Klingende Nostalgie im Partykeller

Eine Jukebox aus den frühen 1970er Jahren ist die Attraktion in Christian Pohlmanns Partykeller.  Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - In den meisten Partyräumen und Wohnzimmern dürften Stereoanlagen für die musikalische Unterhaltung bereit stehen. „Gefüttert“ mit CDs oder vielleicht auch schon mit MP3-Dateien erzeugen sie Klänge auf digitalem Weg. Plattenspieler haben viele längst ausgemustert, weil es mittlerweile modernere, komfortablere Möglichkeiten gibt, die Lieblingsmusik abzuspielen.

Bei Christian Pohlmann aus Nachrodt sieht das anders aus. Im Partykeller des 40-Jährigen steht zwar auch eine Stereoanlage, aber die wird nur selten benutzt. Wenn im Hause Pohlmann gefeiert wird, kommt meistens ein etwas altertümlich anmutendes Gerät zum Einsatz: eine Jukebox aus den 1970er Jahren. „Eigentlich sollte das nur ein Deko-Objekt sein, ein Hingucker“, sagt Pohlmann über die Prestige 120B aus der Fabrikation des Bingener Herstellers NSM. Doch neben der Optik überzeugt das Gerät auch mit einem satten Sound – nicht nur Christian Pohlmann, sondern auch die meisten seiner Gäste. „So eine Jukebox ruft auch viele Erinnerungen hervor“, kann sich der Nachrodter der Wirkung des bunten Abspielautomaten nicht entziehen.

Ein Besuch bei einem Bekannten, der eine Jukebox besitzt, hat Christian Pohlmanns Interesse an den Geräten geweckt. „Ich habe danach einfach mal Ebay nachgeschaut, zu welchen Preisen solche Dinger gehandelt werden“, erzählt er, wie die Prestige den Weg in seinen Partykeller gefunden hat. Pohlmann wurde im Online-Auktionshaus schnell fündig. Ein Besitzer hatte eine Musikbox angeboten, an der er Gefallen fand. Der einzige Haken: Die Preisforderung von 400 Euro überstieg das, was Pohlmann zu zahlen bereit gewesen wäre, deutlich. Doch Pohlmann hatte Glück: „Der Anbieter hatte bei der Einstellung seines Angebotes so viele Fehler gemacht, dass das Angebot kaum jemand gefunden hat“, erinnert er sich, dass niemand ein Gebot abgegeben hatte. Pohlmann bot dem Verkäufer 100 Euro an, und der schlug ein.

Jukebox

Die Jukebox wird 125 Jahre alt. Am 23. November 1889 stellte Louis Glass in einem Restaurant in San Francisco den erste Automaten zum Abspielen von Musik vor. Es handelte sich dabei um einen automatischen Phonographen, der Musik von einer Wachswalze abspielte. Die ersten Phonographen konnten nur kurze Stücke in schlechter Tonqualität abspielen. Das änderte sich später durch die Erfindung der Schellack-Platte. Durch die in Deutschland stationierten GIs wurde die Jukebox in den 1950er Jahren auch hierzulande populär. Der Durchbruch gelang im Zuge des Rock ’n’ Roll und durch Interpreten wie Elvis Presley oder Bill Haley. Heute genießt die Jukebox einen Kultstatus, ist aber immer seltener anzutreffen. Anstelle von Schallplatten spielen moderne Geräte CDs ab.

Bei der Besichtigung des Objekts der Begierde in Dortmund musste Pohlmann aber feststellen, dass sich die Jukebox keineswegs in dem vom Verkäufer beschriebenen guten Zustand befand. Ein Funktionstest verlief negativ. „Da waren diverse Federn ausgeleiert und die Nadeln waren auch total’ runtergespielt“, erinnert sich der 40-Jährige. Für 80 Euro nahm er den Apparat trotzdem mit.

„Ich habe dann einige Tage nach Ersatzteilen gesucht. Fündig geworden bin ich auf verschiedenen Liebhaberseiten im Internet“, berichtet Christian Pohlmann, wie die Geschichte weiterging. Die beschädigte bunt bedruckte Glasfrontscheibe tauschte er gegen eine durchsichtige Plexiglasscheibe aus, so dass nun auch der Blick auf die Greif- und Abspielautomatik frei ist.

Irgendwann lief die Jukebox dann endlich – und das sogar ohne Geld einwerfen zu müssen, denn der Münzprüfer war durch einen Umbau außer Betrieb gesetzt worden. Zumindest dafür hatte der Vorbesitzer gesorgt. Mit der funktionierenden Jukebox stand Christian Pohlmann aber nun vor dem nächsten Problem: Woher sollte er Singleschallplatten nehmen, um den Automaten zu bestücken? „Schlager-Singles gibt es noch reichlich, aber etwas Schwungvolles, Fetziges ist kaum zu finden“, hat er erfahren. Auf diversen Flohmärkten wurde er aber fündig, so dass er nun über einen Fundus von 300 bis 400 Singles verfügt. 60 Stück kann seine Prestige aufnehmen und mit der Kraft von 160 Watt abspielen. Aus diesem Repertoire können Pohlmann und seine Gäste nun auswählen und sich die Playlist für einen langen Partyabend zusammenstellen. Ganz so wie es in den 1950er bis 70er Jahren in vielen Kneipen üblich war. - Volker Griese

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare