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„Impfstatus spielt keine Rolle“

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Die Nachroder Zahnärztin Michaela Christodoulakis.jpg
Die Nachroder Zahnärztin Michaela Christodoulakis.jpg © Privat

Wem alles schiefgeht, dem bricht der Zahn auch beim Puddingessen. Aber was dann in dieser Zeit, wenn allerorts 2G gilt?

Nachrodt-Wiblingwerde – Beim Zahnarzt ist alles anders. Aber gerade er kann einen Abstand zum Patienten so gar nicht einhalten. Ein Interview mit der Nachrodter Zahnärztin Michaela Christodoulakis.

Allerorts wird von 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet) oder 2G gesprochen. Doch das gilt in Zahnarztpraxen nicht, nicht wahr?

Michaela Christodoulakis: Seit dem 12. Dezember 2021 ist das neue Infektionsschutzgesetz (IfSG) in Kraft und somit gibt es eine Testpflicht in Zahnarztpraxen. Die G-Regelungen muss man in Zahnarztpraxen mittlerweile genau differenzieren: Für Begleitpersonen oder Besucher gilt die 3G-Regel in Zahnarztpraxen. Um ein erklärendes Beispiel zu nennen, fällt eine Mutter, die ihr Kind begleitet, unter die 3G-Regel. Ist sie nicht nachweislich geimpft oder genesen, muss sie getestet werden. Für Patienten gilt das nicht.

Ein Herscheider Zahnarzt hatte für ordentlich Wirbel gesorgt, als er einen Zettel an seine Tür mit der Aufschrift: ‘Bei uns gilt 1G, gesunder Menschenverstand’ hing. Würden Sie das auch tun?

Das ist in diesen Zeiten ein etwas reißerischer Aushang. Gesunder Menschenverstand herrscht bei uns selbstverständlich per se. Meine Praxis ist durch enge Patientenbindung bekannt und durch eine sehr solidarische Patientenschaft durch den ersten Teil der Corona-Krise getragen worden. Mal abstrus angenommen, dass in einer Novellierung des Infektionsschutzgesetzes ein Erlass 3G auch für Patienten anordnen würde, hätten wir als Testzentrum noch immer die Möglichkeit, den Patienten vor der Behandlung zu testen. Ich würde keinen meiner Stammpatienten abweisen, weil er nicht geimpft ist.

Zahnärzte sind als Heilberuf zum Dienst an der Gesundheit der Menschen verpflichtet, was aber doch nicht bedeutet, dass man nicht auch Sorge als Arzt hat, schließlich kommt man den Patienten sehr nahe, oder?

Da kommt das sogenannte Berufsrisiko zum Tragen. Wir sind ständig nah am Patienten und entsprechend allen möglichen übertragbaren Krankheiten ausgesetzt. Wir tragen die persönliche Schutzausrüstung nicht ohne Grund und zudem sind die meisten geimpft und bald geboostert. Zu Beginn der Pandemie, als Schutzkleidung wie FFP2-Masken Mangelware waren, sah das sicherlich anders aus.

Fragen Sie den Impfstatus des Patienten ab? Und wenn ja: Warum eigentlich?

Laut dem aktuellen Erlass ist eine Abfrage im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes erwünscht. Vermutlich dient dies einer statistischen Erhebung. Mittlerweile ist es den Menschen so zur Gewohnheit geworden, ihre Impfzertifikate zu zeigen, dass wir nicht mal fragen müssen.

Bieten Sie Tests in ihrer Praxis an?

Ja, wir testen uns engmaschig und sind auch eingetragenes Testzentrum. Da das Vorortangebot so groß ist, testen wir Bürger mittlerweile eher selten.

Sind viele Patienten verunsichert, ob sie kommen dürfen oder nicht? Oder bleibt die Hälfte ohnehin einfach weg?

Mit steigenden Infektionszahlen bemerkten wir wieder einen Rückgang der Patientenzahlen, dies aber unabhängig von den G-Regelungen.

Haben Sie schon mal Patienten aufgrund eines Covid-Verdachtes abgelehnt?

Hierzu gibt es seit Beginn der Pandemie glücklicherweise klare Regelungen. Infizierte Patienten oder solche, die sich in Quarantäne befinden, sind an sogenannte Covid-Behandlungszentren weiter zu leiten. Das sind Praxen bzw. Klinken mit entsprechender Schutzausrüstung.

Eine Gemeinschaftspraxis in Hannover will mit Beginn kommenden Jahres nur noch gegen Covid-19 Geimpfte und von der Krankheit Genesene behandeln. Das Thema wird also heiß diskutiert. Auch bei Ihnen in der Praxis?

Bei uns zählt der Patient als Mensch, ich würde nie derart differenzieren. Das verstößt gegen einen Passus des Genfer Gelöbnisses: „Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten und bei der Ausübung meiner ärztlichen Pflichten keinen Unterschied machen weder nach Religion, Nationalität, Rasse noch nach Parteizugehörigkeit oder sozialer Stellung.“ Ich denke auch der Impfstatus sollte keine Rolle spielen.

Und andersherum: Können Patienten eigentlich verlangen, nur von geimpften Personen behandelt zu werden?

Das ist eine berechtigte Frage. Ich persönlich denke, dass die Behandlerwahl in unserem Falle nach anderen Kriterien gewählt wird. Wir werden eher aus Interesse nach unseren Impfungen gefragt.

In Zahnarztpraxen gab es schon vor Corona einen hohen Hygienestandard. Haben Sie diesen noch getoppt, verschärft und wenn ja, wie?

Zu Beginn der Pandemie haben wir einen Spuckschutz an die Anmeldung und Abstandsmarkierungen angebracht. Auch bei uns steht der Handdesinfektionsständer jetzt im Eingangsbereich und es herrscht Maskenpflicht. Wir hatten und haben schon seit 2005 einen getoppten Hygienestandard, seit diesem Jahr auch mit Zertifikat. Mir persönlich war das schon immer sehr wichtig und wird es auch nach der Pandemie immer bleiben. Geändert haben wir nur die Abstände zwischen den Patienten, damit so wenig unnötige Begegnungen wie möglich stattfinden. Dies hat dazu geführt, dass wir spontan keine Neupatienten aufnehmen können.

Die Zahnärztekammer darauf hin, dass für die Schmerzbehandlung von Patienten, die wegen eines Verdachts oder einer vorhandenen SARS CoV 2-Infektion unter häuslicher Quarantäne stehen, Behandlungszentren eingerichtet worden sind. Diese befinden sich in Münster, Bochum, Dortmund, Siegen, Borken, Löhne und Rheda-Wiedenbrück. Aber ehrlich: Jemand mit einem Wurzelproblem fährt doch nicht dahin, oder doch?

Doch das tun die Patienten mit akuten Schmerzen sehr bereitwillig. Alles andere wäre ein Verstoß gegen die Quarantäneregeln und würde, mit gutem Grund, entsprechend scharf geahndet.

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