"Das soll mal gut gewesen sein, du Mumie?"

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Fritz Eckenga mit dem Kulturschock-Team.

Nachrodt-Wiblingwerde - Dass aus „Kacke gute Butter“ entstehen kann – so sagt es zumindest der Dortmunder Volksmund – hat am Sonntagabend nicht nur der Kabarettist Fritz Eckenga im Saal der Rastatt bewiesen. Auch die Mitglieder des Kulturschock-Vereins hätten ganze Arbeit geleistet, um aus einer an sich langweilen Spielstätte einen ansprechenden Ort zu zaubern. Auch wenn für die Rastatt Ende Mai Schluss ist: „Ich fände es klasse, wenn es weitergeht, und wünsche euch viel Glück bei der Suche nach einem neuen Veranstaltungsraum“, betonte Eckenga.

Diesem Wunsch konnte sich Ronny Sachse vom Organisationsteam nur anschließen: „Es ist schade, weil die Akustik hier einfach gepasst hat, aber wir werden sicherlich eine Alternative finden“.

Zuvor hatte das Ruhrpott-Original in seinem vierten und für die Rastatt letzten Auftritt das neue Programm mit dem Titel „Nehmen Sie das bitte persönlich“ vor mehr als 100 Besuchern vorgestellt. Hierzu brauchte es zunächst neben einem Resopal-Tisch („So etwas hatten wir zu Hause auch“) nur einen Stuhl, einen schwarzen Vorhang und die Fanfare aus dem Science-Fiction Film 2001: Odyssee im Weltraum.

Passend dazu betrat Fritz Eckenga im Affenkostüm die Bühne und klagte dem Publikum sein größtes Leid: das Lampenfieber. Diesem sei durch Entspannungstechniken wie dem „autogenen geradeaus atmen“ beizukommen.

 „Machen Sie das auch: atmen!“, fragte Fritz Eckenga sein Publikum. Die erste Pointe war gesetzt. „Bei mir geht auch rauchen. Ich kann besser atmen, wenn ich mir eine Zigarette anstecke“. Es folgte eine politisch inkorrekte Tirade auf das Qualmen an sich, „dicke Stumpen“ und „Mopperer“, die zum Nicht-Rauchen bitteschön nach draußen gehen sollen. Auch von der „Amazonisierung“ des Kunstbetriebs war die Rede. Bei Nichtgefallen könne das Publikum ja den Künstler zurückschicken, der Ersatz werde dann im Paketshop zwischengelagert, oder eine gepfefferte Bewertung schreiben: „Das soll mal gut gewesen sein, du Mumie?“.

 In Nachrodt sei dies ja zum Glück anders: „Dies ist ein Tempel, eine Festung, ein Zivilschutzraum“.

Auch wenn das Programm neu war: Die Paraderolle des Bademeisters mit seiner von innen verspiegelten Sonnenbrille durfte ebenso wenig fehlen, wie der geliebte Opa („Wir mochten uns so sehr, dass wir uns ein Zimmer geteilt haben“). Über zwei Stunden hinweg schlug der in Bochum geborene Autor einen großen Bogen von der Mutter („Glutamat-Tankstelle“ über das Stammhirn („Die ganz alte Schaltzentrale“) bis hin zu einem minimal-invasiven Eingriff am Herzen und der Erkenntnis, dass die „Würde des Mannes unten fassbar ist“.

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