Jugendzentrum für manche Kinder Familienersatz

JZ-Leiterin Renate Richwien berichtete im Sozialausschuss aus ihrer täglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Foto: Griese

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Der Wert der offenen Jugendarbeit wird in der Gemeinde wieder zunehmend infrage gestellt. In der Sitzung des Sportausschusses regte UWG-Ratsfrau Annegret Klatt an, über Sparmaßnahmen im Jugendzentrum nachzudenken.

Im Sport- und Kulturausschuss war es ihr Fraktionskollege Norbert Hammerschmidt, der beklagte, die Jugendarbeit in den Vereinen werde weniger honoriert als die im Jugendzentrum.

Was tatsächlich im Jugendzentrum geleistet wird, zeigte der Bericht auf, den JZ-Leiterin Renate Richwien am Sozialausschuss vorlegte. Demnach ist die Zahl der Besucher stark schwand. Wöchentlich werde das JZ von 40 bis 100 Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 17 Jahren besucht, berichtete Richwien. Drei Viertel der Besucher seien männlich.

„Viele kommen aus bildungsfernen Familien und/oder haben einen Migrationshintergrund“, beschrieb sie ihre Klientel. Festzustellen sei zudem, dass die Sprachfähigkeit oft Defizite aufweise – nicht nur bei Kindern ausländischer Herkunft. Daran werde aber im Jugendzentrum im alltäglichen Umgang und beim Spiel gearbeitet.

Für manche Kinder seien die JZ-Mitarbeiter praktisch ein Familienersatz, weil sie zuhause nicht die intakte Familie im klassischen Sinn vorfänden, sagte die JZ-Leiterin. Und auch soziale Brennpunkte gebe es, sogar in der kleinen Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde. Die Situation mancher Kinder sei „hart an der Grenze zur Vernachlässigung“, erklärte sie, dass die Mitarbeiter des Jugendzentrums auch ein Auge auf das häusliche Umfeld der Besucher haben.

Nach Richwiens Schilderung der Personalsituation bleibt praktisch kein Spielraum mehr für Vertretungen beispielsweise im Krankheitsfall. Mit 1,5 Stellen und ohne zusätzliche Helfer müsse das Angebot von wöchentlich 35 Öffnungsstunden, einem Pausencafé und einem monatlichen Wochenendangebot bewältigt werden. Das Wochenendangebot war ein Wunsch der Jugendlichen in der Zukunftswerkstatt. So findet heute Abend (9. November, 18 bis 24 Uhr) zum Beispiel eine Party mit alkoholfreien Cocktails statt. - Volker Griese

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