Wiblingwerder Kulisse für Hagener Burgenfilm

Das Anlegen der zentnerschweren Ritterrüstung ist anstrengend und dauert ziemlich lange. Dr. Karl-Heinz Lindenlaub nimmt den Aufwand aber in Kauf.

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein neuer Film erzählt die spannende, abwechslungsreiche und teilweise tragische Geschichte von Burgen im Raum Hagen. Dabei spielt das mächtige Shire Horse „Bumblebee“ von der Pferdepension Waldemey bei Brenscheid eine tragende Rolle. Die Stute trabt als furchteinflößendes Schlachtross durch viele Filmszenen.

Mittelalter – da denkt Jeder an finstere Burgen, tapfere Ritter und zarte Burgfräulein. Das Mittelalter begann um das Jahr 500 und endete 1000 Jahre später. In dieser langen Zeit wurden in Mitteleuropa mehr als 20 000 Burgen gebaut, kleine und große. Meistens wurden sie an strategisch wichtiger Stelle errichtet – etwa um Handelswege oder Flussübergänge zu überwachen. So entstand im 12. und 13. Jahrhundert an Ruhr, Lenne und Volme eine regelrechte Burgenlandschaft von überregionaler Bedeutung. Ein Teil dieser Burgen wird in dem Film „Die Burgen von Hagen“ vorgestellt.

Die in Wiblingwerde und auf Waldemey gedrehten Bilder werden im Film als Vorspann, Abspann und als verbindendes Element zwischen den einzelnen Burgen-Vorstellungen verwendet. „Bumblebee“ kurvt wuchtig auf engen Waldwegen, an der Lanze flattert die gelbe Fahne des „Heiligen Römischen Kaiserreichs Deutscher Nation“, die mit dem doppelköpfigen Reichsadler darauf. Oder sie trabt mit wehender Fahne am Waldsaum entlang. Besonders imposant wird es immer, wenn sie direkt auf die Filmkamera zusteuert. Natürlich reitet „Bumblebee“ im Film auch zu einigen Burgen.

Shire Horses sind die Größten – und eine Weiterzüchtung der überlegenen englischen Schlachtrösser des Mittelalters. Geritten wird „Bumblebee“ bei den Filmaufnahmen von ihrem Besitzer Dr. Karl-Heinz Lindenlaub. Er trägt dabei eine detailgetreu nachgestaltete, zentnerschwere Ritterrüstung.

Lindenlaub schwärmt: „Es ist ein gigantisches Gefühl, so ein Ritt mit Rüstung, Lanze und Fahne. Da wird einem schnell klar: Diese Ritter zu Pferde waren die Könige des Mittelalters. Wenn sie auftauchten, muss das ungefähr so gewesen sein, als ob man heute mit einem Kampfpanzer durch die Altenaer Fußgängerzone fahren würde.“ Natürlich darf man mit dieser Panzerung nicht vom Pferd fallen, denn das Blech gibt beim Sturz keinen Millimeter nach. Bei Lindenlaub besteht diese Gefahr nicht. „Ich bin alter Springreiter. Da hat man gelernt, sich möglichst in jeder Situation im Sattel zu halten. Trotzdem, ich glaube nicht, dass viele Reiter mir das nachmachen würden“, sagt er nicht ohne Stolz.

Diese Ritter müssen harte Kerle gewesen sein. Die Rüstung drückt, sie klappert bei jeder Bewegung, man erkennt nur wenig durch die schmalen Sehschlitze im Helm und die Panzerung schränkt die Bewegungsfreiheit brutal ein. Und nach kürzester Zeit wird es auch ganz schön warm unter dem Blech. Man muss sich einmal vorstellen: Damit kämpften sie früher gegeneinander auf Leben und Tod! As heutiger Sicht ist das kaum noch vorstellbar.

Die Film-Rüstung ist absolut tauglich für schwere Kämpfe. Aber sie ist natürlich „nur“ der Nachbau eines unbezahlbaren historischen Originals. Lindenlaub war wichtig, dass alles echt aussieht. Die Operetten-Kostüme, die bei vielen Mittelalterfesten zum Einsatz kommen, waren ihm nicht gut genug. Fündig wurde er in einem Mittelalter-Laden in Köln. „Auch nach den Dreharbeiten wird die Rüstung sicherlich noch öfter eingesetzt“, glaubt Lindenlaub. Derzeit führt er Gespräche, ob im nächsten Jahr auch ein Film über die Burgen im Märkischen Kreis produziert wird.

Das Anlegen der Rüstung ist ohne fremde Hilfe unmöglich. Die einzelnen Schutzschilde für Brust, Rücken, Arme und Beine werden einzeln mit Lederriemen am Körper des Ritters verzurrt. Früher wurde dann der Ritter mit einem primitiven Holzkran aufs Pferd gehoben.

Lindenlaub lässt sich beim Filmeinsatz erst Brust- und Rückenpanzer und die Armschienen anlegen. Dann klettert er mit Hilfe einer Aluleiter aufs Pferd. Danach erst folgen die Beinschienen, die Eisenhandschuhe, der Helm und die Lanze. Das ist nicht nur kompliziert, es dauert auch seine Zeit. Lindenlaub lacht: „Steigen Sie mal mit einem 55 Kilo schweren Rucksack auf ein Fahrrad. Der Sattel von ,Bumblebee’ liegt aber in 1,90 Meter Höhe.“

Glücklicherweise ist seine Stute absolut zuverlässig und macht alles mit. „Bumblebee“ hat auf Waldemey schon Holz gerückt, sie kann pflügen, die Kutsche ziehen und sie ist Reitpferd. Jetzt gibt sie auch noch bereitwillig das mächtige mittelalterliche Schlachtross. Natürlich sorgen bei ihr das extrem hohe Reiter-Gewicht, das Rüstungs-Geklapper und die Unruhe bei den Dreharbeiten für eine gewisse Nervösität. Beruhigend wirkt Björn Boshe-Plois aus Brenscheid, der auch schon viel mit dem Tier gearbeitet hat. Er betreut nicht nur das Pferd in den Drehpausen. Er hilft auch beim Anlegen der Rüstung für Ritter und Pferd. Mit jedem neuen Einsatz bekommt das Shire Horse mehr Routine und genießt sichtlich das Lob nach Abschluss des Drehtages. Lindenlaub: „Wer die alten Bilder anschaut, kann die brutalen Sporen an den Hacken der Ritter erkennen, mit denen sie ihre Pferde dirigierten. Ich reite aber grundsätzlich ohne Sporen.“

Die Dreharbeiten dauerten gut zwei Monate. Zwei Kamera-Männer waren im Einsatz, Otto Jürgens und Klaus Zettier aus Iserlohn. Sie übernehmen auch den zeitaufwendigen Schnitt des gedrehten Materials und die Nachvertonung. Eine Kamera-Drohne sorgt für atemberaubend schöne Burg-Ansichten aus der Vogelperspektive. Burgenführer ist der Vorsitzende des Hagener Heimatbundes Michael Eckhoff. Seine Moderation in schwerer Rüstung wurde in der urigen Atmosphäre der Kutschen-Remise auf Hof Waldemey gedreht. Anfang September kommt der Hagener Burgen-Film in den Verkauf. Er ist dann für 9,95 Euro voraussichtlich auch im örtlichen Buchhandel erhältlich.

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