Erinnerung an SGV überlebt bei Karl-Heinz Lück

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Karl-Heinz Lück war der letzte Vorsitzende der SGV-Abteilung Nachrodt. Die alten Wimpel bewahrt er bis heute auf.

Nachrodt-Wiblingwerde - Das SGV-Lied ist eine selten gehörte Rarität in Nachrodt-Wiblingwerde. Bis in die 70er Jahre war es üblich, dass organisierte Wanderer über die Dörfer zogen und dabei eine heitere Melodie anstimmten - dann löste sich die eigene SGV-Abteilung der Doppelgemeinde auf. Heute schließt der SGV Altena diese Lücke: Der Seniorengruppe der Abteilung sind noch einige Nachrodter Bürger angeschlossen, die nun mit den Altenaern ihre Heimat erkunden.

Es tönt durch Rennerde: „Halli Hallo – das Wandern macht uns froh!“ Gisela Gundermann und Norbert Grebe empfangen ihre Gäste mit heißen Würstchen und Kartoffelsalat. „Zugabe!“ fordern die Betreiber des Cafés Klunterbunt. Die gibt’s aber erst nach dem Essen.

Doris Reineri und Karl-Heinz Lück sind im vergangenen Jahr schon vorgewandert. Seit 2011 leiten die beiden die monatlichen Wandertouren der Seniorenabteilung im SGV Altena. Sie erkundschaften, über welche vorgezeichneten Wanderwege oder Holzabfuhr-Strecken der Spaziergang wohl am komfortabelsten ist. Danach wird der Wanderplan erstellt.

Rennerde wurde an diesem Donnerstag über Obstfeld, Wiblingwerde und Eilerde erreicht. Eine gute Stunde war die Gruppe unterwegs. Strammen Schrittes geht die Gruppe aber nie ihrem Ziel entgegen. „Jeder soll bei uns mitkommen können“, erklärt Doris Reineri. Aufs Alter und die möglichen damit einhergehenden Gebrechen nimmt die Abteilung Rücksicht, obwohl sie das bei ihrem ältesten Mitglied gar nicht braucht: Elly Schumacher ist 91 und hält durch wie ein gutes Paar Wanderschuhe. Die sind Pflicht für alle, die sich der Abteilung als Mitglieder oder Gäste anschließen. „Wir nehmen alles und jeden mit – aber keine Stöckelschuhe“, betont Karl-Heinz Lück lachend.

Als der Einsaler vor rund 40 Jahren in den SGV eintrat, da gab es die Nachrodter Abteilung zwar noch, doch ihr Ende war damals schon abzusehen. 1975 wurde Lück ihr Erster Vorsitzender. In dieser Amtszeit nahm er von den wenigen Nachrodter Mitgliedern, die noch aktiv waren, die Wimpel der Haupt- und Jugendabteilung entgegen. Die hütet er bis heute gut. „Ist ja eine nette Erinnerung“, begründet er.

Von den Übersiedlern ist heute keiner mehr da. „Die Nachrodter Abteilung war zu klein und überaltert”, erklärt Lück. Aber die Altenaer sorgten dafür, dass das Wanderparadies in der Nachbarkommune weiterhin genutzt wurde.

Zum Beispiel als Karl-Heinz Tacke den Wiblingwerder Waldlehrpfad einrichtete: „Da sind wir natürlich sofort hoch”, erinnert sich Doris Reineri. Die SGV-Abteilung Altena steht Pate für die Errichtung des neuen Natur- und Geschichtslehrpfads am Altenaer Klusenberg. Tacke ist selbst Mitglied und Naturschutzwart und hat auch im SGV Altena eine Heimat gefunden zur Ausübung seiner vielfältigen Aktivitäten rund um die heimische Umwelt. Das Wissen um Flora, Fauna und Geschichte einer Region ist wichtig – besonders für Karl-Heinz Lück und Doris Reineri. Sie müssen sich schließlich vor jeder Unternehmung über das Ausflugsziel schlau machen und erkunden, ob es eine Möglichkeit zur Einkehr gibt. „Die ist besonders wichtig“, erklärt das Wanderführer-Team. „Bei uns wird Geselligkeit nämlich genauso groß geschrieben, wie das Wandern selbst!“

Dass Rennerde mal wieder auf dem Programm stand, war auch der Eröffnung des Cafés Klunterbunt geschuldet. Das hat donnerstags zwar nicht regulär geöffnet, aber Gisela Gundermann empfing die 21-köpfige Gruppe trotzdem gern. „Manchmal müssen wir von unserem angestammten Dienstag abweichen. Normalerweise brechen wir immer an jedem dritten Dienstag im Monat auf. Aber wir disponieren um, wenn die Gaststätten Ruhetage haben oder es sich lohnt, an einem anderen Tag auszufliegen”, erklärt Doris Reineri. Zum Beispiel, wenn die Biggesee-Schifffahrten zu einem Schnäppchenpreis angeboten werden.

Alle Fahrten hat die Abteilung in einem Gästebuch dokumentiert: Neben der Anwesenheitsliste fügt Doris Reineri oft auch Fotos und ein Gedicht dazu. „So weiß auch die Nachwelt noch, wo wir mal waren“, erklärt sie lachend. Und dass es sich lohnt, in Nachrodt-Wiblingwerde zu wandern. „Das schreibe ich natürlich dazu!“ - Ina Hornemann

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