Parkplatzpflügern von Wiblingwerde droht Ärger

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Eine überraschende Wendung nahm am Donnerstag eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Altena, wo sich ein 24-Jähriger aus Nachrodt-Wiblingwerde wegen „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ verantworten sollte.

Fest stand: Am 17. Februar vergangenen Jahres war der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde ein beträchtlicher Schaden in Höhe von 9773,83 Euro entstanden. An diesem Tag driftete ein BMW über den Parkplatz an der Turnhalle in Wiblingwerde und fräste dabei Rillen in die Oberfläche der wassergebundenen Decke, die aufwändig wieder beseitigt werden mussten. Einen Tag danach meldete sich der Angeklagte bei der Polizei als derjenige, der den Wagen angeblich gefahren hatte.

„Ich will die ganze Sache komplett aufklären, sagte der 24-Jährige zu Beginn seiner Einlassung vor Gericht. Und: „Ich war zum Tatzeitpunkt nicht zugegen.“ Warum der junge Mann eine Falschaussage bei der Polizei gemacht hatte, klärte sich im weiteren Verlauf der Verhandlung. Der 24-Jährige hatte einen Führerschein, die beiden mutmaßlichen Parkplatzpflüger dagegen nicht. Sie waren am Donnerstag als Zeugen geladen, der mutmaßliche Fahrer war aber nicht erschienen. „Ich kann mir auch selber nicht erklären, warum ich das auf mich genommen habe“, erklärte der Angeklagte. Doch es gab eine Erklärung: „Wir dachten, es geht nur um das Autofahren – dabei ging es um 10 000 Euro Schaden“, bestätigte der mutmaßliche Beifahrer die Angaben des 24-Jährigen. „Das ist dumm gelaufen. Die Geschichte hatte ein viel größeres Ausmaß, als wir gedacht hatten.“

Mit Blick auf den nicht erschienenen Fahrer des BMW bemerkte Richter Dirk Reckschmidt: „Da kann sich der Nächste freuen.“ Denn nun erwartet den säumigen Zeugen und mutmaßlichen Fahrer des Autos ein Verfahren wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung. Aber auch der falsche Angeklagte, der am Donnerstag freigesprochen wurde, wird wohl nicht ganz ungeschoren davonkommen. „Er wird Ärger bekommen. Man lügt nicht so einfach einen Polizisten an“, schimpfte die Staatsanwältin. Doch dieses Verfahren wegen „versuchter Strafvereitelung“ wird für den 24-Jährigen wohl erheblich billiger werden, als eine zivilrechtliche Forderung von knapp 10 000 Euro, die die „klamme“ Gemeinde nur zu gerne dem Richtigen zustellen würde. Und möglicherweise muss sich auch noch der Beifahrer des BMW vor Gericht verantworten. ▪ Thomas Krumm

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