Schickes aus Plastiktüten

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Inge Herberg mit einigen ihrer Arbeiten. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Was macht man mit einer Mülltüte? Dem Normalverbraucher stellt sich diese Frage meistens nicht. Er befüllt das Objekt und entsorgt dann die Tüte und deren Inhalt in die zum Haus gehörende Mülltonne. Das ist die wohl bekannteste Lösung.

Inge Herberg aus Wiblingwerde verfügt ebenfalls über Mülltüten. Allerdings in einer schon fast unübersehbaren Menge – aber sie befüllt sie auch nicht. Und entsorgt werden die Mülltüten schon gar nicht, denn Herberg hat eine völlig verblüffende Verwendungsmöglichkeit gefunden. Die Wiblingwerderin zweckentfremdet die Kunststoffbehälter und fertig daraus modische Accessoires. So zum Beispiel so genannte Shopping-Bags, Handtaschen, oder auch Handy-Hüllen.

Wenn man die fertigen Objekte sieht, ist man über die Farbenvielfalt zunächst einmal positiv überrascht. Fasst man die Taschen an, stellt man fest, dass sie sehr weich anfühlen und trotzdem robust und widerstandsfähig sind.

Wenn Inge Herberg erklärt, dass diese Produkte aus handelsüblichen Mülltüten hergestellt worden sind, hat sie zunächst einmal die Lacher auf ihrer Seite. Bis sie den Ungläubigen zeigt, wie’s geht. Spätestens dann herrscht Staunen.

Herberg besorgt sich in Einzelhandelsgeschäften und auch Supermärkten ganz normale Mülltbeutel. Die wiederum gibt es in verschiedenen Farben. Die Mülltüten werden zunächst gefaltet und dann in gleichmäßige Streifen geschnitten. Diese so entstehenden Streifen werden miteinander verknüpft und zu einem Knäuel verarbeitet, so, wie man es von Wollmaterial her kennt. Herberg fertigt mehrere Knäuel, die jeweils eine andere Farbe besitzen. Dann wird die Häkelnadel angesetzt. Die „Tüten-Knäuel“ werden so bearbeitet, wie man es auch mit Wolle tun würde. Die verschiedenen Farbansätze werden dann von Herberg „errechnet“, um so eine exakte Farbzusammenstellung zu garantieren. So fertigt sie bunte, unifarbene, gestreifte, mit Paletten oder Noppen versehene Objekte an.

Für die Anfertigung einer Tasche benötigt Herberg rund zehn Stunden, für eine Handy-Tasche rund vier Stunden. Und wie kommt man auf ein so ungewöhnliches Hobby? „Ich mache das ja noch gar nicht so lange“, gibt Herberg Auskunft. „Gesehen habe ich diese Herstellungstechnik mal in einer Illustrierten“. Und da Herberg so ziemlich alles beherrscht, was mit Handarbeiten zu tun hat, wollte sie auch diese Methode ausprobieren. Mit großem Erfolg. Denn zwischenzeitlich sind ihre Taschen stark gefragt und sie fertigt sogar schon das ein oder andere Mal auf Wunsch. Als neueste Quelle bedient sich Herberg auch Einkaufstüten, wie man sie auf Märkten bekommt. Großes Erstaunen löste sie in einer Pizzeria in Wiblingwerde aus, als sie einen großen Bestand der Kunststoff-Tragetaschen dort aufkaufte, die zum Transport der Erzeugnisse aus der Pizzeria genutzt werden. „Ich fand das Grün so schön“, schmunzelte Herberg. „Und der Inhaber sah es mit Humor.“

Mittlerweile „produziert“ sie für den Weihnachtsmarkt in Nachrodt. „Ich mache das einfach nur aus Spaß“, sagt die Hobbykünstlerin. Aber der zeitliche Aufwand für die Herstellung der Taschen sei eben sehr hoch. Aber wenn diese den Kundinnen – und natürlich Kunden – gefielen, dann sei letztlich auch sie zufrieden. ▪ hb

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