Jeder dritte Bauernhof ohne Nachfolger

Die Arbeit auf der Wiese, dem Feld oder im Stall ist kein Zuckerschlecken. Wohl auch deshalb haben die heimischen Landwirte Nachwuchssorgen.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Den Bauern geht der Nachwuchs aus: Nur etwa jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb in Nordrhein-Westfalen verfügt über einen Hofnachfolger. Das geht aus einer Umfrage des NRW-Landesbetriebes Information und Technik hervor. In der Doppelgemeinde ist die Situation ganz ähnlich.

„Es wird auch hier bei uns so kommen, dass von den neun Vollerwerbsbetrieben etwa ein Drittel aufhört“, prognostizierte Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins und des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, im Gespräch mit dem Altenaer Kreisblatt. Als Gründe führte er das Fehlen eines Nachfolgers und die Flächenstruktur der Höfe an.

Bei der landesweiten Landwirtschaftszählung waren insgesamt 33 752 Betriebsinhaber landwirtschaftlicher Einzelunternehmen befragt. Fragen zur Hofnachfolge wurden aber nur den 23 107 Betriebsinhabern gestellt, die zum Zeitpunkt der Befragung mindestens 45 Jahre alt waren. Zwei Drittel dieser Betriebe hat demnach keinen Hofnachfolger oder die Weiterführung des Betriebes ist ungewiss.

Die Hofnachfolge steht im engen Zusammenhang mit der Betriebsgröße – mit zunehmender Betriebsgröße steigt auch die Bereitschaft zur Hofübernahme: Während bei 27,4 Prozent der Betriebe mit einer Flächenausstattung von 10 bis 20 Hektar die Hofnachfolge als gesichert eingeschätzt wurde, waren es bei Betrieben mit mehr als 100 Hektar bereits mehr als 57 Prozent. Günter Buttighoffer drückt es etwas anders aus: „100 Kühe sind für einen Milchviehbetrieb heute schon Standard.“ Eine gewisse Größe und Struktur des landwirtschaftlichen Betriebes sei aber auch Voraussetzung, um die Tätigkeit für junge Landwirte überhaupt attraktiv zu machen. „Dann kann man Mitarbeiter beschäftigen und es ist auch mal ein freies Wochenende oder ein Urlaub drin“, schilderte Buttighoffer die Situation. Größere Betriebe könnten natürlich durch Zusammenlegung von zwei oder mehr kleineren entstehen.

Buttighoffer selbst räumte übrigens ein, sich schon Gedanken über die Zukunft seines Hofes in Wiblingwerde zu machen. Aus der eigenen Familie werde es keinen Nachfolger geben, weiß der 55-Jährige schon jetzt. Er ist aber ebenso sicher, dass sein Betrieb mit gut 70 Hektar Land, rund 100 Milchkühen und etwas Wald trotzdem weitergeführt wird.

Und auch das hat die Landwirtschaftszählung gezeigt: Von den 415 Betrieben im Märkischen Kreis, die eine Fläche von rund 15 500 Hektar bewirtschaften, haben sind derzeit 278 (67 Prozent) ohne Hofnachfolger. 42,3 Prozent der im Märkischen Kreis für die Weiterführung eines Betriebes vorgesehenen Nachfolger waren zum Zeitpunkt der Befragung zwischen 15 bis 24 Jahre alt. Gut 70 Prozent der mindestens 16-jährigen potenziellen Hofnachfolger arbeiten bereits ständig oder gelegentlich im Betrieb mit, mehr als 56 Prozent von ihnen besitzen bereits eine landwirtschaftliche Berufsausbildung oder streben eine solche an.

Diesen Trend bestätigt auch Günter Buttighoffer: „Die Landwirtschaftsschulen sind sehr gut besucht“, sagt er und betont, dass die so genannten „grünen Berufe“ – also nicht nur Land- und Forstwirte, sondern auch Gärtner, Pferdewirte oder Agrarservice-Fachkräfte – wieder hoch im Kurs stünden. Grundsätzlich habe der Beruf des Landwirtes Zukunft und sei hochinteressant, so Buttighoffer weiter. „Man geht mit Technik ebenso um wie mit Tieren, Bürotätigkeit gehört dazu und manche Betriebe bewirtschaften auch noch Wald“, betonte er, wie abwechslungsreich die Führung eines Bauernhofes sein kann. ▪ vg

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