1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Infrastruktur-Drama nach Flutkatastrophe: Auch 20 Kilometer Waldwege kaputt

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Ein aktueller Blick ins Fährbachtal – dort gibt es noch viel zu tun.
Ein aktueller Blick ins Fährbachtal – dort gibt es noch viel zu tun. © Lydia Machelett

Während das Forstamt sich darum kümmert, die Rettungswege wieder befahrbar zu machen, ist die Gemeinde verantwortlich für die Gewässerunterhaltung und hat bereits viel Geröll aus den Bächen ‘rausholen und in den Wegen einbauen lassen. Ein Wiederaufbauplan ist in Arbeit. Kosten: 12 Millionen.

Nachrodt-Wiblingwerde – 20 Kilometer Waldwege sind kaputt. 20 Kilometer: Das ist etwa eine Strecke von Altena nach Schalksmühle. Knapp sechs Monate nach der Flut ist die Exel-Tabelle, die Förster Christof Schäfer für alle Schäden erstellt hat, schon wieder etwas überholt. Immer noch kommen neue Schäden zum Vorschein.

Und er kämpft mit neuen Vorgaben. Denn bis jetzt musste er zwar Angebote einholen, konnte aber recht unkompliziert Aufträge vergeben und hatte einen Tiefbauer im Ruhestand an der Hand, der Zeit hatte und an den Waldwegen Reparaturen vornehmen konnte. Doch ab jetzt werden alle Aufträge zentral vom Forstamt vergeben. Die Arbeiten sind deshalb zunächst gestoppt.

Fakt ist: Neben dem Drama rund um den Borkenkäfer und dem damit verbundenen Waldsterben mit 300 Hektar Kahlfläche sind die Wege-Verwüstungen im Nachrodt-Wiblingwerder Wald durch das Unwetter eine weitere Mammutaufgabe. Kostenschätzung: 2,3 Millionen Euro. Die Devise für den Wiederaufbau: besonnene Marschrichtung, kein wilder Aktionismus.

Und doch hat sich schon einiges getan: Der Waldweg im Lasbecker Tal ist wieder befahrbar, ebenso im Wörder Bachtal oder in der Nahmer Schweiz. Tiefe Löcher gibt es beispielsweise noch hinter Rennerde Richtung Lasbeck. Und oberhalb des Grennigloher Weges sollen Abstimmungsgespräche entscheiden, ob von den zwei Wegen nur noch einer instandgesetzt wird.

Die obere Zufahrt zum Eickhoff kann nicht wiederhergestellt werden.
Die obere Zufahrt zum Eickhoff kann nicht wiederhergestellt werden. © Susanne Fischer-Bolz

Während das Forstamt sich darum kümmert, die Rettungswege wieder befahrbar zu machen, ist die Gemeinde verantwortlich für die Gewässerunterhaltung und hat bereits viel Geröll aus den Bächen ‘rausholen und in den Wegen einbauen lassen. Zusammenarbeit ist das Zauberwort. Und das klappt gut, auch mit anderen Kommunen.

Gemeinsam mit dem Forstamt, der Stadt Hagen, der Unteren Wasserbehörde und der Forstverwaltung des Fürstenhauses zu Bentheim-Tecklenburg wird beispielsweise momentan im Fährbachtal bei Hinterveserde geräumtes Geröll aus dem Gebiet der Stadt Hagen für den Wegebau eingesetzt. Der Bach hat sich teilweise vier Meter in die Tiefe bewegt und Uferbereiche komplett in der Lage verschoben.

Unterdessen arbeitet Marc Trappe von der Gemeindeverwaltung mit Mitarbeitern der Firma „C & E Consulting und Engeneering“ an einem Wiederaufbauplan zur öffentlichen Infrastruktur. Der Plan soll während der Sitzung des Rates am 24. Januar vorgestellt werden.

Hat eine Mammutaufgabe: Förster Christof Schäfer.
Hat eine Mammutaufgabe: Förster Christof Schäfer. © Thomas Bender

„Im ersten Moment sieht man natürlich nur die offensichtlichen Schäden, aber längst sind leider immer mehr Probleme zum Vorschein gekommen“, sagt Marc Trappe. Auch stehe noch die Frage im Raum, wie es um die Kanäle bestellt ist. Und so wird das Kanalnetz mit Kameras „befahren“ werden müssen.

