Jeder vierte Arbeitsplatz ist verschwunden

Nachrodt aus Vogelperspektive: 1074 Menschen finden hier und in den anderen Gemeindeteilen Arbeit, aber die meisten Einwohner von Nachrodt-Wiblingwerde verdienen ihren Lebensunterhalt woanders. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ 328 Menschen sind zugezogen, 352 aus der Doppelgemeinde weggezogen. 1074 Arbeitsplätze bietet Nachrodt-Wiblingwerde, doch etwa zwei Drittel davon werden von Menschen besetzt, die nicht hier wohnen.

Das sind nur einige Angaben aus dem neusten Kommunalprofil des NRW-Landesbetriebes Information und Technik, das etwas über Lebensqualität und Zukunft der Gemeinde aussagen soll.

Nachrodt-Wiblingwerde wird in der Statistik, die es für alle Kreise, Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen gibt, als „kleine Landgemeinde mit unter 7500 Einwohnern“ eingestuft. In diese Klassifizierung fallen auch zum Beispiel Herscheid (7216 Einwohner) oder Metelen /(Kreis Steinfurt/6329 Einwohner). Die 6724 Einwohner von Nachrodt-Wiblingwerde verteilen sich auf ein Gemeindegebiet von 2900 Hektar, wovon aber nur 341 Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche sind. Daraus ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von knapp 232 Einwohnern pro Quadratkilometer. Das entspricht ziemlich genau der Populationsdichte in Gesamtdeutschland (210).

Der weitaus größte Teil des Gemeindegebietes ist Wald (1636 Hektar), aber auch die Landwirtschaftsfläche (882 Hektar) nimmt noch viel Platz ein. So viel Natur spricht sicherlich für einen hohen Erholungsfaktor, was sich die Gemeinde bei der Ansiedlung von Neubürgern insbesondere im Raum Wiblingwerde zunutze machen will. Denn zuletzt war die Bevölkerungsbewegung eher negativ. Zogen bis zum Jahr 2007 noch regelmäßig mehr Menschen zu als fort, so hat sich dieser Trend in den letzten Jahren umgekehrt. Zwischen 2008 und 2010 hat Nachrodt-Wiblingwerde alleine durch diesen Umstand 113 Einwohner verloren. Die meisten zog es nach Iserlohn oder Altena, aber auch Lüdenscheid übte auf die Nachrodter und Wiblingwerder noch große Anziehungskraft aus.

Hinzu kommt eine rückläufige Anzahl von Neugeborenen: 2006 erblickten noch 69 Babys das Licht der Licht der Welt, vier Jahre später waren es nur noch 46. Diese Entwicklung dürfte sich mittelfristig in Kindergärten und Schulen bemerkbar machen. Und der Landesbetrieb geht in einer Modellrechnung davon aus, dass die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2030 auf nur noch 6470 sinken wird.

Ein Blick auf die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Doppelgemeinde offenbart, dass Nachrodt-Wiblingwerde eine Pendlergemeinde ist. 2301 Beschäftigte leben hier, aber nur 336 haben hier auch ihren Arbeitsplatz. Zwar stehen bei den hiesigen Unternehmen vor allem im produzierenden Gewerbe 1074 Menschen in Lohn und Brot, aber 738 davon pendeln täglich aus den Nachbarstädten ein. Demgegenüber stehen 1965 Männer und Frauen, die zwar in Nachrodt-Wiblingwerde wohnen, ihren Lebensunterhalt aber auswärts verdienen.

Die Zahl der Arbeitsplätze in Nachrodt-Wiblingwerde ist übrigens in den vergangenen 15 Jahren deutlich gesunken. 1995 boten die hier ansässigen Unternehmen noch 1488 Menschen einen Job, 2010 waren es fast 28 Prozent weniger. Noch stärker ist der Rückgang der Vollzeitstellen, die von 1393 im Jahr 1995 um gut ein Drittel auf nur noch 921 im Jahr 2010 gesunken ist. Teilzeitbeschäftiging ist übrigens – zumindest, was die Arbeitsplätze in Nachrodt-Wiblingwerde angeht – zumeist Frauensache: Nur 18 der im Jahr 2010 vorhandenen 152 Teilzeitjobs waren von Männern besetzt. ▪ vg

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