Jugendlichen fehlen vor Ort passende Freizeitangebote

Die jungen Nachrodt-Wiblingwerder sorgten sich in der Diskussion mit den Politikern besonders um das Jugendzentrum, das von der Schließung bedroht ist, hatten aber auch andere Dinge auf dem Herzen. Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Joachim Struwe erinnerte sich gut: Ein einziges Plakat hatte der Jugendzentrumsmitarbeiter in Nachrodt aufhängen müssen - und das Herbstkonzert mit Extrabreit in der Lennehalle war ausverkauft. Das war in den 80er Jahren und würde heute nicht mehr so laufen: Zum einen, weil der Märkische Kreis so eine Veranstaltung nicht mehr sponsern könnte. Zweitens, weil der Musikgeschmack junger Leute heute zu verschieden ist.

Diesem Thema kam die politische Diskussionsrunde in der Nachrodter Kurve am Dienstag auf die Schliche. Sonja Hammerschmidt und Johannes Illerhaus (UWG), Susanne Jakoby und Gerd Schröder (SPD) und Lars Wygoda und Michael Schlieck (CDU) standen 25 Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Radio-MK-Mitarbeiter Dominik Schwanengel hatte Themen und Fragen von Haupt- und Sekundarschülern gesammelt. In erster Linie waren aber die Lokalpolitiker daran interessiert, was junge Nachrodt-Wiblingwerder heute bewegt - auch das Jugendzentrum war dabei ein großes Thema.

„Wir schätzen, dass wir hier Ansprechpartner, Gelegenheit zum Spielen und zum Freundetreffen haben“, brachten Teilnehmer aus der Runde auf den Punkt, weshalb ihnen diese Einrichtung wichtig ist. Sie steht langfristig zur Disposition, damit die Gemeinde einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann. „Für gerade mal fünf Nutzer können wir uns dieses Zentrum aber nicht leisten“, erklärte Michael Schlieck. Das sieht Susanne Jakoby anders: „Fängt dieses Zentrum nur zwei Jugendliche auf, die Gefahr laufen, eine kriminelle Biografie einzuschlagen, sparen wir langfristig jede Menge Sozialkosten. Offene Jugendarbeit darf nicht an Besucherzahlen gemessen werden.“

Die Zahlen, das erklärte Jugendzentrumsleiterin Renate Richwien, sind ohnehin ein schwieriges Thema: „Es gibt Tage, da kommen drei Gäste. Und dann kommen am nächsten Tag über 40. Alle über den Tag verteilt.“ Insbesondere die Abendstunden seien gut frequentiert. „Wir sind ja als eines der kleinsten Jugendzentren im Kreis in der Lage, 33 Wochenstunden zu öffnen und das drei Mal die Woche bis 21 Uhr. Das schafft manch größere Einrichtung nicht“, ergänzte Joachim Struwe.

Wenn junge Leute da sind und ihr Zentrum offenbar gern nutzen, warum fehlen sie dann bei Sonderveranstaltungen wie Discoabenden oder dem Fußballturnier? Hier liegt das Problem offenbar in unterschiedlichen Interessen, wie der Abend hervorbrachte. Ein junger Mann erklärte, dass ihm mehr an Kickboxen gelegen sei und die Hip-Hop-Fraktion schätzt das klassische DJ-Repertoire nicht so. „Es scheint auch an der Vielfalt zu liegen, die das Internet heute bietet“, merkte Gerd Schröder an. „Früher kam man längst nicht an die Auswahl ran, auf die Ihr heute zurückgreifen könnt. Deshalb waren Musik-Veranstaltungen auch besser besucht.“

Die Zeiten, in denen junge Nachrodter mit dem Bus zum Plattenladen nach Iserlohn fuhren, sind vorbei. „Der Bus ist ohnehin zu teuer“, bemängelten die Jugendlichen. Angebote vor Ort fehlen ihnen: Mit der Übernahme des Gartenhallenbads durch den privaten Betreiberverein sei der Eintrittspreis erhöht worden, zudem biete das Bad zu wenig Action. „Und auf den Sportplatz können wir auch nicht mehr“, erklärten junge Leute aus dem Teilnehmerkreis. Weshalb die Gemeinde zu diesen Mitteln greifen musste, erklärten die Gäste aus dem Rat gern. Susanne Jakoby gab ihren jungen Zuhörern vor allem eines mit auf den Weg: „Setzt Euch für das ein, was Euch wichtig ist!“ Vorhandene Strukturen zu nutzen, war auch ein Rat aller anderen Gäste der Fraktionen: „Geht in die Sportvereine, klopft mal beim Gartenhallenbad an. Es gibt hier gute Angebote für Euch“, schloss die Runde, die sich grundsätzlich zufrieden aus dem Abend verabschiedete, aber dennoch gern mehr konstruktive Impulse der Jugendlichen mitgenommen hätte. - Ina Hornemann

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