Internationaler Tag der Migranten

Ein sicheres Leben mit Kartoffeln und Hähnchen

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Manchmal plagt Khero Saleh Makri das Heimweh, wenn er an seine Familie im Irak denkt. Dorthin zurückkehren möchte er trotzdem nicht.

Nachrodt-Wiblingwerde - Deutschland hatte er sich ganz anders vorgestellt. Was Khero Saleh Makri vorfand, war kalt und irgendwie ziemlich klein. Er verstand kein Wort und die Menschen waren nicht gerade besonders offen. Makri war das egal. Er kämpfte um ein neues, um ein sicheres Leben.

Seit zwei Jahren ist der Iraker nun in Deutschland. Er kam als Flüchtling. Über Bielefeld und Dortmund gelangte er nach Nachrodt. Seit dieser Woche hat er seine Aufenthaltsgenehmigung und einen Pass. „Jetzt beginnt mein neues Leben“, sagt der 37-Jährige.

Ursprünglich stammt er aus einem kleinen Dorf nahe der syrischen Grenze. 1700 Einwohner und mindestens genauso viele Schafe leben dort. Die Straßen sind nicht gepflastert, die Wohnungen nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Dann kamen die Isis-Terroristen. Sie Töteten viele Menschen in seinem Dorf. Doch Makri konnte fliehen, kam ganz alleine nach Deutschland. „Man hatte mir gesagt: Deutschland ist schön, allen Menschen geht es hier gut. Ich hatte Bilder gesehen. Aber irgendwie war dann doch alles anders“, erzählt er.

Makri war es gewohnt, viel zu arbeiten. Er war immer unter Leuten. In Deutschland war er allein. „Nachrodt ist klein. Ich kenne hier niemanden. Und hier im Haus war zu dem Zeitpunkt niemand, der arabisch sprach. Arbeiten durfte ich als Flüchtling auch nicht“, berichtet er. „Außerdem ist Deutschland immer kalt, selbst im Sommer“, lacht er. „Und alle essen Kartoffeln und Hähnchen.“ Es habe eine ganze Weile gedauert, bis er sich an das Essen hier gewöhnt habe. Zunächst habe er arabisch gekocht. Doch mittlerweile habe er auch deutsche Gerichte für sich entdeckt – vor allem Hähnchen, wie er schmunzelnd zugibt.

Hintergrund

Der 18. Dezember ist der Internationale Tag der Migranten. Anlass zur Schaffung dieses Aktionstages durch die Vereinten Nationen war die Verabschiedung der Internationalen Konvention zum Schutz der Rechte von Wanderarbeitern und ihrer Familien durch die UN-Vollversammlung am 18. Dezember 2000. Rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund wohnen derzeit in Deutschland. Seit dem Jahr 2005 regelt das Zuwanderungsgesetz den Aufenthalt und die Integration von EU-Bürgern und Ausländern und die Einwanderung in die Bundesrepublik.

 

Noch ein wenig Probleme hat er mit der Sprache. „Ich habe versucht, Deutsch zu lernen. Übers Internet und mit den Leuten hier. Aber es ist so schwer“, sagt er in relativ gutem Deutsch. Er freut sich schon auf seinen neuen Sprachkursus. „Wenn ich die Sprache richtig spreche, finde ich auch Arbeit und Freunde.“ In Deutschland, da ist der Iraker sich sicher, ist jede Arbeit gute Arbeit. Denn es wird gut bezahlt „und die Chefs sind nett. Das haben schon die Leute in meinem Dorf immer gesagt.“ Bereits im neuen Jahr wird Makri als Arbeiter in einer Lüdenscheider Firma anfangen können. Von seinem damit verdienten Geld, will er sich eine Wohnung suchen. „Das macht man in Deutschland so. Jeder hat eine Wohnung. Die ist schön eingerichtet“, sagt er. Im Irak sei das völlig anders. Dort wohne man mit der ganzen Familie unter einem Dach: Vater, Mutter, Geschwister und Cousins.

Beeindruckt sei er vor allem von der Offenheit der Menschen in Deutschland, sagt Makri nach zwei Jahren. „Hier ist es egal, welche Religion jemand hat. Wenn man sich verliebt, kann man heiraten. Da gibt es keinen Streit oder gar Gewalt“, ist er überzeugt. In seinem Dorf sei das ganz anders. Ein Jesid und ein Moslem dürften niemals auch nur miteinander befreundet sein.

„Deutschland ist einfach besser. Hier ist man sicher und frei – zumindest das hat gestimmt“, sagt Makri.Sein größter Traum ist es, seine Schwestern nach Deutschland holen zu können. Er hat Angst um sie. Einige seine Brüder seien im Irak verschleppt worden, glaubt er. Seit einigen Wochen hat er keinen Kontakt mehr zu ihnen. Zurück in seine Heimat möchte er daher nie mehr. Er will sich hier ein neues Zuhause aufbauen: „Wie sagt man? Ganz spießig. Deutsch eben.“ - Lydia Machelett

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