Irrwitziger Straßenbau ärgert Wiblingwerder

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Ärgernis am Großenhahn: Wenn die L692 saniert wird, führen die neuen Leitungsschächte direkt an den Häusern vorbei. Glasfasernetz wird aber nicht mitverlegt.

Nachrodt-Wiblingwerde – Schnelles Internet, neue Fahrbahn, neue Gasleitungen: Einige Straßen sollen für diese Projekte mehrfach aufgerissen und wieder zugeschüttet werden. Die Anwohner sind sauer.

Die Baustellen von Telekom, Stadtwerken und Straßen.NRW werfen in Wiblingwerde derzeit Fragen auf – und der Unmut wächst. 

Am Beispiel Rennerde wird die Situation gerade besonders gut deutlich: Am Dienstag rollten plötzlich die Bagger an. Noch bevor die Informationszettel in den Briefkästen der Anwohner lagen, war der erste Graben vorbereitet und Anlieger wurden aufgefordert, ihre Autos wegzufahren. 

Baustart vor Fristablauf

Die Telekom startete den Glasfaserausbau im Dorf. Eigentlich ein Grund zur Freude für die Anwohner. Ging es doch schneller als erwartet. Und schnellem Internet wird schon lange entgegen gefiebert. 

Die Telekom-Baustelle in Rennerde.

Doch eigentlich können Anlieger noch bis zum 15. Juni Anträge einreichen, wenn sie schnelles Netz haben möchten. Das heißt, die Arbeiten beginnen noch vor Ablauf der Frist. 

„Der Netzausbau erfordert die Realisierung einer komplexen und umfangreichen Infrastruktur aus Leitungsbau und Systemtechnik. Daher ist uns ein möglichst früher Baubeginn wichtig, sodass wir bereits mit dem Bau einer Leitungstrasse begonnen haben. Anträge können aber immer noch eingereicht werden“, betont George-Stephen McKinney, Sprecher der Telekom. 

Eine Straße mehrfach aufgerissen

Doch nicht nur der schnelle Start wunderte die Anwohner. So war immer betont worden, dass Stadtwerke, Straßen.NRW und Telekom im Gespräch seien, um die Tiefbauarbeiten zusammen auszuführen und zu vermeiden, dass dieselbe Straße mehrfach aufgerissen werden muss. 

Denn die Sanierung der L 692 soll ebenfalls in den nächsten Wochen beginnen, ebenso der damit verbundene Anschluss des Dorfs an eine Gasversorgung der Stadtwerke. Die Telekom agiert nun aber im Alleingang. 

Für die Anwohner bedeutet das: Erst reißt die Telekom Straße auf. Danach folgen die Stadtwerke und reißen erneut alles auf. 

Förderregeln erschweren Kooperation

„Ja, für die Anwohner ist das absolut unglücklich“, betont Thomas Armoneit, technischer Leiter bei den Stadtwerken. „Wir hätten auch gerne kooperiert und haben mehrfach das Gespräch gesucht. Aber für die Telekom sei das nicht möglich“, erklärte Thomas Armoneit. Als Grund hätte die Telekom die öffentlichen Fördergelder angegeben. „Die Telekom muss nachweisen, dass die Gelder keinem fremden Zweck zugeführt werden. Das ist extrem kompliziert, wenn andere mit im Boot sind. Der bürokratische Aufwand wäre sehr hoch“, erklärt er. 

In Eilerde hingegen läuft es derzeit genau umgekehrt. Dort sind die Stadtwerke mit ihren Leitungen gerade fertig, jetzt reißt die Telekom die Straße erneut auf. „Abstimmungsgespräche mit der Kommune finden seit Anfang des Jahres statt, damit möglichst viele Synergieeffekte genutzt werden können. 

Nur eine Baustelle auf den Grundstücken

Allerdings lassen Größe und Umfang der Baumaßnahme dies nicht immer zu. Es sollen 42 000 Haushalte und 23 000 Gebäude bis Ende 2022 ausgebaut sein“, sagt McKinney zur Begründung. 

„So wie es aussieht, haben wir es aber mit Gesprächen zumindest geschafft, dass wir gemeinsam mit der Telekom die Hausanschlüsse legen können, sofern der gleiche Eintrittsort für die Leitungen gewählt werden kann. So haben wir wenigstens auf den Grundstücken nur eine Baustelle“, sagt Markus Becker, Leiter Planung und Bau der Stadtwerke. 

Für die Anwohner ist nur schwer verständlich, warum Synergien nicht genutzt werden, gerade wenn es um öffentliche Gelder geht. Becker betont jedoch: „Es ist nicht so, dass man einfach ein Loch gräbt und da zwei Leitungen reinlegt. Die Anforderungen sind unterschiedlich. Wir müssen etwas tiefer in die Erde als die Telekom. Es wären schon viele Absprachen erforderlich.“ 

Leitungen nur eine Armlänge entfernt

Auch seitens der Gemeinde wurde bereits versucht zu vermitteln. „Die Telekom scheint jedoch kein Interesse daran zu haben“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Ein Beispiel: Großenhahn. „Die Anwohner können die Leitungen, die verlegt werden, quasi greifen. Sie sind nur eine Armlänge entfernt“, erklärt Tupat. 

Im Zuge der Sanierung der L692 gehen die neuen Leitungsschächte nicht einmal zwei Meter an den Grundstücken vorbei. Da aber der Großenhahn nicht in diesem Förderabschnitt der Telekom ist, werden die drei Einheiten nicht ans Glasfasernetz angebunden. 

Und das, obwohl im Zuge der Sanierung der L692 die bisherige Oberleitung eh neu zu den Häusern verlegt werden muss. Das Problem: Straßen.NRW möchte nicht, dass die neue Straße kurz nach der Fertigstellung dafür wieder aufgerissen wird. „Dann müssen wir nur wegen Bürokratie auf Internet verzichten?“, fragt sich Anwohnerin Gabriele Panne. 

Telekom: Erschließung nicht möglich

Telekom-Sprecher McKinney erklärt: „Die Adressen des Projektgebietes wurden vom Märkischen Kreis und den Kommunen festgelegt. Eine Erschließung weiterer Adressen mit Mitteln des Bundesförderprogramms ist nicht zulässig – weder für den Kreis, die jeweilige Kommune noch für die Telekom.“ 

Die Telekom fungiere lediglich als Auftragnehmer des Kreises beziehungsweise der Kommunen. 

Dem entgegnet die Bürgermeisterin entschieden: „Im Rahmen des Förderantrags waren diese kleinen Liegenschaften in den Randgebieten nicht zu benennen. Ich weiß, dass Förderrichtlinien sehr streng sind und die Auflagen immens. Aber dafür habe ich dann auch kein Verständnis mehr“, sagt Birgit Tupat.

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