Hundepark nicht in Sicht

„Der tut nichts. Der will nur spielen“

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Bürgermeisterin Birgit Tupat und Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz zeigen die Stelle, an der eine Markierung die Höhe der Hunde feststellte.

Nachrodt-Wiblingwerde - Muss das Ordnungsamt mehr eingreifen, sich am besten auf die Lauer legen, um die Herrchen und Frauchen zur Rechenschaft zu ziehen, die ihre Hunde frei laufen lassen? Schließlich ist das allerorts in der Gemeinde verboten. Und: Sollte es in Nachrodt einen Hundepark geben, um alle Probleme zu beseitigen? Nachdem es eine heftige Debatte rund um das Reh Paula gegeben hat, das von freilaufenden „Kampfhunden“ gehetzt worden sein soll, traf sich das AK mit Bürgermeisterin Birgit Tupat und Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz.

Reiter, Hundebesitzer, Spaziergänger: Ist sich niemand mehr grün? „Das glaube ich nicht“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. „Wir haben es auch nicht pausenlos mit freilaufenden Hunden zu tun, die Reiter oder Jogger angreifen. Manchmal aber gibt es Hinweise, dass Hundebesitzer ihre Tiere immer an bestimmten Stellen laufen lassen, und dem gehen wir auch nach.“ Es gibt nämlich eine grundsätzliche Leinenpflicht in Nachrodt-Wiblingwerde. Überall – zu lesen in der entsprechenden ordnungsbehördliche Verordnung. Es gibt keine Ausnahmen. Aber: „Wenn einer außerhalb einer geschlossenen Wohnbebauung seinen Hund laufen lässt, beispielsweise auf einer Wiese, wird keiner von uns eine Vollbremsung machen, die Personalien aufnehmen und verwarnen“, sagt Sebastian Putz.

Lieblingsspazierwege sind zum Beispiel der Dümpel, oben am Salzlager zum Funkturm („bitte so parken, dass die Feuerwehr durch kommt“), in Rennerde, am Waldlehrpfad, am alten Bahnhof Lasbeck und im Löbbecke Park. Probleme gibt es nicht selten am Dümpel, wo viele Spaziergänger unterwegs sind.

„Irgendwann hatte ich den Hund meines Bruders im Büro und bin mittags auch am Dümpel spazieren gegangen. Da kam ein freilaufender Hund entgegen. Die Besitzerin rief: ‘Ach die kennen sich’. Und ich sagte: ‘Nein, die kennen sich nicht. Nehmen Sie den Hund an die Leine’“, erzählt Birgit Tupat.

"Müssen wir dann dort täglich sauber machen?" - Bürgermeisterin Birgit Tupat zum Hundepark

Vorfälle gibt es übrigens nicht so häufig wie vermutet. Selbst bei Beißvorfällen von Hunden untereinander seien die Leute so einsichtig, „dass sie in der Regel auch eine Begutachtung durch einen Veterinär machen lassen. Um zu gucken, ob es eine Ausnahmesituation war.“ Bei Listenhunden müssen die Hundeschule und die Sachkunde nachgewiesen werden – zudem sind ein „sauberes“ Führungszeugnis, Haftpflichtversicherung und Mikro-Chip wichtig. Listenhunde werden oftmals als Kampfhunde bezeichnet, weil sie als gefährliche oder potenziell gefährliche Hunde angesehen werden. In Nachrodt-Wiblingwerde gibt es fünf davon.

Im Landeshundegesetz steht, dass Hunde, die schwerer als 20 Kilo sind oder größer als 40 Zentimeter innerhalb geschlossener Wohnbebauung an der Leine zu führen sind. „Aber der, der 39 Zentimeter ist, darf laufen. Das ist ja auch ungerecht. Deshalb und aufgrund der besseren Durchsetzbarkeit gibt es jetzt die Regelung für alle „Bellos“ in der Gemeinde. „Der Dackel kann auch heftig in die Beine beißen“, meint Bürgermeisterin Birgit Tupat. Als sie im Ordnungsamt tätig war, hatte sie eine Markierung an der Tür. Damit ich die Hunde nicht mit dem Zollstock abmessen musste“, lacht sie. Die Markierung gibt es heute noch – wenn sie auch nicht mehr benötigt wird.

Den allseits beliebten Spruch „Der tut nichts, der will nur spielen“ haben sicher schon viele Spaziergänger mit oder ohne vierbeinige Begleitung gehört. Auch in der Facebook-Gruppe „Du bist Nachrodter, weil...“ wird das Thema diskutiert. „Jeder Hundehalter hat eine große Verantwortung anderen Menschen und Lebewesen gegenüber. Und als solcher muss er seinen Hund so führen, dass er sicher sein kann, dass dieser nichts und niemanden Schaden zufügt. Sicher auch der liebste und best ausgebildete Hund ist so wie auch jeder Mensch nicht immer berechenbar, aber wenn ich weiß, mein Hund jagt Lebewesen hinterher, gehört er angeleint“, schreibt zum Beispiel Brigitte Senftleben.

Ein Hundepark, so der Vorschlag einiger, könnte vielleicht das Miteinander erleichtern. „Ich wüsste keine Fläche, die uns gehört, wo man so etwas machen könnte“, sagt die Bürgermeisterin und gibt auch die Sauberkeit zu bedenken: „Müssen wir dort dann täglich sauber machen? Da freut sich aber der Bauhof.“ Abgesehen davon, müsste ein Hundepark auch eine gewisse Größe haben. „Es reichen ja nicht zehn mal zehn Meter“, fügt Sebastian Putz hinzu. Die Hundesteuer ist übrigens kein Geld, das für die Hunde der Gemeinde ausgegeben wird. Auch, wenn Hundebesitzer gern damit argumentieren. „Eine Steuer ist eine Geldleistung ohne Anspruch auf Gegenleistung.“

„Man unterschätzt den Jagdinstinkt“

Welche Probleme gibt es tatsächlich mit freilaufenden Hunden? Werden Rehe wirklich gerissen? „Das kommt durchaus vor“, sagt Forstoberinspektor Christof Schäfer. Jedes Jahr habe man damit zu tun. „Die meisten Hundebesitzer denken, dass ihr Hund ja artig sei und dies nicht mache, aber der Jagdinstinkt wird unterschätzt. Und die jungen Rehe kommen so schnell nicht weg“, sagt der Förster. Gerade jetzt, wo das Jungwild da sei und die Rehböcke ihre Konkurrenten verjagen würden, sei das Rehwild im Umbruch, oft orientierungslos und ziehe umher. So könne man auch die vielen Wildunfälle auf den Straßen erklären. „Mein Appell ist, die Hunde nicht unbeaufsichtigt laufen zu lassen und möglichst anzuleinen.“

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