Beim Studium die Kängurus im Blick

Janina Jochheim hat sich während ihres Studienaufenthaltes in Australien in das Land verliebt: Irgendwann einmal möchte sie dorthin zurück.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Eigentlich befindet sich Janina Jochheim noch in Australien, auch wenn die 22-Jährige gerade auf der Terrasse ihres Elternhauses am Hermann-Löns-Weg sitzt und von ihren Erlebnissen erzählt. Die Studentin für Englisch und Geografie auf Lehramt an Gymnasien schwärmt von ihrem Studiensemester Down Under.

Ende Juli kam sie mit jeder Menge neuem Wissen, neu gewonnenen Eindrücken und mehr Lebenserfahrung von ihrer halbjährigen Reise zurück – persönliche Bereicherungen, die ihre Augen strahlen lassen, wenn sie ihr sechstes Studiensemester schildert.

Ein Auslandssemester in Australien

Für die Nachrodt-Wiblingwerderin, die die Philipps-Universität Marburg besucht, war schon recht früh klar, dass sie einmal für längere Zeit im Ausland leben möchte. „Weil ich Englisch studiere“, nennt sie einen der Gründe. Dass es letzten Endes dann der Hauptstaat des Fünften Kontinents wurde, war für die 22-Jährige keineswegs reiner Zufall. „Australien ist in den Schulen immer mehr im Kommen. Es ist weit weg, vielen unbekannt und hat deshalb seinen ganz speziellen Reiz“, hat sie festgestellt. Außerdem entwickelte sich in dem fernen Land auf der Südhalbkugel, das durch Ozeane von anderen Kontinenten weit getrennt liegt, eine für Geografen beeindruckende wie einzigartige Artenvielfalt. Die angehende Englisch- und Geografie-Lehrerin schlug somit „zwei Fliegen mit einer Klappe“. Ihre Spracherfahrung sowie die geografischen Aspekte des Landes will sie später einmal mit ihren Schülern teilen und ihre Begeisterung somit weitergeben.

An der Sunshine Coast University, nördlich von Brisbane gelegen, studierte und lebte Janina Jochheim in dem kleinen, familiären Örtchen Sippy Downs in einer Wohngemeinschaft. Doch im Gegensatz zum Universitäts-Namen „war nicht immer alles sunshine“, gesteht die Studentin. Das Studium im Ausland werde im Vergleich zu Deutschland um einiges straffer gestaltet. „Ich hatte zwar um die Hälfte weniger Kurse als in Deutschland, dafür waren sie aber umfangreicher“, vergleicht sie. Während Studenten in Deutschland auch die Semesterferien nutzen können, um ihre Arbeiten fertig zu stellen, ist das in Australien nicht möglich. „Sämtliche Arbeiten müssen innerhalb des Semesters erledigt werden. Dafür hat man dann aber in den Semesterferien auch wirklich frei“, nennt sie einen nicht unwesentlichen Vorteil.

Der Weg ins Land der Kängurus und Koalas, Eukalyptus- und Akazienbäume war allerdings nicht mal eben so einfach gebucht. Für das Stipendium an der Sunshine Coast University bewarb sich Janina Jochheim bereits im Juni vergangenen Jahres. Ein Auswahlverfahren kam in Gang, in dem sich die Studentin gegen andere Bewerber durchzusetzen hatte. Erst im September erhielt sie die erlösende Nachricht, im Hessen-Queensland-Programm aufgenommen worden zu sein. Ins Flugzeug mit dem Ziel Australien stieg Janina Jochheim dann am 10. Februar ein. „Es war ein Freitagabend“, erinnert sie sich. „Einen Tag davor war ich noch in der Uni. Am Sonntag kamen wir in Australien an, und am Montag begann dort schon das neue Semester“, beschreibt sie den engen Zeitplan.

Die Studiengebühr war dank des Stipendiums gesichert, nicht jedoch die im Anschluss an das Semester geplante Rundreise über den Fünften Kontinent. Um die weltbekannten Städte Sydney, Melbourne, Canberra, Adelaide, Alice Springs und Cairns sehen und die Traumstrände an Gold Coast, Surfers Paradise und Whitsunday Islands genießen zu können, jobbte Janina Jochheim bereits in Deutschland für lange Zeit, bis das Sparschwein geschlachtet werden konnte. Auch wenn die Schlittenfahrt auf dem höchsten Berg des Landes, dem Mount Kosciuszko (2228 Meter), zu den wohl skurrilsten Erlebnissen ihres Urlaubs gehört, zählt für Janina Jochheim die Offroad-Tour ins australische Outback nach Alice Springs „zum besten Ausflug von allen“.

Während ihrer fünfwöchigen Reise habe sie viele Menschen unterschiedlichster Nationen kennen gelernt und Kontakte geknüpft, die sie auch künftig pflegen will. Während sie an der Sunshine Coast Universität hauptsächlich von US-Amerikanern und Franzosen umgeben war, traf Janina Jochheim auf ihrer Backpacker-Tour mit jungen Mexikanern, Engländern und Niederländern zusammen. Seit ihrer Ankunft in der Heimat ist sie nun damit beschäftigt, Erinnerungsfotos mit ihren neu gewonnenen Freunden via E-Mail auszutauschen.

„Die Australier sind ein sehr gelassenes Volk und heißen Gäste herzlich willkommen“, zieht Janina Jochheim ein durchweg positives Resümee ihres Auslandsemesters – und dennoch sind der Studentin ein paar negative Aspekte aufgefallen. „Das Leben dort ist sehr teuer, und das australische Bildungssystem gefällt mir nicht so gut. Das in Deutschland ist besser“, hat sie festgestellt. „In Deutschland setzt man sich sehr mit der Vergangenheit auseinander. In Australien fängt man damit gerade erst an“, weiß sie. So habe mancher Australier erstaunt reagiert, dass sie Kurse über australische Kultur belegt habe. „Dass deutsche Schüler mehr über die Aborigines wissen als die Australier selbst, erstaunte sie sehr.“

Zurück auf die Südhalbkugel möchte Janina Jochheim irgendwann einmal auf jeden Fall. „Als Rentnerin könnte ich mir gut vorstellen, dort zu leben“, sagt sie. Ob dieser Traum in Erfüllung gehen wird oder nicht, Janina Jochheim wird sicherlich nie die Kängurus vergessen, die über den Campus der Sunshine Coast University sprangen, der direkt neben einem Nationalpark liegt. „Die haben mich immer fröhlich gemacht.“ ▪ Susanne Riedl

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