Hackfleisch geklaut: Zwei Jahre Haft für Nachrodter

Nachrodt-Wiblingwerde - Zumindestens in der Wortwahl waren sich Angeklagter und Staatsanwältin Sandra Ley einig: „Das war mal wieder blöd – auf Deutsch gesagt ‚hirnverbrannt’“, kommentierte ein 19-jähriger Angeklagter aus Nachrodt im Amtsgericht Altena seine zwei Diebstähle im Edeka-Markt Kantimm.

Am 17. Oktober klaute er vier Dosen Paderborner Bier und eine Flasche Cola zum Gesamtpreis von rund fünf Euro. Für Hackfleisch und zwei Dosen Warsteiner wären zwei Tage später acht Euro fällig gewesen. Für diese beiden Diebstähle im Wert von insgesamt 13 Euro setzte der junge Mann seine laufende Bewährung auf’s Spiel. Denn am 10. Dezember 2015 war er wegen Beleidigung, Betrug, Diebstahl und der „Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole“ zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden.

Davon offenbar wenig beeindruckt trug er am 21. Januar 2016 eine kleine Flasche Jägermeister im Wert von 2,39 Euro aus einem Verbrauchermarkt in Iserlohn. Weil dessen Betreiber ihm längst ein Hausverbot erteilt hatte, kamen Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs dazu.

Bei der neuerlichen Verhandlung im Amtsgericht waltete das Prinzip Hoffnung: Selbst Oberstaatsanwalt Dr. Pauli sprach sich angesichts einer solche „Lappalie“ für Milde und eine erneute Bewährungsstrafe aus. Damit war nun allerdings Schluss: Staatsanwältin Sandra Ley beantragte eine vollstreckbare Gesamtstrafe von zwei Jahren für das Gesamtpaket: „Er ist ein mehrfacher Bewährungsversager.“

Verteidigerin Andrea Selheim verwies auf die Versuche ihres Mandanten, seine Alkoholsucht in den Griff zu bekommen und plädierte für eine letzte Bewährungschance. Das Jugendschöffengericht sah jedoch keinen Anlass für solche Milde: „Das reicht einfach nicht aus für eine Bewährung“, begründete Richter Dirk Reckschmidt das Urteil: zwei Jahre „ohne“.

Zwei Monate ohne Alkohol seien keine Garantie dafür, dass der junge Mann nicht wieder in alte Verhaltensmuster abdrifte. Letztlich könne nur eine stationäre Langzeittherapie gegen die Alkoholsucht helfen. Dass die Voraussetzungen für eine Bewährungsstrafe derzeit nicht vorlägen, bedeute aber nicht, dass es dabei bleiben muss.

Bis zur Berufungsverhandlung im Landgericht gebe es viele Arbeitsbereiche, in denen der 19-Jährige zeigen könne, dass er eine solche Chance verdiene: Die noch offenen Sozialstunden aus dem vorletzten Urteil, die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und die Fortführung der Bemühungen um eine Eingliederung in die Arbeitswelt.

 Oberstaatsanwalt Dr. Pauli hatte schon bei der letzten Bewährungschance die Alternative benannt: „Eine stationäre Maßnahme durch das Land NRW. Dann geht morgens die Tür auf, und man hat einen sehr strukturierten Tagesablauf.“

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