Tipps und Trick für Mensch und Tier

Kampf gegen Kälte: So geht‘s richtig

Viel Spaß im Schnee: Den Pferden machen Kälte und Schnee nichts. Sie spielen auf der Weide in Wiblingwerde.
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Viel Spaß im Schnee: Den Pferden machen Kälte und Schnee nichts. Sie spielen auf der Weide in Wiblingwerde.

Zwiebellook, dicke Wolle und Fußbodenheizung fürs Schwein: Es gibt viele Tricks, um sich vor der Kälte zu schützen. Die Landwirte fordert das wetter besonders.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Doppelgemeinde friert – und das wird wohl auch noch eine Weile so weiter gehen. Erst am Sonntag soll das Thermometer wieder über null Grad steigen – eine große Herausforderung für Mensch und Tier. Pferde toben im Schnee, Frischlinge kuscheln, an Alpakas hängen Eiszapfen und die Kinder im Waldkindergarten zeigen, wie sich der Mensch für das frostige Wetter rüsten sollte. Ein Überblick.

Frischlinge im Kuschelmodus

„Besonders hart trifft es die Wildschweine. Sie haben schon ihre Frischlinge“, erzählt Jäger Heiko Cordt. Sie können die Temperaturen gut überstehen, wenn sie sich in der Rotte aneinander kuscheln und wärmen. Das Problem: die vielen Wintertouristen im Wald.

Die Wildtiere brauchen jetzt absolute Ruhe. Rehe, Dammwild und andere Wiederkäuer fahren zudem ihren Stoffwechsel ganz herunter. So können sie die eisigen Temperaturen gut überstehen. Das geht aber nur, wenn sie nicht von freilaufenden Hunden, Mountainbikern und Wanderern gestört werden. „Wenn alle auf den Wegen bleiben, ist das kein Problem. Aber abseits der Wege sollte sich aktuell niemand aufhalten“, appelliert Cordt an die Outdoorfreunde. Futter finden die Tiere übrigens noch genug, da die Schneedecke nicht so hoch ist.

Fußbodenheizung für Schweine

Schweine haben zwar kein Winterfell, frieren müssen sie dennoch nicht – zumindest nicht in Brenscheid. „Unsere Ferkel haben wir drinnen. Bei den Temperaturen genießen sie die Wärme auf der Fußbodenheizung“, erzählt Regina Bräuer-Weustermann. Die Schweine, die draußen im Laufstall leben, haben eine dicke Strohunterlage.

„Wichtig ist, dass es von oben trocken ist. Dann überstehen sie das ganz gut“, erzählt die Landwirtin. Auch die Hausschweine kuscheln sich aneinander – und übereinander und wärmen sich dann gegenseitig.

Auf dem Hof in Brenscheid gab es aber noch ein weiteres Problem: Eine Gans hatte bereits ein Küken ausgebrütet. Etwas früh im Jahr. „Das wohnt jetzt bei uns im Haus. Das wäre sonst vermutlich erfroren“, erzählt Landwirtin Regina Bräuer-Weustermann.

Kühen ist das Lkw-Fahrverbot egal

Den Kühen im Höhengebiet macht das kalte Wetter nichts aus. Die Landwirte stehen hingegen vor Schwierigkeiten. „Unser größtes Problem ist das Lkw-Fahrverbot. Dann wird die Milch nicht abgeholt und kein Kraftfutter geliefert“, erzählt Dominick Hannuschke. Gegen die Kälte hat er sich und seine Tiere gewappnet.

Dicke Wolle hält warm: Die Alpakas auf Hof Hegemann sind für den Winter von Natur aus gerüstet.

„Wir haben den Melkstand komplett mit Folie verklebt und eine Heizung aufgestellt. Das Schlimmste wäre, dass wir nicht melken können. Das wäre für die Kühe eine Katastrophe“, berichtet der Landwirt vom Eilerder Feld. Sein Kollege Martin Hohage hat ähnliche Probleme: „Wir haben alle Winkel fest verschlossen. Bei Dauerfrost friert jedoch immer irgendwo eine Leitung ein. Dann heißt es mit der Hand tränken.“

Urin und Kot friert am Boden fest

Das große Glück sei, dass es nicht auch noch eisigen Wind gäbe, dann wären die Probleme im betrieblichen Ablauf noch viel größer, weil dagegen auch kein Heizsystem mehr ankommt. Ein weiteres Problem sei aktuell die Hygiene im Stall. „Normalerweise werden die Spalten, in die Kot und Urin fließen, regelmäßig gesäubert. Das ist jetzt schwierig, da alles sofort am Boden festfriert. Das schafft der Roboter dann nicht mehr“, berichtet Martin Hohage.

Die Alpakas auf dem Hof Hegemann genießen den Winter. Mit ihrer dicken Wolle sind sie gut geschützt vor den eisigen Temperaturen. Gut gelaunt stehen sie auf der Weide und nur selten im Unterstand. „Auf dem Fell haben die richtige Eisplatten. Fasst man aber in die Wolle, ist sie innen noch ganz warm und trocken“, erzählt Geraldine Hegemann-Malkus.

Warmes Wasser für Alpakas

Das Einzige, das aktuell etwas anders läuft, ist die Wasserversorgung: „Wir bieten den Alpakas mehrmals täglich warmes Wasser an. Das nehmen sie etwas besser an und wir können gewährleisten, dass sie auch bei den Temperaturen genug saufen“, erklärt die Expertin.

Warm eingepackt: Alexandra (4) aus dem Waldkindergarten weiß, wie man sich gut vor Kälte schützt.

Auch die Pferde auf dem Hof genießen den Schnee. Sie wälzen sich und toben. „Beim Reiten ist allerdings Vorsicht geboten. Wir Menschen sollen bei dem Wetter ja auch keine Höchstleistungen vollbringen“, sagt die Reitlehrerin. Das sieht auch Wiebke Cordt-Humpert so. Auf ihrem Hof in Wörden werden die Pferde auch nur leicht bewegt: „Das Verletzungsrisiko ist einfach zu hoch bei den Temperaturen.“ Die Pferde gehen daher derzeit mehr auf die Weide und werden nur leicht geritten.

Warme Kleidung: Kinder machen es vor

Während die Tiere gut mit der Witterung klar kommen, frieren Menschen schon schneller. Die Kinder im Waldkindergarten haben damit jedoch kein Problem. Sie wissen, wie es geht: „Man muss ganz viel übereinander ziehen“, sagt die vierjährige Alexandra. Vier Hosen und gleich mehrere Pullover und Jacken trägt sie.

Darüber gefütterte Matschkleidung gegen die Feuchtigkeit. „Wir empfehlen bei dem Wetter vor allem Fließhosen. Auch Wolle und Seide hält gut warm. Wichtig ist, dass die Kleidung atmungsaktiv ist, falls man schwitzt“, erklärt Erzieherin Katja Grauel. Entscheidend sei aber vor allem die Bewegung: „Wer nur auf der Stelle steht, friert einfach schnell.“

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