Phönix-Apotheke bevorzugt?

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Die Inhaberin der Lenne-Apotheke zog vor das Landgericht.

Nachrodt-Wiblingwerde - Neigen zwei Arztpraxen in Nachrodt bei der Weitergabe von Arztrezepten zu einer Bevorzugung der „alten“ Phönix-Apotheke? Weil Jaqueline Daly sich durch diese angeblichen Kungeleien benachteiligt fühlte, zog die Inhaberin der Lenne-Apotheke vor das Landgericht.

Ziel der Klage ist „Auskunft“ über mögliche rechtswidrige Kooperationen zwischen den Beteiligten und die zukünftige Unterlassung dieser Praxis, die aus Sicht der Klägerin die Phönix-Apotheke bevorzugt. Die Beklagten bestreiten eine unerlaubte Zusammenarbeit.

Richterin Dr. Ennuschat, Vorsitzende der 3. Kammer für Handelssachen, vernahm deshalb zahlreiche Zeugen, um den Sachverhalt aufzuklären. Eine 77-jährige Patientin berichtete, dass sie um eine Einlösung eines Rezeptes bei der Lenne-Apotheke gebeten habe und stattdessen von einem Pillen-Taxi der Phönix-Apotheke beliefert worden sei. „Ich wollte gar nicht wechseln“, erklärte die alte Dame und erinnerte sich an weitere telefonische Bestellungen von Rezepten: Auch diese hätten zur Lenne-Apotheke gehen sollen. Stattdessen habe sie „die Medikamente von der anderen Apotheke bekommen“.

 Eine Apothekenhelferin der Lenne-Apotheke berichtete von einem Besuch in einer der beklagten Arztpraxen, bei dem sie einen Umschlag mit „acht bis zehn“ Rezepten gesehen habe, der offenbar für die Phönix-Apotheke bestimmt war. Auch ein ehemaliger Pharmareferent, der regelmäßig in den Arztpraxen zu Besuch gewesen war, erinnerte sich an „eine kleine Box in der Praxis“, in der Rezepte für die Phönix-Apotheke gesammelt wurden. Das hatte bis zur Eröffnung der Lenne-Apotheke allerdings auch den Anschein einer gewissen Selbstverständlichkeit, da es damals nur diese eine Apotheke in Nachrodt gab.

 Möglicherweise lief die eingespielte Praxis darüber hinaus aber weiter - ohne weiteres Nachdenken über deren Zulässigkeit. Regelrecht als Spion betätigte sich ein junger Rechtsreferendar aus dem Umfeld der Klägerin, der in eine der Arztpraxen ging, „um sich mal umzusehen“. Später bestellte er telefonisch ein Rezept, um den beklagten Lieferweg über die Phönix-Apotheke bestätigt zu sehen.

 Richterin Dr. Ennuschat fand nach den Aussagen der Zeugen „gewisse Anhaltspunkte, dass nicht alles so gelaufen ist, wie es hätte laufen sollen“. Und sie machte einen Vorschlag, den sie überraschenderweise als „ungewöhnlich“ bezeichnete: eine Mediation zwischen den Streitenden.

 Bei diesem gerichtlichen Vermittlungsgespräch, das nicht die zuständige Richterin leitet, können die Beteiligten ihre Meinungsverschiedenheiten im direkten Gespräch klären und möglicherweise zu einer Verständigung kommen. „Was da besprochen wird, wird nicht Teil dieses Verfahrens“, erklärte die Richterin. Der Wunsch der Klägerin nach Unterlassung der monierten Praxis scheint im Rahmen einer Verständigung erfüllbar zu sein - vorausgesetzt die Vorwürfe stimmen.

Die Richterin verwies auf die Größe von Nachrodt und die Bedeutung eines friedlichen Zusammenlebens der Apotheken und Ärzte: „Das ist ja alles relativ klein. Da muss man versuchen, Konflikte zu beseitigen, um zukünftig in Frieden miteinander leben zu können.“ Alle Streitparteien erklärten sich zu einem derartigen Mediationsgespräch bereit. Sollte dieses scheitern, droht ein neuer Termin vor der 3. Kammer für Handelssachen des Landgerichts. Vier weitere Zeugen stünden für diesen zur Verfügung

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