „Und wir haben die Leute sofort gefunden“, sagt Mark Wille. Wenn Personen im Wald verunglücken und über ein Mobilfunknetz Hilfe rufen, können sie von der Kreisleitstelle geortet werden.

„Doch die Leitstelle darf nicht ohne Zustimmung ein Handy einfach orten“, argumentiert Georg Schmitz für die Aufstellung von Rettungspunkten. Was die Frage aufwirft, ob ein Verunfallter seine Zustimmung tatsächlich verweigern würde. Für Georg Schmitz sind Rettungspunkte auch eine subjektive Sicherheit in einer Stresssituation. In Nachrodt-Wiblingwerde kann in solch einer Situation auch mit einer Drohne per Wärmebildkamera gesucht werden.

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