Kein halber Pfarrer für Wiblingwerde

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Dr. Thorsten Jacobi (l.) werde für Wiblingwerde ein „ganzer Pfarrer“ mit Leib und Seele sein, versicherte Superintendentin Martina Espelöer (r.). ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Bestens gefüllt war am Reformationstag die Kirche in Wiblingwerde. Grund dafür war nicht nur das Gedenken an Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg vor bald 500 Jahren, sondern auch die Amtseinführung von Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi, der die Gemeinde auf dem Berg zukünftig geistlich begleiten wird.

„Gibt es das – eine halbe Pfarrstelle?“, fragte Superintendentin Martina Espelöer und gab eine klare Antwort: „Nein, einen halben Pfarrer gibt es nicht. Ein Pfarrer ist immer ein ganzer Pfarrer mit ganzem Leib und ganzer Seele.“ Dr. Thorsten Jacobi wird dieser „ganze Pfarrer“ zukünftig aber für die Evangelisch-reformierten Gemeinden Hohenlimburg und Wiblingwerde sein. Eine solche Lösung sei „nicht immer ein leichter Weg, aber einer, den uns diese Zeit abverlangt“, sagte Espelöer und warb um ehrenamtliche Unterstützung aus der Gemeinde: „Die Kirche braucht Sie, um zu neuen Lösungen zu kommen und zu sagen ´Wir wagen es!‘“Äußere Umstände müssten begünstigend dazukommen: „Die Residenz im Pfarrhaus Hohenlimburg ist ein Grund, sich einen milden Winter zu wünschen“, scherzte die Superintendentin.

Theologisch brachte Martina Espelöer Luthers Freiheitslehre mit dem immer wieder fälligen Aufbruch einer „kritischen Kirche gegenüber Hierarchien“ zusammen. „Die Gnade der Freiheit ist von Gott geschenkt und geht auch dem Handeln des modernen Menschen voraus“, betonte die Superintendentin und rief die Gemeinde zu einem engagierten Handeln in der Welt auf. „Ich wünsche dieser Gemeinde, dass sie sichtbar und mutig in dieser Gesellschaft das Gesicht der Menschlichkeit zeigt.“

Pfarrer Thorsten Jacobi, der seine Doktorarbeit über ein Pauluswort aus dem Galaterbrief schrieb („Zur Freiheit hat uns Christus befreit“), zeigte sich in seiner ersten Predigt ebenfalls als kämpferischer Protestant. Vor dem Hintergrund eines „ernüchternden“ und „entmutigenden“ Papstbesuches in Deutschland machte Jacobi das allgemeine Priestertum aller Gläubigen stark gegen eine Haltung, die sich die Wahrheit von einer „Hierarchie geweihter Männer“ vorgeben lasse. „Wir alle sind mit päpstlicher Vollmacht in diese Welt geschickt“, betonte der Pfarrer und verwies auf verteilte Postkarten mit fünf getauften Babys: „Wir sind Papst“, wird ihnen darauf in den Mund gelegt – frei nach Luthers Diktum: „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das ist schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht.“

Die als „Liebe Päpstinnen und Päpste“ angesprochene Gemeinde verschönte die Feier durch Gesang, von den Presbytern gesprochene Segenswünsche für den neuen Pfarrer und durch Musik: Es spielte der CVJM-Posaunenchor unter der Leitung von Rainer Nowak, und es sang das „Singteam“ unter der Leitung von Johannes Köstlin.

Viele Gemeindemitglieder kamen anschließend noch ins Gemeindehaus nebenan, um die Amtseinführung ihres neuen Pfarrers gebührend zu feiern. ▪ thk

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