Übrigens: NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach kommt nun am 4. Februar nach Nachrodt. Drei Mal wurde der Besuchstermin verschoben, jetzt aber wird sie sich ein Bild von den von der Flut besonders schwer betroffenen Orten machen können. Der aktuelle Stand der Dinge, für den Kosten für die kleine Gemeinde in schwindelerregender Höhe von 12 Millionen Euro errechnet sind, sieht – nicht vollständig – so aus:

Becke

An verschiedenen Stellen ist die hangseitige Böschung abgerutscht. Bei einem Ortstermin mit der Unteren Wasserbehörde (UWB) wurde festgestellt, dass vom Feuerlöschteich auf dem Grundstück Becke 1 sowie vom Bachverlauf eine erhöhte Überflutungsgefahr ausgehen. Daher wird der Löschteich nach unterhalb der Bebauung verlegt und der Gewässerverlauf hochwassergerecht angepasst.

Brenscheider Mühle

Eine Brücke musste abgebrochen werden. Die geplante Übergangslösung wird nicht realisiert, da der Querschnitt nicht ausreichend wäre. Das Bauwerk wird als Kastenprofil gebaut und ersetzt ein Brückenbauwerk. Für die Versorgungsleitungen wird ein Düker gebaut. Die Arbeiten erfolgen in Abstimmung mit der Gemeinde Schalksmühle.

Eickhoff

Nachdem die untere und die obere Zufahrt zum Hof weggespült wurden, ist die Zufahrt von unten wieder möglich. Doch die obere Zufahrt kann nicht an gleicher Stelle wiederhergestellt werden, weil dem Gewässer deutlich mehr Fläche gegeben werden muss.

Da eine Zuwegung für den Brandschutz aber zwingend notwendig ist, soll eine Verlegung der Straße auf das Weideland der Familie Knipps erfolgen. Die Fläche muss die Gemeinde kaufen. Im weiteren Verlauf talwärts hat sich eine natürliche Retentionsfläche gebildet. Dieser Bereich kann zu einer zusätzlichen Beruhigungszone und damit als Hochwasserschutz für die Tallage entwickelt werden.

Die benötigten Flächen müssen von der Gemeinde erworben werden. Weiterhin müssen die vorhandenen Gewässerdurchlässe aufgeweitet und die Uferböschungen in Teilbereichen gesichert werden. Wenn die Gemeinde Eigentümerin der Grundstücke ist, sind die anfallenden Kosten über die Fluthilfe gedeckt.

Hemecke

Das Ersatzbauwerk für die zerstörte Brücke über dem Nahmer Bach wurde fertiggestellt. Der Bachlauf wurde in Teilbereichen bereits aufgeweitet, ist aber endgültig noch nicht abgeschlossen. Ungenehmigte Verrohrungen müssen nach Aufforderung der Unteren Wasserbehörde entfernt werden.

Hermann-Löns-Weg

In Teilbereichen hat die talseitige Böschung nachgegeben und muss wieder stabilisiert werden. Der verrohrte Bach wurde mittels Kanal-TV untersucht und mit einem Hochdruckspülwagen gereinigt. Die Ein- und Auslaufbereiche werden zukünftigen Unwettern angepasst.

Kreinberger Weg

Einer der sichtbarsten Probleme mit Unterspülungen der Straße, weggespülten Bankette und einem Bach außer Rand und Band. Mit dem Pächter der Fischteiche wurde vereinbart, den Pachtvertrag aufzulösen.

Mittlerweile wurde die Straße im Bereich der Fischteiche verbreitert, um die Befahrbarkeit für große Baufahrzeuge zu ermöglichen, die Bankette wurden aufgefüllt und die Straßenböschungen gesichert. Dort ist ein Ingenieurbüro mit der hydraulischen Berechnung beauftragt, um eine endgültige Gewässersituation zu planen.

Baugebiet Holensiepen

Der offen geführte Regenwasserkanal hat nach dem Starkregenereignis tiefe Ausspülungen. Dort wird momentan eine Verrohrung geplant. Im Bereich der Ausgleichsflächen, in Richtung Waldrand, wurde bei einigen Anliegern deutlicher Wasseraustritt an Böschungen festgestellt.

Dort wird ein zusätzlicher Graben gezogen, der weitere Infos zur Bodenstruktur und alten Drainagen bringen soll und über den das Gelände nachfolgend drainiert werden kann.

Auch interessant

Kommentare