Ihre Unabhängigkeit sieht Birgit Tupat als Trumpf

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Birgit Tupat ist die einzige parteilose Bewerberin um das Bürgermeisteramt. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Karrierefrau? Nein, so würde sich Birgit Tupat nicht bezeichnen. Dabei kann sich ihre berufliche Laufbahn in der Verwaltung der Doppelgemeinde durchaus sehen lassen. Von der Auszubildenden hat sie es mittlerweile zur Fachbereichsleiterin geschafft. Doch die 45-Jährige, die in Nachrodt-Wiblingwerde geboren und aufgewachsen ist, will noch höher hinaus: Sie möchte Bürgermeisterin werden.

Schon im Jahr 2007, nach dem Tod des damaligen Bürgermeisters Friedhelm Schröder, habe sie erstmals überlegt, ob sie sich nicht um die Nachfolge bewerben solle, verrät die Verwaltungsfachwirtin im Gespräch mit dem Altenaer Kreisblatt. Sie leitete seinerzeit das Ordnungsamt, nachdem sie zuvor schon im Bauverwaltungsamt, im Einwohnermeldeamt und in der Gemeindekasse tätig gewesen war. „Damals war das aber noch keine Option“, sagt sie. Das war jetzt, nach dem gesundheitlich bedingten Ausscheiden von Beatrix Naujoks, anders. Jetzt fühlte sich Tupat, die mittlerweile Leiterin des Fachbereichs Sicherheit/Ordnung und Soziales ist und hinter Jürgen Röll bereits 2. Stellvertreterin von Beatrix Naujoks war, reif für den Chefposten im Amtshaus. Und sie wusste genau, dass sie als parteilose Kandidatin antreten will. „Dann bin ich keiner Partei verpflichtet. Dadurch kann ich den Fraktionen und der Verwaltung Beständigkeit in der Zusammenarbeit bieten“, erklärt Birgit Tupat. Dass ihr dadurch parteiinterne Verbindungen nach Düsseldorf oder Berlin fehlen, betrachtet sie nicht als Manko: „Das kann man alles aufbauen. Ich wäre ja nicht die erste parteilose Bürgermeisterin.“

Die erste Hürde, die sie als unabhängige Kandidatin nehmen musste, war nicht wirklich ein Hindernis. Die knapp 70 Unterstützungsunterschriften, die sie sammeln musste, um ihre Bewerbung einreichen zu können, seien „kein Problem“ gewesen, versichert sie. Im Kollegen- und großen Bekanntenkreis habe sie viel Unterstützung für ihr Vorhaben erhalten, versichert die gebürtige Rennerderin. So konnte sie ihre Bewerbungsunterlagen am 12. März fristgerecht abgeben.

Jetzt muss Birgit Tupat ihre Positionen im Wahlkampf vertreten. Möglich, dass die Frau, die zwar seit mehr als 25 Jahren in der Verwaltung arbeitet und das Amtshaus wie die sprichwörtliche Westentasche kennt, aber noch keine parteipolitische Erfahrung gesammelt hat, da ins Hintertreffen gerät. Mit Klaus-Dieter Jacobsen (CDU) und Gerd Schröder (SPD) stehen ihr da zwei Kandidaten gegenüber, die auf diesem Gebiet einen Vorsprung haben.

Wenn Birgit Tupat über die Gemeindefinanzen, über Schulen und die demografische Entwicklung redet, hört sich das eher nach der Verwaltungsangestellten an, dann klingt sie nicht wie eine Politikerin, die eine Wahl gewinnen will. Dann spricht sie vom „Diktat der Finanzen“, das wünschenswerte kleine Schulklassen verhindere. Dann sagt sie auch schonungslos, dass die Finanzsituation der Gemeinde „schmerzhafte Einschnitte“ für die Bürger zur Folge haben werde, dass die Gemeinde „wahrscheinlich an der Steuerschraube drehen“ müsse. Wahrheiten, die die Wähler nicht gerne hören. Doch Tupat will – oder kann? – sich nicht verstellen. Ihre Arbeit solle von Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit geprägt sein, von frühzeitiger Transparenz, sagt sie.

Dabei hat Birgit Tupat durchaus ihre Meinung zu den kommunalpolitischen Vorgängen und Herausforderungen in der Gemeinde. Die interkommunale Zusammenarbeit, derzeit das beherrschende Thema, hält sie „bei vernünftigen Konzepten für sinnvoll“. Allerdings hat die Kooperation mit Altena für sie auch Grenzen. Und die liegen nach Tupats Meinung da, „wo es an die Eigenständigkeit der Gemeinde geht“. Eine Einstellung, die die meisten Bewohner der Doppelgemeinde teilen dürften. Zu einem vernünftigen Konzept gehört für die 45-Jährige auch, dass die Schritte auf dem Weg zur kommunalen Kooperation gut abgewägt werden. In einigen Bereichen gebe es später kein Zurück, gibt sie zu bedenken und nennt den Bereich „Soziales“ als Beispiel. „Wenn die Zusammenarbeit da einmal vollzogen ist, fehlt uns das Personal“, erklärt Tupat, die bereits jetzt in der Steuerungsgruppe mitarbeitet, die die Zusammenarbeit mit Altena vorbereitet. ▪ Volker Griese

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