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Eine Königin mit braunen Beinen

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Mit Vollverkleidung wird nicht nur am Bienenstock gearbeitet, sondern auch beim Rasenmähen.
Mit Vollverkleidung wird nicht nur am Bienenstock gearbeitet, sondern auch beim Rasenmähen. © Fischer-Bolz, Susanne

Es summt und brummt im verwunschenen Garten mitten in Nachrodt. Es ist eine Idylle mit einem Teich, Blumen, Bäumen und Sträuchern. Dort ist nichts akkurat, eher verzaubernd. Und genau dort fühlen sich die Bienen pudelwohl. Allerdings mögen sie überhaupt kein Rasenmähen und nachtragend sind sie auch.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es ist das Zuhause von Christine Rubel und Frank Stuwe. Das Paar imkert, hat das wunderschöne, aber auch zeitaufwendige Hobby für sich entdeckt. Es gibt nur einen klitzekleinen Haken: Rasenmähen können die Bienen gar nicht leiden. Das ist ihnen zu laut. Deshalb muss Frank Stuwe in kompletter Schutzausrüstung auf der Wiese arbeiten. Und nachtragend sind die Insekten auch noch. Sie wissen auch drei Tage später noch ganz genau, wer da so einen Lärm in ihrem Reich veranstaltet hat.

Bienen schnell schätzen gelernt

Es war Tischtennis-Kollege und Imker Achim Skroch, der vor drei Jahren Frank Stuwe mit der Bienenbegeisterung ansteckte und jetzt auch immer der Ansprechpartner für die Hobby-Imker ist. „Ich war erst nicht so begeistert. Ich mag Honig auch nicht wirklich gern, aber dann, als ich in der Pandemie Kurzarbeit hatte, habe ich die Bienen schnell schätzen gelernt“, erzählt Christine Rubel. Sie hat schon Aufregendes erlebt: Plötzlich war der Schwarm beim Nachbarn im Baum. „Wir konnten jemanden vom Imkerverein organisieren. Der hat uns angeleitet und machen lassen.“ Man besprüht den Schwarm mit Wasser, hält die Kiste drunter, rüttelt am Ast. Natürlich unter Vollschutz. „Wir haben da noch Übungsbedarf“, lacht Christine Rubel.

Mitten im Garten stehen die Bienenstöcke
Mitten im Garten stehen die Bienenstöcke © Fischer-Bolz, Susanne

Fünf Bienenstöcke

Mittlerweile hat das Paar fünf Bienenstöcke. Zu einem Bienenvolk gehören 50 000 bis 60 000 Bienen, die allesamt eine Aufgabe übernehmen. Die meisten sind weibliche Arbeitsbienen. Man kann sich also ungefähr vorstellen, was da im Garten so los ist. Mindestens einmal in der Woche werden die Stöcke kontrolliert. Die Königin kann man theoretisch markieren, um sie zu erkennen. „Aber wir haben Stöcke, da haben wir sie noch nie gesehen“, erzählt die 53-Jährige. Ein Imkerkollege hatte erzählt, dass die Königin braune Beine hat. Ein unmögliches Unterfangen, eben diese Beine unter 50 000 Tieren zu finden.

Schleudern im Dauerlauf

Den ersten Honig von Stuwe und Rubel gab es 2020. „Das war aufregend, vor allem, als ich merkte, dass er total lecker schmeckt“, lacht die Imkerin. Dieses Jahr konnte bereits Ende Mai der erste Honig geerntet werden. „Das liegt an den Temperaturen. Die Bienen fliegen erst ab zehn Grad.“ Im Haus wurde eine Küche für die Zubereitung des Honigs komplett umfunktioniert, eine große Honigschleuder steht im Raum. Die Ausbeute: 180 Kilogramm Honig. Geschleudert ja, aber noch nicht komplett abgefüllt. „Der Achim hat zwei Wochen jeden Tag geschleudert. Da kann man irgendwann nicht mehr“, erzählt Christine Rubel.

Das Gewusel im Garten beruhigt auch

Was den staunenden Betrachter auch interessiert: Wie oft wird man gestochen? „Ich bis jetzt etwa zehn Mal“, sagt Christine Rubel. Wie weh es tut, „hat etwas damit zu tun, wo die Bienen vorher waren. Wenn sie am Fingerhut waren, schwillt es richtig dick an“, erzählt Christine Rubel aus leidvoller Erfahrung. Trotzdem: Es gibt aus ihrer Sicht so viel Tolles rund ums Imkern. Selbst das Gewusel im Garten findet sie beruhigend. Wenn sie den Tieren beim Fliegen zuschaut, kann sie wunderbar abschalten. „Man wächst mit seinen Aufgaben, aber es ist gut, wenn man jemanden hat, der einen in der ersten Zeit begleitet“, sagt die Hobby-Imkerin. Im vergangenen Jahr hat sie mit ihrem Mann auch einen Imker-Kurs besucht und sich zudem dem Imkerverein Kalthof angeschlossen. Denn neben aller Begeisterung gehört auch viel Wissen rund um die Bienen dazu: die Biologie der Honigbiene, die Arbeitsmaterialien, die Schwarmbiologie, Ablegerbildung, Rechtsvorschriften, Wachsverarbeitung, Honigernte, Honigverarbeitung und natürlich die Bienengesundheit.

Urlaub unterbrochen

Bei Nachbarn, Freunden und Kollegen wird der Honig mittlerweile sehr gerne genommen. Denn es hat sich herumgesprochen, dass „der Honig „nicht so quietschesüß ist“. „Die Bienen lieben Himbeeren und Brombeeren“, sagt Christine Rubel. Und die kleinen Tiere halten sich nicht an die Urlaubszeit. „Wir sind in den Urlaub gefahren. Dann bekamen wir Bilder von Achim Skroch, sind wieder zurück, haben über 50 Kilo Honig geschleudert und sind dann wieder an die See gefahren“, erzählt die Nachrodterin. Die Tiere gehen eben immer vor.

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