Den Guten und Fleißigen stehen alle Türen offen

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Besprechung mit der Chefin: „Die Chemie muss stimmen“, sagt Katharina Holzrichter (r.) und meint damit das menschliche Verhältnis zu ihren Auszubildenden wie hier Nadine Taferner.

Nachrodt-Wiblinghwerde - Nadine Taferners Tag beginnt früh. Schon um kurz vor sechs steht sie gut gelaunt im Frühstückssaal des Schlosshotels Holzrichter. Die Kiersperin ist dafür verantwortlich, 24 Gäste mit einem Viereinhalb-Sterne-Frühstück zu verwöhnen. Eine echte Herausforderung, denn die junge Frau ist gerade in ihrem ersten Ausbildungsjahr zur Hotelfachfrau. Dennoch, sie ist sich schon sicher: „Das ist mein Traumberuf.“

Nachdem sie alle Frühstückswünsche erfüllt hat, geht es ans Betten beziehen und Zimmer putzen. Zeit für Pausen gibt es kaum, das Hotel ist gut besucht.

„Natürlich ist es anstrengend, aber es macht auch Spaß“, sagt Taferner während sie einen Wagen mit Wäsche in den Aufzug wuchtet. In ganz NRW habe sie sich in Hotels beworben. Dass sie ausgerechnet in einem der besten Häuser im Märkischen Kreis eine Stelle fand, macht sie stolz.

Mindestens genauso glücklich sind Katharina und Thomas Holzrichter. Denn gute Azubis zu finden, sei in der Branche alles andere als leicht. Überhaupt gebe der Arbeitsmarkt oft nicht viel her. „Die regionale Suche haben wir inzwischen eingestellt. Wir suchen unsere Mitarbeiter ausschließlich bundesweit“, erklärt Thomas Holzrichter.

Neben fehlenden schulischen Qualifikationen seien häufig falsche Vorstellungen von Beruf und Verdienst Schuld am mangelnden Nachwuchs. Bei den Fachkräften sei es die große Konkurrenz. „Wer eine gute Ausbildung hat, fleißig, freundlich und gepflegt ist, kann sich seine Stelle quasi aussuchen. Ihm stehen alle Türen offen und oft geht es auf der Karriereleiter schnell hinauf“, weiß Katharina Holzrichter.

Die Fachkräfte aus Veserde sind gefragt. Nicht selten geht es für Mitarbeiter mit guten Zeugnissen von der Doppelgemeinde nach Hamburg, Ischgl, auf ein Kreuzfahrtschiff oder ins Ausland.

Umziehen ist in der Branche offensichtlich normal. Daher ist auch das Holzrichter-Team bunt gemischt. Die 22 Mitarbeiter und einige Aushilfen haben zum Teil ihre Wohnsitze in die Gemeinde oder angrenzenden Städte verlegt, manche nehmen jedoch täglich weite Anreisen in Kauf.

Doch das ist es ihnen wert. „Wir sind ein gutes und eingespieltes Team. Noch dazu ein Familienbetrieb. Das ist etwas anderes als eine Kette“, erklärt Holzrichter. Daher gibt es einige Mitarbeiter, die schon weit mehr als zehn Jahre in Veserde arbeiten.

Für die Branche und das Niveau des Hauses ist das durchaus ungewöhnlich. Dennoch sind die Holzrichters beispielsweise immer auf der Suche nach einem Sous Chef oder Hausdamen, um die Fluktuation ausgleichen zu können.

„Bei der Bewerbung müssen in erster Linie die Chemie und die Einstellung stimmen“, sagt Katharina Holzrichter. Wer im Schlosshotel arbeiten möchte, muss ins Team passen und fleißig sein. Natürlich wird auch schulisches Wissen vorausgesetzt. „Wenn jemand den unbedingten Willen hat und den auch zeigt, gepflegt ist und gute Umgangsformen hat, dann helfen wir auch gerne mal bei schulischen Engpässen“, sagt Thomas Holzrichter. Für die Chefs sei das eine Selbstverständlichkeit.

Grundsätzlich sei es schade, dass der Fokus der jungen Menschen immer weiter von den praktischen Berufen wegführe. „Dabei ist das gerade in der Hotellerie egal. Wer eine gute Ausbildung hat, kann sich in alle Etagen hocharbeiten. Da kommt es einzig auf gute Arbeitsleistung und ein wenig Ehrgeiz an“, sagt Thomas Holzrichter.

Nadine Taferner weiß das. Doch sie will erst einmal ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau beenden. „Ich arbeite gerne hier. Was ich später einmal machen möchte, weiß ich noch nicht. Erst einmal werde ich meine Chance nutzen und alles lernen. Weg möchte ich eigentlich nicht“, sagt sie und zieht mit ihrem Wagen in das nächste Zimmer.

Von Lydia Machelett

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