Wurst in der Handtasche

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Kai Kantimm zieht Register gegen Diebe: Die hochwertigen Spirituosen sind gesichert. Versucht man den Verschluss zu öffnen, bricht der Flaschenhals ab.

Nachrodt-Wiblingwerde - Sie lassen mitgehen, was nicht niet- und nagelfest ist. Besonders gern Fleischpakete. Gerade die Köstlichkeiten ausgesucht und überreicht bekommen, wandern sie ein paar Meter weiter hinter irgendeinem Regal in die Handtasche. Schnell noch ein Stück Käse in die Jackentasche gesteckt, dann kann es Richtung Ausgang gehen. Doch Ladendiebe haben bei Edeka mittlerweile kein leichtes Spiel mehr.

„Bei manchen Kunden bin ich richtig enttäuscht. Stammkunden, die seit 15 Jahren hier einkaufen. Da hätte ich an Diebstahl niemals geglaubt“, sagt Kai Kantimm, Inhaber des Edeka-Marktes in Nachrodt, und erzählt von einem älteren Ehepaar, das auf frischer Tat ertappt wurde. Denn Kai Kantimm hat „aufgerüstet“.

Die Wurstwaren von der Fleischtheke sind nun mit dem Kassensystem verbunden. Wenn der Kunde Wurst kauft, hat er 40 Minuten Zeit, um zur Kasse zu gehen. Wenn es länger dauert, bekommt der Edeka-Chef einen Hinweis. Mit einer Videoüberwachung, die mittlerweile auch wesentlich besser und in HD-Qualität ist, kann er den Weg des Kunden zurückverfolgen – inklusive Wurstpaket.

„Der Mann hat beim Getränkeshop auf seine Frau gewartet. Dort machte sie die Handtasche auf und steckte die Wurst hinein. Sie hat dann auch noch ein Stück Käse mitgehen lassen.“ Als Kai Kantimm das Paar ansprach und es ins Büro bat, stritt das Diebes-Duo erst einmal alles ab. Hausverbot. Anzeige. Doch zu einer Verurteilung kam es nicht. „Das Verfahren wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.“

Ein anderer Kunde packte seinen Rucksack voll: Kavier. Wurst. Ein Hähnchen. Sachen für 80 Euro. „Dann kaufte er einen Artikel für 50 Cent und wollte verschwinden“, sagt Kai Kantimm, der direkt die Polizei rief. „Er hat gesagt, dass ihn das alles nicht interessiert.“

Aber nicht alle kommen mit einem blauen Auge und Hausverbot davon: Ein 19-Jähriger wurde verurteilt, nachdem er vier Dosen Paderborner Bier und eine Flasche Cola zum Gesamtpreis von rund fünf Euro geklaut hatte. Für Hackfleisch und zwei Dosen Warsteiner wären zwei Tage später acht Euro fällig gewesen. Für diese beiden Diebstähle im Wert von insgesamt 13 Euro setzte der junge Mann seine laufende Bewährung auf’s Spiel. Denn er war wegen Beleidigung, Betrug, Diebstahl und der „Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole“ bereits zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Letztlich klaute er auch in Iserlohn, wurde erwischt und landete im Gefängnis.

 Welches Verlustgeschäft Kai Kantimm aufgrund von Diebstählen macht, kann er nicht beziffern. „Ich will das gar nicht genau wissen“, sagt er. Den kriminellen Energien setzt Kantimm auch das Wegsperren von Tabak oder Kondomen entgegen. Diebe bereiteten dem Einzelhandel im vergangenen Jahr insgesamt Verluste in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Besonders begehrt sind hochwertige Artikel – auch in Nachrodt. Die teuren Spirituosen sind dort gefragt.

 „Die günstigen Sachen unter zehn Euro klaut keiner. Die kann man nicht weiterverkaufen“, sagt Kai Kantimm. Doch das „teure Gesöff“ mitgehen zu lassen, lohnt sich nicht. Denn die Flaschen sind mit einer Sicherung ausgestattet, einer Art Flaschenhals-Umrandung. Huscht man mit dem Diebesgut durch den Kassenbereich, gibt es einen Alarm. Für den Fall, dass der Diebstahl doch klappen und man versuchen sollte, die Flasche zu öffnen, bricht der Hals ab.

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