Hydranten lebenswichtig bei Bränden

Metall-Männchen sind manchmal auch unsichtbar

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Die Wasserversorgung ist von der Einspeisung des Wasserversorgers abhängig.

Nachrodt-Wiblingwerde – Sie sehen manchmal aus wie metallene Männchen oder sie sind fast unsichtbar im Erdreich verborgen. Und sie sind unverzichtbar, wenn Gefahr in Verzug ist, weil es brennt: Hydranten.

Gemeindebrandmeister Mark Wille kennt die Situation in Nachrodt-Wiblingwerde natürlich bestens. Grundsätzlich ist die Gemeinde dafür zuständig, dass Löschwasser zur Verfügung steht. Genutzt wird das Rohrnetz der Stadtwerke Iserlohn oder in Wiblingwerde das Netz des Wasserbeschaffungsverbandes, also der Stadtwerke Lüdenscheid. 

Neben offenen Gewässern, also Teichen oder Flüssen, bezieht die Feuerwehr bei einem Löscheinsatz Wasser aus Hydranten. Ein Hydrant ist nach der Definition eine „Armatur zur Entnahme von Wasser aus einem Wasserverteilungssystem“. In Nachrodt kann die Feuerwehr in Ernstfällen auf 230 Hydranten zurückgreifen, rund um Wiblingwerde stehen 144 dieser Armaturen zur Verfügung. 

In der Doppelgemeinde gibt es in vielen Gebieten nur die auf den ersten Blick unsichtbaren sogenannten Unterflur-Hydranten, also unterirdische Anschlüsse, die erst mit einem Standrohr verbunden werden müssen. Um Hydranten schneller finden zu können, werden deren Standorte durch rot umrandete Schilder gekennzeichnet. Ein „H“ für Hydrant sollte auf dem Schild zu sehen sein – es fehlt hier allerdings. 

Die 200 gibt den Durchmesser der Wasserleitung an (die „Nennweite“ DN 200), an die der Hydrant angeschlossen ist. Diese Information ist für die Feuerwehr bei der Berechnung der Wassermenge wichtig, die aus dem Netz entnommen werden kann. Was nicht jeder weiß: Die Zahlen darunter geben die Position des Hydranten vor dem Schild an. In diesem Fall befindet sich der Hydrant 0,5 Meter links und 1,8 Meter vor dem Schild. Unterflurhydranten haben den Vorteil, dass sie nicht „im Weg“ sind, also kein Hindernis für den Verkehr darstellen. 

Dieser Hydrant ist nicht zu übersehen.

Dieser Vorteil kann im Ernstfall aber auch zum größten Nachteil werden. Unter Schnee, Eis oder Laub oder unter geparkten Fahrzeugen sind sie schlecht aufzufinden – und wenn ein Auto darauf steht, schlicht nicht zugänglich. Das aber schreckt Mark Wille nicht ab: „In so einem Fall finden wir Mittel und Wege, das Auto dort wegzubekommen.“ Die Wasserversorgung eines Hydranten ist von der Einspeisung des Wasserversorgers abhängig und wird daher als „abhängige Wasserversorgung“ bezeichnet. 

Anders ausgedrückt: Sollte der Wasserversorger mal keine Energie für seine Pumpen zur Verfügung haben, so geben die Hydranten auch kein Wasser ab. Warum sind Hydranten wichtig? Wenn zum Beispiel ein Gebäude brennt, wird in der Regel versucht, das Feuer mit Wasser zu löschen. Die Löschfahrzeuge verfügen aber nur über einen begrenzten Wasservorrat von einigen hundert Litern. Damit kann man kleine Brände meist löschen, ohne überhaupt einen Hydranten suchen zu müssen. 

Ist das Feuer aber größer, besteht die Gefahr, dass der Wasservorrat zur Neige geht, bevor eine Wasserversorgung, zum Beispiel aus einem Hydranten, aufgebaut ist. Verhängnisvoll wäre es, wenn das Wasser zur Neige ginge, während Feuerwehrleute im Gebäude sind, um zum Beispiel nach vermissten Personen zu suchen. Dieser Fall ist daher durch die Feuerwehr-Dienstvorschrift geregelt. 

Die Bekämpfung eines Brandes im Innern eines Gebäudes oder eine Rettung von Personen darf erst begonnen werden, wenn eine „ständige Wasserabgabe“ sichergestellt ist. Ist ein Hydrant nicht zu finden, weil das Schild besprüht oder entfernt wurde oder kann er erst nach längerem Suchen gefunden werden, so könnten diese ein bis zwei Minuten über Leben oder Tod einer vermissten Person entscheiden. Das Einatmen von Brandgasen kann bereits nach wenigen Minuten zum Tod führen.

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