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Jeder schnupft und hustet, aber was ist es?

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Hausarzt Matthias Hartig und sein Team sind gefühlt im Dauerlauf. Am Telefon krankschreiben, das möchte der Arzt nicht.
Hausarzt Matthias Hartig und sein Team sind gefühlt im Dauerlauf. Am Telefon krankschreiben, das möchte der Arzt nicht. © Fischer-Bolz, Susanne

Corona war gestern, ist heute, sicher auch morgen. Doch mittlerweile schnupft fast jeder vor sich hin, denn es ist auch typische Erkältungszeit und auch die Grippe ist aus den Startlöchern. Die Symptome: alle sehr ähnlich. Was tun?

Nachrodt-Wiblingwerde – Ferndiagnosen sind nicht möglich. Deshalb möchte Hausarzt Matthias Hartig alle Patienten persönlich sehen – und verzichtet lieber auf die telefonischen Krankschreibungen, die noch bis Ende März 2023 möglich sind. Statt „Bleiben Sie bloß zu Hause“ heißt es in Nachrodt: „Kommen Sie auf jeden Fall.“

Ansteckung allerorts

„Es fängt jetzt mit Adeno-Viren an, das sind normale Erkältungsviren. Dann haben wir immer noch viele positive Covid19-Fälle und die echte Grippe, die Influenza, breitet sich früher als sonst aus“, erzählt Matthias Hartig von der aktuellen Lage. Alle Patienten müssen versorgt, teilweise in Quarantäne geschickt werden. „Dafür muss ja jemand da sein. Man muss auch gucken, ob es harmlos ist oder eben nicht“, so der Nachrodter Hausarzt. Die Verunsicherung bei den Patienten sei im Moment groß, denn „es kann immer alles sein“, sagt Matthias Hartig. Und da Masken meistens nicht mehr getragen würden, bei Fußballspielen oder auf Weihnachtsmärkten beispielsweise, bleibe eine Ansteckung mit allem möglichen und natürlich auch mit Corona nicht aus. Fakt ist aber auch: Es gibt eine Impfmüdigkeit.

„Influenza ist eine schwere Krankheit“

„Man muss die Leute gezielt ansprechen und erinnern, dass die Grippe etwas anderes ist als Covid, und dass alle ab 60 Jahren und chronisch Kranke auch geimpft werden sollten“, macht Matthias Hartig Werbung für die aus seiner Sicht ebenfalls wichtige Grippeimpfung. Denn die Influenza ist eine schwere Krankheit, „wer sie mal hatte, wird sich sicher impfen lassen, weil er sich erinnern kann, wie schlimm das war.“ Geimpft werden vier Stämme, das ist seit zwei Jahren Standard und „ein sehr guter Schutz.“

Covid und Grippe simultan impfen?

Es ist sogar möglich, Covid und Grippe simultan zu impfen, einmal in den rechten, einmal in den linken Arm. „Es ist erlaubt, und viele verkraften das auch gut, aber ich empfehle einen Abstand von 14 Tagen“, so der Hausarzt. Die meisten Patienten hätten aber keine Lust, „25 Mal hier aufzutauchen“, erzählt Matthias Hartig schmunzelnd. Die Menschen hätten so den Kopf voll mit den Booster-Impfungen, dass die Grippeimpfung in den Hintergrund trete.

„Die Krankheit gehört zu uns“

Matthias Hartig ist sich sicher, dass sich die Dramen um Corona weiterhin in Grenzen halten, „weil so viel geimpft wurde und wird.“ Und er ist auch nicht grundsätzlich gegen die Wege, die Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Bayern eingeschlagen haben. Wer sich dort mit Corona infiziert, muss sich nicht mehr wie bisher verpflichtend für mindestens fünf Tage in häusliche Isolation begeben. „Es wird ganz allmählich endemisch, die Krankheit gehört zu uns und zu unserem Leben dazu, wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit und wird dann hoffentlich so behandelt wie eine Influenza. Aber man wird sie nicht los und den Umgang muss man damit normalisieren. Dass die Diskussion jetzt beginnt, ist richtig. Aber der Zeitpunkt vor dem Winter ist nicht gut gewählt.“

Zahlen der Longcovid-Fälle zu hoch?

Ein Thema natürlich auch bei Matthias Hartig: Long-Covid. Nach aktuellen Zahlen leiden etwa zehn Prozent der Corona-infizierten Erwachsenen und ein bis zwei Prozent der infizierten Kinder unter den Spätfolgen der Infektion - wie Kopfschmerzen, chronischen Husten oder Konzentrationsstörungen. Matthias Hartig glaubt, dass die Zahlen zu hoch angesetzt sind, „wir haben hier vielleicht bis zu zehn Patienten.“ Man könne nichts verschreiben. „In den allermeisten Fällen geht es von alleine wieder weg. Man kann da nichts erzwingen, sondern man muss sich selbst gegenüber in Geduld üben. Es gibt aber auch Langzeitarbeitsunfähigkeit“, berichtet Matthias Hartig von seinen Patienten. Longcovid sei nicht immer eindeutig herauszufinden. Es gebe nur den klinischen Verlauf. Auch könne die ganze Situation, inklusive November-Blues depressive Störungen auslösen, „die dann auch als Longcovid missverstanden werden können.“ Nur in ziemlich aufwendigen Gesprächen könne man das herausfinden. Die infektiösen Patienten werden in der Hausarztpraxis räumlich und zeitlich übrigens von den anderen getrennt. Sie kommen alle am Ende der Sprechstunde. „Wir machen hier immer noch die PCR-Tests, weil sie zuverlässiger sind. Und spätestens dann weiß jeder, ob es „nur eine Erkältung ist.“

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