Ein mit allem Schnickschnack umgebauter Bauwagen

Der "Boxenstopp" und die Bürokratie - so steht es um den Imbiss an der B 236

+
Christian Waleczek in seinem Boxenstopp. Den Imbiss musste er nach wenigen Tagen direkt wieder schließen und einen Bauantrag stellen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Christian Waleczek kann aufgrund von Auflagen über Auflagen nur noch den Kopf schütteln. Sein Imbiss  „Boxenstopp“ am Obergraben konnte gleich wieder dichtmachen. Doch bald soll es wieder Brötchen & Co. geben.

Antragsteller, die ein Antragsformular wünschen, müssen ein Antragsformular ausfüllen. Ist es die Bürokratie, an der wir alle kranken – wie es schon Otto von Bismarck, einer der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte, gemeint hat?

„Wer nicht so viele Nerven hat, wirft die Flinte ins Korn“, sagt jedenfalls Christian Waleczek. Der 47-Jährige ist eigentlich ein Weltenbummler, der sich an der Grenze der Doppelgemeinde einen Herzenswunsch erfüllen möchte. 

Sein „Boxenstopp“ ist wahrlich keine gewöhnliche Pommesbude. Es ist ein mit allem Schnickschnack umgebauter Bauwagen, der irgendwo in Letmathe im Gebüsch schon fast festgewachsen war. Christian Waleczek hat ihn liebevoll renoviert und aufgepeppt.

Christian Waleczek hat den Bauwagen mit viel Liebe zum Detail umgebaut.

Dass er nicht einfach einen Imbiss eröffnen kann, war Christian Waleczek sonnenklar. Er besuchte Existenzgründerseminare bei der SIHK, einen Hygienelehrgang, stellte Kontakte zum Bauamt Iserlohn her. „Alles, was Räder hat, benötigt ein Reisegewerbe, aber keinen Gewerbeschein, war die Auskunft. Alles schien zunächst unproblematisch. Das Gesundheitsamt kam zur Abnahme und der Boxenstopp eröffnete am perfekten Standort auf dem Parkplatz am Obergraben, Hagener Str. 149, an der B236. 

„Ich stand hier und habe eine Wurst nach der anderen verkauft“, lacht der Boxenstopp-Chef. Doch dann kamen nach einigen wenigen Tagen Vertreter des Ordnungsamtes Nachrodt – in Vertretung des Märkischen Kreises. Denn „was einen festen Standplatz hat, benötigt eine Baugenehmigung“, sagt Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises. Und dass der Boxenstopp steht, wo er steht, kann man nicht anzweifeln. Der Laden musste schließen.

 Das Hürdenlaufen ist noch nicht zu Ende

Zudem: An der Bundesstraße darf keine Verlangsamung des Verkehrs herbeigeführt werden. Gespräche mit Straßen-NRW folgten. „Es gab eine Lösung. Für AGN und die Firma Helge Lobbe, dem das hier gehört, zähle ich jetzt als Kantine.“ Damit war die erste Hürde geschafft. Christian Waleczek stellte mithilfe eines Architekten einen Bauantrag. Dabei spielen jetzt auch die Themen Immissionsschutz und Gewässerschutz eine Rolle. 

„Ich hatte viele Gespräche mit der Nachrodter Bürgermeisterin, weil ich mich wirklich geärgert habe. Irgendjemand macht sich hier die Mühe und ist bereit, zu investieren, und dann gibt es keine Unterstützung. Sie war aber dann die Erste, die im Rahmen des Bauantrags ihre Zustimmung gegeben hat.“ Das Hürdenlaufen ist aber noch nicht zu Ende. Täglich hofft Christian Waleczek auf positive Nachrichten, sitzt auf heißen Kohlen.

„The place away from home“

Im Boxenstopp ist natürlich alles gerichtet: „The place away from home“, heißt die Devise. Gasherd, Backofen, Kühlschränke, Gefrierschrank, Fritteuse, Kontaktgrill, Gasgrill, zwei 14 Liter-Kaffeemaschinen und ein hochmodernes Kassensystem gibt es, bei dem man direkt im Büro die Umsätze sehen kann – und auch wie die Vorräte schwinden. „Ich sehe sofort, was ich bestellen muss“, erzählt Christian Waleczek. Auch Kartenzahlung ist möglich. 

Und: Alle Angebote von der Karte gibt es in Ökoverpackungen. „Ich arbeite mit dem größten Lieferanten für Ökoverpackungen aus Osnabrück zusammen“, sagt der Boxenstopp-Chef. Also: Es gibt kompostierbare Servietten, Schälchen, Sandwichtütchen und natürlich auch Holzbesteck. 

Klassiker und Essen aus fernen Ländern

Interessant ist übrigens die Speisekarte: Natürlich gibt es die Klassiker wie Currywurst, Frikadellen und Fritten. Aber Christian Waleczek möchte auch einen täglich wechselnden Mittagstisch anbieten, zudem „Grilled Sandwiches“ und auch Essen aus fernen Ländern. Denn: China, Brasilien, Indien: Der Boxenstopp-Inhaber ist weit herumgekommen. 

Er war Polizist, Tischler, im Messebau tätig und hat als Projektmanager gearbeitet. „Eine interessante Tätigkeit, die mich aber kaputtgemacht hat“, erzählt der neue Budenbesitzer, der dann an Burnout erkrankte.

Lkw-Fahrer mit frischen Brötchen versorgen 

Irgendwann war er plötzlich arbeitslos. In der Reha lernte der gebürtige Gelsenkirchener seine Frau Sandra kennen. „Hier habe ich meinen Frieden gefunden“, schmunzelt Christian Waleczek, der jetzt mit Frau und Töchterchen in Lasbeck wohnt. 

Für den Boxenstopp will er sich ins Zeug legen, sieben Tage die Woche öffnen und auch die Lkw-Fahrer, die früh morgens auf die Einfahrt zum Steinbruch warten, mit frischen Brötchen versorgen. „Ich fahre morgens um halb 5 zum Bäcker Grote und hole die Brötchen.“

Lesen Sie auch: 

- Sein bester Trick: Bankkaufmann hängt Job an Nagel und wird Zauberer

Kurioser Polizei-Schnappschuss: Oskar "hüpft" nach Rettung gleich ans Steuer

Heiratsantrag per Knöllchen: Mann "rast", damit Freundin dieses Foto bekommt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare