Gut im Geschäft

Hofverkauf boomt: Kunden setzen auf saisonal, regional, artgerecht - Direktvermarkter bieten Ausgefallenes

Frische Landluft genießen die Hennen von  Regina Bräuer-Weustermann.
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Frische Landluft genießen die Hennen von  Regina Bräuer-Weustermann.

Saisonal, regional, artgerecht: darauf setzen Kunden. Die Direktvermarkter in Wiblingwerde profitieren - und bieten Ausgefallenes.

Nachrodt-Wiblingwerde – Das Wissen, woher die Lebensmittel kommen, ist für immer mehr Menschen wichtig. „Regional und saisonal“ lautet die Devise. Entsprechend wächst die Nachfrage bei den Direktvermarktern im Höhengebiet. Auf immer mehr Höfen können Kunden frische Produkte kaufen. Eine Stichprobe.

Freilaufende Fleischlieferanten

„Gerade die kleineren Betriebe müssen sich neu aufstellen. Mit den großen sind wir auf dem konventionellen Weg irgendwann nicht mehr konkurrenzfähig“, sagt Landwirtin Regina Bräuer-Weustermann. Auf ihrem Bauernhof in Brenscheid bekommen Kunden immer mehr Ware, die direkt vor Ort produziert wird. Fleisch und Wurst von Schwein und Rind, Eier, selbst gemachte Eiernudeln und einiges mehr stehen zum Verkauf.

Landwirtin Regina Weustermann.

„Immer mehr Menschen ist es wichtig, dass die Tiere gut gehalten werden“, erklärt die Landwirtin. In Brenscheid laufen die Schweine beispielsweise in großen Laufboxen und können nach draußen; die Rinder toben auf riesigen Weiden und auch die Hühner genießen ihr Leben draußen. Wer einkauft, kann sich selbst davon überzeugen.

Verkauf auf Vertrauensbasis

„Menschen, die das Direktvermarkter-Angebot nutzen, sind vor allem Kunden, die eine ganz bewusste Kaufentscheidung treffen“, erklärt Annette Jundt. Gemeinsam mit ihrem Mann Stephan verkauft sie in Rennerde Honig und Eier. Dafür haben die Beiden an der Straße einen kleine Schaukasten samt Kasse aufgestellt.

Bezahlung auf Vertrauensbasis. „Das klappt super. Wir haben wirklich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht“, erzählt Annette Jundt. Einmal habe ein Kunde 20 Cent zu wenig gehabt und dafür einen langen Brief geschrieben, dass er diese beim nächsten Mal nachreichen will. „Das war schon sehr nett – und natürlich auch gar kein Problem“, erzählt Jundt.

Wildblumen für Artenvielfalt

Etwa 25 Bienenvölker pflegt ihr Mann Stephan. Produziert wird Blütenhonig. „Blütenhonig ist ein Mischhonig, da die Bienen von hier aus ja alle Blüten anfliegen – und nicht nur Rapsfelder oder Ähnliches“, erklärt der Imker. Das Problem seien die großen Flächen, die immer homogener würden und somit wenig Raum für Artenvielfalt bieten.

Dort, wo beispielsweise im Frühjahr alles gelb voll Löwenzahn blühte, gibt es heute nur noch grünes Gras. „Wir haben auf unserem Grundstück schon überall Wildblumen gepflanzt und Bäume, die richtig blühen“, erzählt Stephan Jundt.

Hühner legen grüne Eier

Reich wird man mit der Direktvermarktung aber nicht. „Wer davon leben möchte, braucht schon rund 150 Völker. Aber es macht uns Freude. Der Honig ist einfach lecker und man weiß, was drin ist“, erklärt Stephan Jundt. Denn im Supermarkt fände man viel Honig aus Nicht-EU-Ländern. „Zum Teil fliegen die Bienen dort ins Zuckerrohr. Man bekommt also eigentlich Zuckerwasser anstatt Honig. Hinzu kommt, dass diese Honigsorten auch medikamentenverseucht sein können. Das ist hier natürlich nicht der Fall“, erklärt der Imker den Unterschied.

Hühner von Familie Jundt aus Rennerde legen auch grüne Eier.

Neben Honig verkauft Familie Jundt auch Eier. „Aber nicht so viele. Wir haben rund 25 Hühner – und die sind auch alle etwas eigen. Bei schlechtem Wetter legen sie zum Beispiel nicht“, erzählt Annette Jundt lachend. Wer die Eier sieht, staunt nicht schlecht. Denn zwischen den weißen und braunen Eiern finden sich auch grüne.

Alpaka-Trend in allen Formen

„Die grünlegenden Hühner sind in der konventionellen Haltung nicht so beliebt, da sie erst rund zwei Monate später anfangen zu legen. Aber die Eier sollen dafür etwas gesünder sein und beispielsweise weniger Cholesterin haben“, erklärt Annette Jundt.

Eier und Geflügelprodukte bekommen Interessierte auch bei Familie Knipps am Kreinberg. In Zusammenarbeit mit dem Geflügelhof „zur Nieden“, den Tochter Sandra zur Nieden mit ihrem Mann Dirk in Frönderberg-Ardey bewirtschaftet, bieten sie den Kunden frisches Geflügel an: Gänse, Enten, Puten, Hähnchen und Suppenhühner. Allerdings ist eine Bestellung erforderlich.

Geraldine Hegemann-Malkus mit ihren Alpakas

Auf dem Hof Grennigloh am Eickhof gibt es neben Eiern auch saisonales Gemüse und Kartoffeln. Exotischer wird’s auf dem Hof Hegemann. Dort erhalten Interessierte Alpaka-Produkte. „Wir verarbeiten natürlich die Wolle unserer Tiere. Zum Beispiel in Bettwaren wie Decken, Kopfkissen und Unterbetten“, erklärt Geraldine Hegemann-Malkus. Sehr beliebt ist auch die Socken-Wolle.

Dünger aus Alpaka-Kot

Aber auch Naturkosmetik gehört zum Angebot. „Das Keratin aus der Wolle wird ausgekocht und beispielsweise zu Seife verarbeitet. Diese ist besonders allergikerfreundlich, rückfettend und pflegend“, erzählt die Hofbetreiberin. Neu im Sortiment ist Alpaka-Dünger. „Der ist super vom Nährstoffgehalt. Insbesondere die Phosphor-, Kalium- und Stickstoff-Inhalte.

Er ist ohne chemische Zusätze und geruchsarm – also auch für Zimmer- und Balkonpflanzen geeignet“, erklärt Michael Hegemann. Für den Dünger wird der Alpaka-Kot aufgearbeitet. Er wird gemahlen und später auf 70 Grad erhitzt, um mögliche Keime zu töten. Neben Dünger, Kosmetik und Wollprodukten wird auch Holzspielzeug verkauft sowie andere Fanartikel. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es inzwischen einen Online-Shop.

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