Wälder in Nachrodt-Wiblingwerde

„Käfer nicht aufzuhalten“: Förster zeichnet düsteres Bild

Waldbesitzer sollten ihre Fichtenbestände auf Befall durch Borkenkäfers kontrollieren.
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Der Borkenkäfer ist weiter auf dem Vormarsch.

370 Hektar Wald werden verschwinden: das prognostiziert der Revierförster für Nachrodt-Wiblingwerde. Besonders bitter: Alle Versuche, dem Borkenkäfer Einhalt zu gebieten, schlugen bislang fehl.

Nachrodt-Wiblingwerde – Das Landschaftsbild hat sich bereits deutlich verändert – und wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verändern. Rund 370 Hektar Fichtenwald werden im Gebiet der Forstbetriebsgemeinschaft Nachrodt-Wiblingwerde verschwinden. Das ist sicher.

„Der Borkenkäfer ist immer noch massiv, vermehrt sich trotz aller möglichen Maßnahmen sogar noch“, sagte Förster Christof Schäfer im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft im Schloss-Hotel Holzrichter. Der Totalverlust der Fichte sei somit so gut wie sicher.

Förster: Auch Lärche und Buche betroffen

Dabei haben Schäfer und die Waldbesitzer einiges probiert, um die Bäume zu retten. So wurden Fangholzhaufen errichtet. Polter, die lange liegen, sogar mit Pestiziden behandelt. „Aber ich muss leider sagen, dass das nicht wirklich etwas gebracht hat, der Käfer lässt sich nicht aufhalten“, erklärte der Förster weiter.

Und er hatte noch mehr schlechte Nachrichten, denn neben den Fichten seien auch immer mehr andere Baumarten betroffen: die Buche und die Lärche beispielsweise. Schuld seien die trockenen Sommer. Insbesondere die Buche habe damit zu kämpfen. Vor allem an Orten, wo sie nicht tief wurzeln kann, sei sie einem enormen Trockenstress ausgesetzt und somit anfällig geworden.

Mischwald, um Risiko zu streuen

„Gefühlt hat es dieses Jahr viel Regen geben, aber das ist so nicht ganz richtig. Es ist ein absolutes Durchschnittsjahr. Zudem gab es immer wieder Starkregen. Der hilft dem Wald kaum, da er einfach über den Boden abläuft und nicht bis zu den tiefen Wurzeln vordringt“, erklärte Schäfer die Problematik.

Revierförster Christoph Schäfer

Bis auf den abgeholzten Flächen neuer Wald entsteht, wird es noch eine Weile dauern. Frühestens zum Herbst hin werde man damit beginnen, eher nächstes Jahr. „Wir werden bei den Neupflanzungen auf Mischwald setzen, um das Risiko einfach zu streuen“, erklärt Christof Schäfer.

Neuanpflanzungen gehen massiv ins Geld

Zudem soll es keine großflächigen Anpflanzungen geben. Stattdessen setze man auf Naturverjüngung, also darauf, dass sich die Bäume selbst neu säen. „Normalerweise bräuchte man 2500 bis 3000 Pflanzen pro Hektar. Die bekommt man in den Baumschulen aktuell gar nicht für solch große Flächen. Außerdem wäre die finanzielle Belastung für die Waldbesitzer nach der Borkenkäfer-Katastrophe viel zu hoch“, berichtet der Förster.

Geht es nach ihm, gibt es bald Wälder in der Gemeinde, in denen Douglasie, Lärche, Küstentanne, Buche und Esskastanie wachsen. Diese seien allerdings auch nicht ganz unkompliziert. Gerade in jungen Jahren müssen sie geschützt werden. Immer wieder kommt es zu größeren Ausfällen.

Fichten für Käfer anfälliger als andere Baumarten

„Das ist auch der Grund, warum nach dem Krieg auf Fichten gesetzt wurde. Die sind extrem unkompliziert, wachsen schnell und ließen sich gut verjüngen. Dort, wo viele Fichten standen, wuchsen sie von allein immer wieder viele nach. Dafür sind die Probleme im Alter größer. Sie sind käferanfällig und anfälliger für Windbruch“, erklärte Schäfer.

Grundsätzlich müsse aber mit jedem Waldbesitzer individuell gesprochen werden. Denn bei allen Planungen gelte es immer, die Standortbedingungen und finanziellen Möglichkeiten im Auge zu behalten.

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