Impfstopp mit Astrazeneca

Sekunden entscheiden über Impfstatus von zwei Frauen im MK

Geimpft oder nicht? Das war bei zwei Frauen im MK eine Sache von Sekunden.
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Geimpft oder nicht? Das war bei zwei Frauen im MK eine Sache von Sekunden.

Die eine Erzieherin wurde geimpft, ihre Kollegin saß ebenfalls im Impfzentrum im MK mit Termin und hochgekrempeltem Ärmel - und wartete vergebens. Denn plötzlich war von einer Minute auf die andere alles anders.

Montagnachmittag (15. März) im Impfzentrum des Märkischen Kreises in Lüdenscheid. Es ist kurz vor 16 Uhr. Melanie Ehlert, Leiterin der evangelischen Kita Arche Noah in Werdohl, sitzt in einem kleinen Raum aus Trennwänden, hat nach erfolgter Registrierung, dem Ausfüllen eines Bogens und einem Aufklärungsgespräch mit einem Arzt den linken Arm bereits freigelegt, wartet jeden Moment auf den Piks.

Gegeben werden soll der 36-jährigen Neuenraderin, die für 15.45 Uhr einen Termin vereinbart hatte, am Impfzentrum erst aber noch in der Warteschlange stehen musste und daher ein paar Minuten verspätet an der Reihe war, der Impfstoff von Astrazeneca.

Impfung ausgesetzt: Erzieherin fühlt sich „veräppelt“

In einem gegenüberliegenden Behandlungszimmer sitzt Ehlerts Kollegin Alexandra Kukuljac, die die Nadel schon im Arm hat und das Vakzin von Astrazeneca soeben verimpft bekommt. Dann wird’s von jetzt auf gleich unruhig und hektisch in der Schützenhalle am Loh. Die Meldung des sofortigen Impfstopps für Astrazeneca macht die Runde.

Melanie Ehlert, deren Schwester Mareike (duales Studium in Sozialpädagogik) und Mutter Elke Strömmer aus Nachrodt noch am Montagvormittag das Vakzin von Astrazeneca injiziert bekommen hatten, kann es nicht fassen, fühlt sich „überrumpelt“ und auch „veräppelt“, bekommt den Piks nicht mehr.

Impfstopp für Astrazeneca: Glück oder Pech?

Ohne Impfung tritt sie die Rückreise an. Verunsichert. Wütend. Das gilt auch für ihre Kollegin. „Ich war wohl die Letzte an diesem Tag, die mit Astrazeneca geimpft wurde“, sagt Alexandra Kukuljac. Ob sie Glück oder Pech hatte, weiß sie in diesem Moment nicht. Sie fühlt sich wie in einem Film. In einem schlechten Film. Versteckte Kamera?

Melanie Ehlert, die Leiterin der evangelischen Kita Arche Noah in Werdohl, saß schon zum Impfen im Impfzentrum - und musste unverrichteter Dinge wieder gehen.

Auf der gemeinsamen Fahrt nach Lüdenscheid war Corona, die Impfung und Astrazeneca das Gesprächsthema Nummer eins von Melanie Ehlert, die allergisch auf Penicillin reagiert, und ihrer Kollegin Alexandra Kukuljac gewesen. „Wir sind täglich mit Kindern in Kontakt, setzen uns jeden Tag der Gefahr einer Infektion aus“, sagt Melanie Ehlert, die offen ausspricht, dass sie Angst vor einer Covid-19-Erkrankung hat.

Astrazeneca: Bedenken im Vorfeld

Weil sie aber auch um die möglichen Nebenwirkungen, die nach einer Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca auftreten können, wusste, war sie nervös. Ihre Bedenken brachte sie im Impfzentrum in dem obligatorischen Arztgespräch auch zum Ausdruck, wies zudem auf ihre Allergie hin. „Der Arzt hat mir gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen“, berichtet die 36-Jährige, die sich vorab trotz ihrer Bedenken gegenüber des Impfstoffes für einen Impftermin entschieden hatte. Die Sorge, an Corona zu erkranken, sei größer gewesen als die Sorge vor den Nebenwirkungen des Impfstoffes.

So saß Melanie Ehlert am Montag also um kurz vor 16 Uhr in dem kleinen, abgetrennten Raum. „Ich wurde von einer Ärztin aufgefordert, den linken Arm freizumachen. Dann sagte sie, dass sie sofort wieder komme. Plötzlich kam dann ein Arzt oder ein Ordner herein und fragte mich, ob ich schon geimpft worden bin“, erzählt Melanie Ehlert. Sie verneinte. „Dann sagte er, dass ich heute nicht mehr mit Astrazeneca geimpft werden würde“, so Ehlert. Ihre Nachfrage, ob sie stattdessen einen anderen Impfstoff bekommen könnte, wurde vereint.

Nach Impfung mit Astrazeneca: Nachrodterin kämpft mit Nebenwirkungen

Im gegenüberliegenden Behandlungszimmer hatte Alexandra Kukuljac die Nadel gerade im Arm, als der Impfstoff von Astrazeneca im Impfzentrum verkündet wurde. Sie hätte noch Glück gehabt, wurde der 41-Jährigen gesagt. Glücklich fühlte sie sich sie in diesem Augenblick aber nicht. „Im ersten Moment war ich sehr geschockt“, sagt die Erzieherin, die die Erstimpfung gut vertragen hat und am Dienstag ganz normal ihrer Arbeit nachging. „Mir geht’s gut“, sagt Alexandra Kukuljac am Tag danach. Das ungute Gefühl und die Aufregung am Montagabend waren der Freude darüber, geimpft worden zu sein, gewichen.

Elke Strömmer (57) aus Nachrodt

Bei Elke Strömmer, Mutter von Melanie Ehlert und ebenfalls Erzieherin, sah die Welt am Dienstag (16. März) anders aus. „Die Nebenwirkungen sind extrem. Ich ärgere mich heute darüber, dass ich mir das angetan habe“, sagt sie. Die 57-jährige Nachrodterin, die aus gesundheitlichen Gründen zur Risikogruppe zählt und in einer Hagener Kita arbeitet, klagte über Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. „Bei mir ging es nachts los. Ohne Tabletten hätte ich das gar nicht ausgehalten“, sagt Elke Strömmer, die am Dienstag (16. März) arbeitsunfähig und emotional noch immer aufgewühlt bis sauer war.

Impfung mit Astrazeneca: Nachrodterin hin- und hergerissen

Der vorläufige Stopp von Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca, dem Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Präparat vorausgegangen waren, haben die Nachrodterin stark verunsichert. Sie habe vorher „lange überlegt“, ob sie sich mit dem Präparat von Astrazeneca impfen lassen solle oder nicht, habe sich hin und hergerissen gefühlt. Alle Infos zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog.

Letztlich sei die Angst, an Corona zu erkranken und aufgrund von Vorerkrankungen möglicherweise einen schweren Verlauf haben zu können, größer gewesen. „Jetzt, wo alle Kinder wieder in die Kita zurückgekommen sind, ist das Risiko einfach groß“, meint Elke Strömmer, die nun in sich hineinhorchen wird, ob sie nach erfolgter Impfung am Montagmorgen (15. März) irgendwelche Auffälligkeiten beobachtet. Und sie beschäftigt insbesondere eine Frage: „Wie geht es jetzt weiter?“ Die zweite Impfung steht ja schließlich noch aus... Wie es mit den Terminen weitergeht, ist derzeit unklar. Allein im MK fallen durch den Impfstopp bis zum Wochenende knapp 2300 Termine aus

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