Alberto Triches und Achim Dieckmann betreiben auf Gut Sassenscheid kleine Imkerei

Imker von Gut Sassenscheid will Prüfung ablegen

69 Kilo dunklen Waldhonig haben die beiden Imker in Gläser abgefüllt. Offiziell verkaufen sie den noch nicht, aber das soll sich bald ändern. - Fotos: Hornemann

NACHRODT-WIBLINGWERDE -   Das leise Summen im Garten von Gut Sassenscheid ist vorerst verklungen: Muckelige 30 Grad Celsius erzeugen die vier Bienenvölker jetzt für ihre Winterruhe im Stock. Sie haben sich die Pause redlich verdient: 69 Kilo wohlschmeckenden Waldhonig haben sie über den Sommer erzeugt. Die Gläser mit der naturbelassenen Süßigkeit sind der ganze Stolz von Achim Dieckmann und Alberto Triches.

Es war nicht nur der Prozess des Schleuderns, der die beiden Sassenscheider so glücklich machte. Vor allem die positive Resonanz von Bewohnern und Kollegium der Soziotherapeutischen Einrichtung zaubert ein Lächeln auf das Gesicht der beiden Hobbyimker.

„Vor zwei Jahren hätten wir nie gedacht, dass wir mal unseren eigenen Honig produzieren würden“, erklärt Alberto Triches. Mit Achim Dieckmann zusammen traute sich der Seca-Mitarbeiter jedoch zu, dieses Projekt anzugehen. Dieckmann pflegt mit Leidenschaft den Obst- und Gemüsegarten der Einrichtung und hat im sauerländischen Bergklima schon die exotischsten Früchte zum Wachsen gebracht.

„Wir hatten das Glück, einen Paten für unser Honigprojekt zu bekommen“, schildern Triches und Dieckmann. Klaus Berneiser erklärte den Anfängern, wie sie ihr erstes Carnica-Bienenvolk unterbringen und pflegen mussten. „Das erste ist uns aber abgeschwirrt“, erinnert sich Achim Dieckmann mit Schrecken zurück. „Aber das ist der Lauf der Natur. So etwas passiert selbst erfahrensten Imkern. Schade war es trotzdem, zumal es unser einziger Grundstock war.“

Heute leben zwei Vollvölker mit jeweils 40 000 bis 50 000 Bienen und zwei kleine Völker mit jeweils 25 000 bis 30 000 Tieren auf Gut Sassenscheid. Ihren Dienst verrichten sie im umliegenden Wald. Entsprechend dunkel ist der Honig, den sie produzieren.

Doch der ist so wohlschmeckend, dass Mitarbeiter und Bewohner immer wieder Gläser nachgekauft haben. Aus der Honigkasse konnte das Imker-Team schließlich sogar einen gebrauchten Bauwagen finanzieren, der nun für die Sassenscheider Imkerei aufbereitet wird: Bunt bemalt, wird er demnächst als Lagerstätte für die Imker-Ausstattung dienen. Einen Schaukasten haben die Werkstatt-Mitarbeiter auch gebaut: Er wird an attraktiver Stelle am Spazierweg platziert, so dass Passanten einen exklusiven Blick auf die Arbeit der großen, farblich gekennzeichneten Königin und ihr Volk haben.

Im nächsten Jahr will Achim Dieckmann auch die Prüfung beim Deutschen Imkerbund ablegen. Damit wäre das Haus dann berechtigt, die Gläser mit dem Gütesiegel „Echter Deutscher Imkerhonig“ auszuzeichnen und offiziell zu verkaufen. Vielleicht erfüllt sich dann auch noch der Traum von einer eigenen Honigschleuder. Noch verleiht Klaus Berneiser seine Zentrifuge für die jährliche Ernte.

Zurück zu den Bienen in ihrem Winterlager: Hungern müssen sie dort natürlich nicht. Die zum Schutz vor der Varroamilbe gut präparierten Waben sind mit Zuckersirup aufgefüllt worden. Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius halten die Tiere aus, weil sie ihren Stock durch den eigenen Flügelschlag gut beheizen.

Im Saisongeschäft lebt eine Biene drei Wochen im Stock und drei Wochen lang draußen. In der Regel stirbt sie danach. Um das auszugleichen, legt die Königin mehrere Tausend Eier pro Tag nach. „Diesen natürlichen Lauf zu beobachten, ist echt interessant“, beschreiben Alberto Triches und Achim Dieckmann ihr Hobby, das auf Gut Sassenscheid auch einen therapeutischen Wert hat. Gestochen worden sind beide übrigens ganz selten in ihrer noch jungen Imker-Karriere: Carnica-Bienen, wegen ihrer ursprünglichen Heimat im südöstlichen Alpenraum auch Kärntner Bienen genannt, sind sehr sanftmütig. Stört sie keiner, verhalten sie sich auch friedlich. - Ina Hornemann

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