Drei Sekunden im Endstadium

Info-Nachmittag zum Thema Demenz im Perthes-Haus

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Anja Bräuninger-Calitri – mit Karl-Heinz Förster – berichtete über Demenz.

Nachrodt-Wiblingwerde - Irgendwann sind es nur noch drei Sekunden. Drei Sekunden bis zum Vergessen. Dann ist die Demenz im Endstadium angekommen. Aber auch dann gilt: Das Herz wird nicht dement. Die Emotionen bleiben. Wer hätte das gewusst?

Im Rahmen des Weltalzheimer-Tages, der seit 1994 immer am 21. September stattfindet, gab es gestern einen sehr informativen und – trotz der Thematik – sehr fröhlichen Info-Nachmittag im Perthes-Haus. Eigentlich war kein Vortrag geplant gewesen. 

Verlust der geistigen Fähigkeiten

Doch die kleine Gruppe Interessenten freute sich, dass Anja Bräuninger-Calitri, Gerontopsychiatrische Fachkraft, spontan referierte, auf die Fragen einging und den Schleier der Vorurteile, Bedenken und Ängste lüftete. Demenz: Das ist der Verlust der geistigen Fähigkeiten, der ganz schleichend oder schubweise daher kommt. Nur am Anfang könne man die Krankheit etwas aufhalten, „wenn man rechtzeitig einen Neurologen aufsucht“, sagt Anja Bräuninger-Calitri. 

Vergisst man plötzlich wichtige Termine? Was gab es gestern zum Essen? Im Perthes-Haus in Nachrodt sind mehr als 50 Prozent der Bewohner an Demenz erkrankt – in unterschiedlichen Stadien. Das Haus hat sich durch viele Konzepte auf die Herausforderung eingestellt. 

Wie geht man auf Demenzerkrankte zu?

Es gibt eine gleichbleibende Angebotsstruktur mit gemeinsamen Kochen, Backen, Musik, Kraft- und Balancetraining. Die Förderung der Selbstständigkeit ist von allergrößter Bedeutung, ebenso die Biografie des Bewohners. „Hat er immer Chanel gemocht, kann ich nicht mit Kölnisch Wasser 4711 kommen“, versucht Anja Bräuninger-Calitri zu erklären, wie man auf die an Demenz Erkrankten eingehen kann und sollte. 

Zudem sollten Angehörige und Betreuer das Hier und Jetzt in den Vordergrund stellen. „Ich weiß, sie wollte sich nie bekleckern. Also möchte ich ihr beim Umziehen helfen. Das will sie aber jetzt nicht mehr. Also will sie es nicht“, erzählt Anja Bräuninger-Calitri, die auch Beschäftigungs-Angebote vorstellte: eine Puppe, die sich vom Kind zur Oma umkrempeln lässt, kleine Kästchen mit Düften, Schüsseln mit Reis und Linsen zum Fühlen. 

„So kann man die Sinne ansprechen“, sagt Anja Bräuninger-Calitri, die im Ellen Scheuner-Haus arbeitet, aber dienstags und freitags im Perthes–Haus ist. Ganz praktisch gab sie auch Tipps im Umgang: „Nicht mehrere Fragen hintereinander stellen, auf Augenhöhe ansprechen. Menschen mit Demenz denken nicht abstrakt, sie wollen spüren und begreifen.“

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