Ein Gespräch über ihre Aufgaben und Ziele

Interview mit GemeindeSchwester Monika Grefe: „Geben Sie Gottes Bodenpersonal eine Chance“

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GemeindeSchwester Monika Grefe möchte den Menschen Gottes Liebe näherbringen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Monika Grefe arbeitet seit dem 1. Dezember 2015 in der evangelischen Gemeinde Nachrodt-Obstfeld als GemeindeSchwester. 

„Richtig, GemeindeSchwester wird so geschrieben, auch wenn es orthografisch gewöhnungsbedürftig ist“, sagt die 47-Jährige. Über ihre Berufung, ihr Amt und ihre Zukunftspläne sprach sie mit AK-Redakteur Johannes Bonnekoh. 

Warum gibt es in der evangelischen Kirche den Beruf der Gemeindeschwester? 

Weil es immer weniger Frauen gab, die Diakonissen der alten Form wurden, das heißt unverheiratet, in Vollzeit, bei wenig Geld, für die Gemeinde einsatzbereit waren. Die Frauen von heute sind gut ausgebildet und möchten nicht nur ehrenamtlich in der Gemeinde mitarbeiten. Diese neue Form der Ausbildung zur GemeindeSchwester vereint beides: gut ausgebildet Geld verdienen. Die GemeindeSchwester arbeitet in einem Team mit dem Pfarrer/Pfarrerin und anderen Haupt-/Neben- und Ehrenamtlichen. 

Welchen Stundenanteil leisten Sie in Nachrodt-Obstfeld? 

Ich arbeite sieben Stunden in der Woche in der Gemeinde. 

Wie sieht ihre tägliche diakonische Gemeindearbeit ganz konkret aus? 

In dem ich Senioren und Kranke besuche, meine Mitarbeiter schule, Gruppen und Kreise leite und begleite, in Gesprächen versuche den Menschen Gottes Liebe nahezubringen, ohne sie zu überfordern. 

Welche Ausbildung mussten Sie durchlaufen? 

Die theologisch-diakonische Weiterbildung umfasst neun Schulwochen in drei Jahren, verschiedenen Hausarbeiten, die Abschlussarbeit und ein Kolloquium. 

Sind sie weisungsgebunden, was ihr Tun und Handeln angeht oder sind sie eher eigenständig tätig? 

Pfarrer Wolfgang Kube und das Presbyterium sind meine Ansprechpartner. In Absprache mit Pfarrer Kube bin ich eigenständig tätig, wir sind aber regelmäßig im Austausch, um zu reflektieren, ob wir optimal unterwegs sind. 

Wie kamen Sie dazu, in diesen Beruf einzusteigen? 

Als berufserfahrene Gemeindediakonin aus dem Rheinland habe ich in der westfälischen Kirche leider keine Stelle gefunden. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin lernte ich auf einer Konfirmandenfreizeit Pfarrer Kube kennen. 2015 suchte dieser dann eine GemeindeSchwester für seine Gemeinde in Nachrodt. Nach vielen Gesprächen mit ihm und der Schwester Oberin, Marianne Anschütz, habe ich mich bereit erklärt, noch mal eine berufsbegleitende Weiterbildung zu machen. 

Sie möchten zusätzlich Diakonissin werden. Was ist der Unterschied zur GemeindeSchwester? 

Beruflich gesehen ändert sich nichts und ich werde mich weiterhin GemeindeSchwester nennen. Als Diakonisse trete ich einer Schwesternschaft bei, mit allen Verpflichtungen, die jeder andere Verein auch hat: Mitgliedsbeitrag, regelmäßige Treffen, Verantwortung füreinander, aber auch der Möglichkeit, geistlich aufzutanken, sich auszutauschen, für einander zu beten, Schwesternschaft in neuer Form leben. Die meisten Diakonissen sind verheiratet, haben Familie, arbeiten fast alle noch in anderen Berufen neben der Gemeinde. Unsere christliche Prägung ist sehr unterschiedlich und so können wir uns gegenseitig unterstützen, beraten, christliche Gemeinschaft leben. Wie sich das genau gestaltet weiß ich noch nicht, aber ich bin gespannt. 

Welche persönlichen Akzente möchten Sie in Obstfeld setzen? 

Ich habe meine Abschlussarbeit über das Suchen, Finden und Fördern von Mitarbeitern geschrieben. Wie jedes Unternehmen weiß auch die Kirche, dass die Mitarbeiter ihr größtes Kapital sind (neben Gottes guter Nachricht). Erfahrene Mitarbeiter/innen begleiten, neue zu finden und in ein Team einzubinden, ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit. Weiterhin möchte ich mir Zeit nehmen Menschen in der Gemeinde zu besuchen. Da ich mich nie anmelde, bin ich immer auf´s Neue gespannt, wer und was mich hinter der Haustüre erwartet. 

Sie arbeiten seit dem 1. Dezember 2015 bereits in der Gemeinde. Sind sie schon angekommen und wird ihre Arbeit auch angenommen? 

Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr sich die Menschen über spontanen Besuch freuen. Es gibt gute Gespräche und ich fühle mich angenommen. Da ich nicht in Nachrodt wohne, gehöre ich leider nicht zum „Stadtbild“, aber durch Gemeindebriefe und Presse bin ich doch mittlerweile bekannt. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Gemeinde und ihre ganz persönliche? 

Ich wünsche mir, dass die Menschen der Kirche und „Gottes Bodenpersonal“ eine Chance geben und sich zur Gemeinde aufmachen, damit Begegnung stattfinden kann. Es wäre schön, wenn gerade Menschen zwischen 40 und 60 Lebensjahren den Weg zur Gemeinde finden würden, obwohl ich weiß, dass Familie, Beruf und Hobby wenig Zeit dafür lassen. Aber es würde mich freuen.

Theologisch-diakonische Ausbildung abgeschlossen

Monika Grefe stammt gebürtig aus Neuss im Rheinland. Dort hat sie bereits als Erzieherin und Gemeindediakonin gearbeitet. Jetzt hat sie am 22. Februar ihre theologisch-diakonische Weiterbildung im Mutterhaus Witten abgeschlossen. Die 47-jährige möchte sich darüber hinaus auch noch als Diakonisse einsegnen lassen. 

So wird sie am 12. Mai ihre entsprechende Ordenskette erhalten. Am 16. Juni erwartet sie und die ev. Gemeinde Nachrodt-Obstfeld Besuch von ihrer Oberin, Schwester Marianne Anschütz. Diese möchte dann mit der ganzen Gemeinde und besonders mit der neuen Diakonisse und GemeindeSchwester Monika Grefe Gottesdienst feiern

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