Kämpferische Kandidaten in Nachrodt-Wiblingwerde

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Das von der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) vorgeschlagene Sparpaket hat nicht nur die Vorsitzenden der drei Ratsfraktionen und die Verwaltungsspitze schockiert. Auch bei den drei Bürgermeisterkandidaten haben die Vorschläge zur Konsolidierung des Gemeindehaushaltes für Entsetzen gesorgt.

Eines vorab: Auch nach dem Studium des von SPD-Fraktionschefin Susanne Jakoby „Liste der Grausamkeiten“ genannten GPA-Papiers wollte keiner aus dem Kandidaten-Trio kurz der Bürgermeisterwahl einen Rückzieher machen. Geahnt hatten sie wohl alle drei schon, dass die Prüfung der gemeindlichen Finanzen unliebsame Folgen haben könnte. Vom Ausmaß der Forderungen nach noch mehr Einsparungen und höheren Steuern waren sie dann aber doch – gelinde gesagt – überrascht.

„Wenn das so umgesetzt würde, wäre das der Ausverkauf unserer Gemeinde“, sagte SPD-Kandidat Gerd Schröder und äußerte Zweifel, ob die Sparvorschläge wirklich eins zu eins befolgt werden können. Fest steht allerdings für ihn, „dass wir nicht um tiefe Einschnitte herumkommen werden“. Schröder plädierte dafür, die nun anstehenden Entscheidungen ohne Hektik zu fällen, die Vorgaben der GPA nicht als unabwendbares Schicksal zu betrachten. „Wir werden sehr viel Kreativität und nüchternen Verstand brauchen“, sagte er. Das Beispiel der einstmals extrem klammen Stadt Hagen – dort arbeitet der 56-Jährige im Fachbereich Finanzen und Controlling – zeige, dass es grundsätzlich möglich sei, einen Haushalt zu konsolidieren. Daran könne sich auch die Doppelgemeinde ein Beispiel nehmen.

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Wenn er schon zu Jahresanfang einen tieferen Einblick in die Finanzsituation der Gemeinde gehabt hätte, hätte er sich die Kandidatur für das Bürgermeisteramt „sicherlich noch einmal überlegt“, räumte Klaus-Dieter Jacobsen (CDU) ein. „Allerdings bin ich kein Typ, der kneift. Deshalb sage ich mir: Jetzt erst recht“, zeigte sich der 51-Jährige kämpferisch. Er traue sich zu, die jetzt notwendigen neuen Wege zu gehen. Aber auch Jacobsen betrachtet die Vorschläge der GPA nicht als unumstößlich. „Das ist ein Prozess, der sich ständig verändert“, sagte er über die Entwicklung der Gemeindefinanzen und äußerte damit seine Hoffnung, dass sich der eine oder andere Einschnitt in die gemeindliche Infrastruktur noch abwenden lasse. „Jetzt geht es darum Lösungen zu finden – auch in der Bevölkerung“, machte der CDU-Kandidat deutlich, dass die Probleme nicht von den gewählten Vertretern des Rates allein gelöst werden können.

Am wenigsten vom Sparpaket der GPA überrascht war offensichtlich die parteilose Bewerberin Birgit Tupat. „Ich kannte ja die Haushaltslage“, erklärte die 45-Jährige, die bei der Gemeindeverwaltung seit rund vier Jahren den Fachbereich Sicherheit/Ordnung und Soziales leitet. Deshalb habe sie in den vergangenen Wochen auch in vielen Gesprächen betont, dass es schmerzliche Einschnitte geben müsse. „Es konnte ja auch nicht so weitergehen“, waren für Tupat die nun anstehenden Konsequenzen unausweichlich. „Den Kopf einziehen“, will sie jetzt dennoch nicht. Es gelte nun, in den politischen Entscheidungen Kreativität zu zeigen und an einem Strang zu ziehen, setzt die einzige Frau im Kandidatenkarussell auf die Geschlossenheit des Rates. Für sie bedeuten die Vorschläge der GPA übrigens noch nicht das Ende der Gemeinde. „Vielleicht wird die Bürgerschaft dadurch ja auch wachgerüttelt“, setzt sie darauf, dass auch aus der Bevölkerung noch Vorschläge zur finanziellen Rettung kommen.

Dass sie ein schweres Erbe antreten, ist allen drei Bewerbern um das Bürgermeisteramt klar. Deshalb wird mindestens eine(r) am Sonntagabend nach Auszählung der Wählerstimmen vielleicht doch froh sein, die schwere Bürde in den nächsten Jahren nicht tragen zu müssen. ▪ vg

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