Kleinwagentreffen weckt viele schöne Erinnerungen

Die überfahrene Frau ist ein ein Scherz, den sich Uwe Dietrich gern mal bei Oldtimer-Treffen erlaubt. Tatsächlich liegt nicht mal eine vollständige Puppe unterm Auto: Es sind ausgediente Modellbeine für Damenstrümpfe.  Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Uwe Dietrich packt die Beine aus und legt sie unters Auto. Die „überfahrene Frau“ ist ein mittlerweile bekannter Scherz unter regelmäßigen Gästen von Oldtimer-Treffen. Zaungäste, wie sie auch zum traditionellen Kleinwagen-Treffen bei Woitkowskis in Telegraph vorbeischauen, lachen herzlich, wenn sie das tote Strumpfmodell entdecken. Nicht nur mit vielen hier ausgestellten Modellen können sich Gäste gut identifizieren, sondern auch mit dem Humor ihrer Besitzer.

Dass sie den haben, zeigt schon der Hutablagen-Schmuck: Skurriles und Historisches hat dort seinen Platz und Blümchen gehören auch immer dazu. Eine BMW-Isetta oder ein Fiat 500 wurden vom Kleinsparer der 50er und 60er Jahre schließlich auch gern geschmückt. „Das waren ja Autos, die sich Familien leisten konnten“, erklärt Ralf Baurs-Krey. „Damit reiste man über die Alpen in den Urlaub.“

Die Kleinwagen-Oldtimer lösen genau aus diesem Grund Emotionen beim Betrachter aus. „Einmal waren wir im Rahmen eines Besuchs bei Woitkowskis in einem Altenheim und haben eine Seniorin vom Rollstuhl aus in eine Isetta gehoben. Die Frau hat geweint vor Rührung“, beschreibt Ralf Baurs-Krey nur eine von vielen schönen Begebenheiten, die sich in zwölf Jahren beim Kleinwagentreff in Veserde ereignet haben.

Die kleinen BMW-Modelle oder die historischen Italiener sind an vielen Menschen noch immer nah dran. „Natürlich ziehen auch große Luxus-Modelle viele Blicke auf sich. Der Normalbürger hat die aber nie besessen, weil sie viel zu teuer waren“, so Ralf Baurs-Krey.

Die Isetta als Verkaufsschlager rettete einst den Fortbestand der Bayerischen Motorenwerke. Als zuverlässiges Gebrauchsfahrzeug wurde das Rollermobil bis 1972 noch als Polizeiauto genutzt. Jenes letzte Dienstmodell besitzt heute Heinrich Schäfer aus der Eifel, der von heute von vielen Wachen eingeladen wird, die zu Festen eine Attraktion bieten möchten. „Letztes Jahr haben wir mal einen Test gemacht: 17 Kindergartenkinder haben in der Isetta Platz gefunden - und die Tür ging zu“, berichtet er lachend.

Der Einstieg durch die einzige und auch noch vorn montierte Tür ist für Kinder immer die Riesen-Sensation, wenn sie mit einer „Knutschkugel“ in Beruhrung kommen. Andere Stammgäste des regelmäßigen Kleinwagen-Treffens bei Woitkowskis bestechen durch Fahrzeuge mit Seltenheitswert wie dem Savio Jungla oder dem Fiat 770 5. Auch Gäste mit Goggo Rollern kommen vorgefahren, wenn das Telegrapher Ehepaar alle zwei Jahre zu einem Wochenende mit Wohnmobilübernachtung, Kaffeetrinken, Grillabend und Frühstück einlädt.

Obligtorisch ist natürlich auch eine Ausfahrt. Die führte am Samstag zur Bigge. - Ina Hornemann

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