Ingo Graetz wirft das Handtuch

Ingo Graetz (rechts) zieht sich aus der Flüchtlingshilfe zurück.

Nachrodt-Wiblingwerde - Die Flüchtlingshilfe in Nachrodt-Wiblingwerde muss zukünftig ohne Ingo Graetz auskommen. Am Wochenende warf der Nachrodter das Handtuch. Auslöser sind zwischenmenschliche Probleme. So richtig grün waren sich die beiden Hauptakteure der Flüchtlingshilfe, Ingo Graetz und Wilfried Alberts, wohl nie. Doch die gute Sache schweißte die beiden Männer zusammen. Noch im Rahmen der Halbjahresbilanz hatten sie gemeinsam mit Susanne Jakoby von den vielen gelungenen Taten erzählt. Jetzt platzte Ingo Graetz offenbar der Kragen.

„Wilfried Alberts kocht immer seine eigene Suppe“, begründet Ingo Graetz seinen Rückzug. Die Aufgabenteilung rund um die umfangreiche Arbeit der Flüchtlingshilfe habe nicht wirklich gut funktioniert.

Das Fass zum Überlaufen hat laut Graetz das Thema „Internetzugang“ gebracht, als dieser Familien aus Syrien zu einem Vertrag mit der Firma „1&1“ riet, „den man überall in Deutschland nutzen kann. Dann auch, wenn die Syrer anerkannt sind und vielleicht in eine andere Stadt ziehen“, so Graetz. Wilfried Alberts habe ihm aber „dazwischen gefunkt. Dabei hat er davon gar keine Ahnung.“

Wilfried Alberts würde sich zudem nicht an Absprachen halten. „Er reißt alles an sich. Darauf habe ich keine Lust mehr.“

Zu den Vorwürfen möchte sich Wilfried Alberts nicht äußern. „Ich wasche keine dreckige Wäsche in der Öffentlichkeit.“ Ihm mache die Arbeit sehr viel Spaß und er wolle sich jetzt nicht zu sehr ärgern. „Sicher wird Herr Graetz uns fehlen, denn er hat einen hohen Sachverstand in vielen Bereichen“, so Wilfried Alberts, der die Vermutung ausspricht, dass ihn Ingo Graetz bei der Internetfrage falsch verstanden habe. „Ich hatte ihn um Hilfe gegeben.“ In Trauer verfällt er aufgrund des Rückzuges allerdings nicht.

Die Dritte im Bunde an vorderster Linie des Flüchtlingskreises ist Susanne Jakoby, die sich gestern aufgrund der neuen Entwicklungen enttäuscht zeigte. „Es geht doch um die Sache, nicht um persönliche Schwierigkeiten. Meine Güte, es ist doch schon schwierig genug. Kann man nicht Fünfe gerade sein lassen, wenn einer das so macht und der andere anders? Der Rückzug ist furchtbar schade, denn wir brauchen eigentliche jeden. Und was wir nicht brauchen, sind Ärger und Streitereien. Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, benötigen jede Unterstützung.“

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