Herr der sechs Völker: Besuch am Bienenstock

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Es summt und brummt am Bienenstock in Nachrodt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Tauben waren gestern, heute setzt Joachim Skroch auf Bienen. Sechs Völker hat er - und im Sommer bis zu 50.000 Bienen. Wenn die Wespen sie nicht umbringen.

Mit seinen Tauben gewann er Preise über Preise, jetzt macht er köstlichen Honig. „Wenn ich etwas tue, dann richtig und zu 100 Prozent“, sagt Joachim Skroch, den alle Achim nennen, schmunzelnd. Zeit und Liebe investiert er in sein Hobby. 

„Man darf vor allem keine Angst vor den Bienen haben“, sagt der Nachrodter, der vor wenigen Tagen 70 Jahre alt geworden ist. Gestochen wird er selten. Wenn es doch passiert, schmerzt es immer weniger. 

Imker Joachim Skroch.

Schlimmer sind für ihn Wespenstiche: Eine dicke Hand war jetzt das Ergebnis. „Und es dauerte ewig, bis es wieder besser wurde“, sagt Achim Skroch, der sich um sechs Bienen-Völker kümmert. „Ich teile sie wegen der Varroramilbe, die die Bienen kaputt macht. Im September werden die Völker wieder vereinigt“, erzählt der Imker. 

Wenn das Bienenvolk geteilt wird, fehlt eine Königin. Aus der frischen Brut bauen die Bienen eine Weiselzelle. Aus ihr schlüpft 16 Tage später eine Königin. Später, bei der Wiedervereinigung, überlebt aber nur die Stärkere – nämlich die, mit der die Bienen gut über den Winter kommen. 

Varroamilbe, der Feind

Übrigens: Die Varroamilbe, die den Imkern Kummer macht und als gefährlichster Feind der Biene gilt, ist eine 1,1 Millimeter lange und 1,6 Millimeter breite Milbe, die als Parasit bei den Honigbienen lebt. Die Milbe entwickelt und vermehrt sich in der Brut im Bienenstock. 

Es lebe das Kollektiv im Bienenstock: Es gibt die Königin (18 bis 22 Millimeter), die deutlich länger als die Arbeiterinnen (12 bis 15 Millimeter) und schlanker als die Drohnen ist. Die Königin ist die einzige, die Eier legen kann. Sie wird von den Arbeiterinnen zeitlebens gefüttert. Ihr Rüssel ist für eine eigenständige Nahrungsaufnahme auch viel zu kurz. 

Und sie ist die einzige, die mehrere Jahre lebt, während die Arbeiterin nach etwa sechs Wochen vor Erschöpfung stirbt. Zuvor hat sie die Zellen gebaut, die Brut versorgt, den Bau bewacht, den Pollen verarbeitet, den die Sammelbienen herbeigeschafft haben, und ist schließlich selbst ausgeflogen, um Nektar zu sammeln. Bis sie nicht mehr kann. „Man kann das sehen. Sie will losfliegen und schafft es nicht. Das war es dann für sie“, sagt Achim Skroch. 

Männer müssen sterben

Die Drohne (15 bis 17 Millimeter) ist die männliche Biene, die kein Futter sammelt, sondern nur der Fortpflanzung dient – und direkt danach das Zeitliche segnet. Wenn nicht, werden Drohnen spätestens im Herbst von den Arbeiterinnen aus dem Stock geworfen. „Weil sie lästig sind und nur Futter fressen. Die Männer haben es nicht so leicht“, sagt Achim Skroch und lacht. 

Achim Skroch kennt seine Bienen. Vielleicht nicht jede einzelne, aber er kann durchaus sagen, welche nicht zu seinen Völkern gehört. „Ich habe Carnika, die sind etwas dunkler als die anderen.“ Im Winter sind bis zu 5000 Bienen im Stock, im Sommer bis zu 50 000. 

Bienen schwämen ab April aus

Wenn Achim Skroch am Stock arbeitet, trägt er einen Schutzanzug. „Dann brauche ich 20 bis 30 Minuten. Wenn man sich etwas schneller bewegt, dann reagieren sie und stechen auch. Ich habe aber Völker, die eigentlich sehr sanftmütig sind.“ 

Der Imker liebt die Beobachtung der Bienen, das Summen allerorts. „Das ist wunderbar und eine richtige Erholung.“ Dass die Imkerei viel Zeit benötigt, versteht sich fast von selbst. „Ab Ende April wollen die Bienen schwärmen. Das muss der Imker unterbrechen. "Man muss schauen, ob Weisenzellen gebaut wurden. Wenn ich das lasse, schwärmen sie – und die Hälfte der Bienen ist weg. Dann kann man das Jahr mit Honig vergessen.“

Apropos Honig: Achim Skroch hat Lindenblütenhonig und Honig aus Akazien oder Kastanie – „Je nachdem, was blüht.“ – und einen geschleuderten Honig, der cremiger und etwas dicker ist. Achim Skroch empfiehlt Allergikern, ab Herbst jeden Tag einen Löffel Honig aus der Region zu essen. „Dann hat derjenige weniger oder überhaupt keine Allergien mehr.“ 

Bis zu fünf Kilo Honig im Jahr

Ein starkes Volk kann im Jahr bis zu 50 Kilo Honig bringen. 4,50 bis fünf Euro nimmt Achim Skroch für ein großes Glas. „Ich verdiene aber nichts daran“, sagt der 70-Jährige, der auch einen eigenen Wachskreislauf hat. 

Sorgen bereiten dem Imker die Wespen. „Sie haben im vergangenen Jahr ein Volk im Herbst getötet. Ich kam aus dem Urlaub zurück und sah die Wespen rein- und rausfliegen. Das Futter für den Winter war weg, und es gab nur noch eine Handvoll Bienen.“ Übrigens: Achim Skroch hat auch schon ein paar seiner Freunde mit der Imkerei begeistert. Frank Struwe hat einen Ableger bekommen und wird jetzt von Achim Skroch begleitet.

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