Wenn Einsamkeit zum Fremdwort wird

Lesen und Vorlesen gehört für Ingrid Dunkel zum Advent.

Nachrodt-Wiblingwerde - Das Feuer im Kamin knistert, eine wohlige Wärme erfüllt den gemütlichen Raum. Es duftet nach Kaffee und Tee. In einem Sessel sitzt Ingrid Dunkel und liest Geschichten vor. Gemütlicher und uriger geht’s wohl kaum. Den Gästen im Café Klunterbunt gefällt es offensichtlich gut.

Geschichten und Musik zum Advent standen auf dem Programm in dem kleinen Café in Rennerde. Chefin Gisela Gundermann hatte die Idee dazu. Und lud dafür Ingrid und Charlie Dunkel aus Deierte ein. Gemeinsam gestalteten sie einen gemütlichen Nachmittag. Bis in den Abend hinein lauschten und sangen die rund 20 Besucher in dem vollbesetzten Café.

„Ich habe schon immer gerne vorgelesen. Und jetzt, wo ich im Ruhestand bin und die Kinder groß sind, habe ich mir neue Aufgaben gesucht“, berichtet Ingrid Dunkel. Die ehemalige Grundschullehrerin arbeitet beispielsweise ehrenamtlich als Vorlesepatin in Pflegeheimen. „Die Kombination mit meinem Mann, der Musik macht, ist aber neu. Wir starten unsere gemeinsame Karriere quasi gerade erst“, verrät sie mit einem Augenzwinkern.

Einen ganzen Korb voller Geschichten hat sie mitgebracht. Der Fundus im Hause Dunkel sei groß. Denn seit Jahren sei es eine Tradition, dass man sich im Advent am Abend gegenseitig Geschichten vorlese. „Ich wähle die Geschichten, die ich hier vortrage genau aus. Eine Geschichte, die mich persönlich nicht anspricht, kommt auf gar keinen Fall in den Korb“, sagt sie. Und so hat sie nicht nur lustige, sondern auch nachdenkliche und besinnliche Texte im Gepäck.

Zwischen den Geschichten steht Singen auf dem Programm. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie extra kleine Liederhefte für die Gäste gebastelt. Und so entwickelt sich aus den Besuchern im Café schnell ein neuer Chor. Zunächst zögerlich, sangen die Teilnehmer schon nach wenigen Liedern kräftig mit. Bis nach draußen drangen ihre Stimmen.

Das gemeinsame Singen weckte in den meist etwas älteren Besuchern schnell Erinnerungen, die in der Kaffeepause ausgetauscht wurden. So manch eine private Weihnachtsanekdote sorgte für Freude. Singen verbindet offensichtlich. Denn die Gäste, die sich vorher zum Teil gar nicht kannten, unterhalten sich nun angeregt – auch über die Tischgrenzen hinaus.

Das sind die Momente, in denen Cafébesitzerin Gisela Gundermann das Herz aufgeht. Es war immer ihr Wunsch, ein Café zu gestalten, in dem man sich trifft und austauscht. In dem Einsamkeit zum Fremdwort wird. Dafür steht die Rennerderin dann auch gerne mal am Abend mehrere Stunden in der Küche, um Kuchen zu backen. Denn gekaufte Leckereien kommen bei ihr nicht auf den Tisch.

Bereits am Samstag ab 16 Uhr werden Ingrid und Charlie Dunkel erneut im Café Klunterbunt sein. Dann stehen Geschichten und Gedichte für Hundeliebhaber auf dem Programm. Klar, dass die Vierbeiner dann in Rennerde auch willkommen sind. - Von Lydia Machelett

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