Neid und Missgunst um einen Preis?

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Aykut Aggül (links) und Matthias Lohmann (rechts, beide SPD) argumentierten im Rat für den Ehrenamtspreis.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Wir in Nachrodt-Wiblingwerde sind füreinander da“, begeisterte sich SPD-Ratsherr Aykut Aggül und hatte wohl nicht damit gerechnet, dass seine Idee, in der Gemeinde einen Ehrenamtspreis zu vergeben, während der Sitzung des Rates zu einer Kampfabstimmung führen würde.

Tatsächlich wurde es eine knappe Geschichte: mit zehn Ja-, acht Nein-Stimmen und einer Enthaltung „schlüpfte“ der SPD-Antrag durch. Das Spannende dabei: Der Christdemokrat Peter Herbel stimmte mit den Sozialdemokraten, seine Kollegin Kathrin Püschel enthielt sich, Jens Philipp Olschewski, Klaus-Dieter Jacobsen (beide CDU) fehlten, so dass letztendlich CDU und UWG gemeinsam nicht genug in die Waagschale werfen konnten.

Überrumpelungstaktik warf Lars Wygoda der SPD mit dem Antrag vor, der ursprünglich nicht auf der Tagesordnung stand und kurzfristig mit in die Beratung aufgenommen wurde.

Aykut Aggül begründete die Vergabe eines Ehrenamtspreises mit den Worten: „Ein Ehrenamt erfordert Zeit und Kraft, Ausdauer und Verlässlichkeit und manchmal kostet es auch Nerven. Durch Menschen, die sich für unsere Gemeinde engagieren, wird unsere Gesellschaft lebendiger und wärmer. Das ist gerade in diesen Zeiten, in denen wir nahezu atemlos von Krise zu Krise hechten, umso wichtiger. Das Ehrenamt reicht beispielsweise von der Arbeit in den Sportvereinen und dem Engagement in den Kirchen und Moscheen über die Mitarbeit im Flüchtlingskreis, im Bürgerbad, im Bürgerbus Verein, in Fördervereinen und bei den Kräften in unserer freiwilligen Feuerwehr.“

Bedeutung des Ehrenamts wertschätzen

Jetzt, so Aykut Aggül, sei es an der Zeit, einen Ehrenamtspreis einzuführen, um zu zeigen, „wie hoch wir die Bedeutung des Ehrenamtes wertschätzen.“ Mitreißen konnte er damit weder CDU noch UWG.

„Die Idee ist nicht verkehrt, aber sie wird Neid und Missgunst hervorrufen“, meinte der CDU-Fraktionsvorsitzende Lars Wygoda. „Man pickt sich jemanden heraus und die anderen fühlen sich auf den Schlips getreten.“ Auch Michael Schlieck (CDU) war dieser Ansicht und hob das Ehrenamtsgrillen für alle hervor, das die Gemeinde im vergangenen Jahr das erste Mal veranstaltete. „Wir müssen niemanden herauspicken“, erklärte auch Petra Triches für die UWG.

Vergleich mit Oscar-Verleihung

Dass es Menschen gibt, die sich über das normale Maß hinaus engagieren, brachten Christian Pohlmann (SPD), Matthias Lohmann (SPD) und Peter Herbel (CDU) in die Diskussion. „Bei der Oscar-Verleihung sind auch nicht 500 Leute enttäuscht, sondern pflichten Beifall“, so Matthias Lohmann zum Thema Neid derer, die nicht für den Preis ausgesucht werden. Dass es sehr schwierig sein wird, einen Preisträger auszuloben, führte Sonja Hammerschmidt (UWG) ins Feld: „Es gibt so viele Leute, die ehrenamtlich tätig sind. Das gibt nur böses Blut.“

In anderen Städten gibt es ebenfalls Ehrenamtspreise. Doch das kommentierte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Gülicher mit den Worten: „Andere machen das auch? Das interessierte den Ratsherrn Gülicher nicht.“

Ehrenamtspreis wird kommen

Fakt ist: Es wird jetzt einen Ehrenamtspreis geben. Wie er aussieht und ob er im Rahmen des (natürlich stattfindenden) Ehrenamtsgrillen überreicht wird, steht noch nicht fest – wohl aber das Datum zum Feiern:

Die Party unter freiem Himmel am Feuerwehrgerätehaus am Holensiepen für alle ehrenamtlich Tätigen der Gemeinde findet am 19. Mai statt.

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