100 Gäste bei Gründung „Wiblingwerde spannungsfrei“

Die Anwesenden waren von der Art des Vorgehens und der Flut an Informationen angetan. Sofort wurden etliche Mitgliedsanträge unterschrieben.

Nachrodt-Wiblingwerde - Gemeinsam mehr bewegen und das in einer sachlichen, konstruktiven und dialog-geprägten Auseinandersetzung mit dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion, das ist das Ziel der neuen Bürgerinitiative „Wiblingwerde spannungsfrei“, die sich am Donnerstagabend gründete. Mehr als 100 Interessierte hatten sich dazu im Gemeindehaus versammelt.

Die Initiatoren hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Sie hatten viele Menschen mobilisiert und waren gut vorbereitet. 

In den vergangenen Wochen sind sie zu echten Stromtrassen-Spezialisten geworden. Wie bereits berichtet, soll die Stromtrasse des Übertragungsnetzbetreibers ausgebaut werden. 

Derzeit sind zwei Trassenverläufe möglich, einmal eine neue Trasse, die östlich über den Hallenscheid an Wiblingwerde vorbei führt, und einmal der Ausbau der Bestandstrasse, die direkt über Wiblingwerde verläuft. „Wir möchten direkt betonen, dass es hier keinen Kampf um Ost- oder Westvariante geben wird. Es geht darum, die Möglichkeit zu finden, die für alle Beteiligten die geringste Auswirkung hat“, betonte Vorstand Matthias Lohmann direkt zu Beginn. 

Es werde keine Plakataktionen vor der Zentrale von Amprion, Schweigemärsche durch den Wald oder ähnliches geben. „Wir wollen mit den Verantwortlichen einen sachlichen Dialog führen, unsere Argumente vorbringen und vor allem auch Lösungsvorschläge präsentieren“, so Lohmann. Dass dies erfolgreich sein kann, bewies das Dorf Garenfeld. Dort sollte ein Umspannwerk mit riesigen Masten direkt im Ort errichtet werden. 

Durch eine Bürgerinitiative und den sachlichen Dialog wurde nun gemeinsam ein völlig neues Konzept entwickelt, das zuvor niemand auf dem Schirm hatte. Und obwohl es teurer ist, wird es nun umgesetzt. Hohe Masten gibt es nicht, alles ist eingehaust und zudem noch in ein absolutes Randgebiet verlagert worden. Federführend in diesem Dialogprozess war Anne Stamm. Sie berät seither einige Bürgerinitiativen – nun auch die Wiblingwerder. 

„Garenfeld hat zum ersten Mal in Deutschland ein Mediationsverfahren durchgeführt. Und seither kann ich nur sagen, dass es sich lohnt, sachliche Gespräche zu führen und Amprion dafür durchaus offen ist“, sagte Stamm. Aber sie betonte auch, dass eine Änderung des Trassenverlaufs vermutlich nur dann möglich sei, wenn alle Beteiligten sich für eine Alternative aussprechen, ansonsten würde der Übertragungsnetzbetreiber auf die sichere Variante zurückgreifen und seinen Bestandsschutz in Anspruch nehmen.

Was Gespräche bewirken können, zeigt sich bereits jetzt in der Becke. Dort hätte die Leitung direkt an einem Haus vorbei geführt, nun wurde im Trassenverlauf ein Knick eingebaut, was für Amprion mit deutlich höherem Aufwand und Kosten verbunden ist.

Die Anwesenden waren von der Art des Vorgehens und der Flut an Informationen begeistert. Sofort wurden etliche Mitgliedsanträge unterschrieben. Nun sollen noch zahlreiche weitere Mitglieder gewonnen werden und die Arbeit beginnen. Die Mitgliedschaft ist übrigens kostenlos. Die Arbeit soll sich durch Spenden finanzieren. Ein entsprechendes Konto wird eingerichtet, sobald das Amtsgericht die Gemeinnützigkeit anerkannt hat. Anträge und Informationen können Interessierte per Mail an wiblingwerde.spannungsfrei@gmail.com anfordern.

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