Hof Hegemann in Wiblingwerde

Zeit für die Sommerfrisur - Alpaka-Wolle landet im Bett

Alpaka Casper vom Hof Hegemann in Wiblingwerde nach der Schur
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Alpaka Casper vom Hof Hegemann in Wiblingwerde nach der Schur

Weg mit dem Wintermantel, her mit der Sommerfrisur: Den 13 Alpakas auf dem Hof Hegemann in Wiblingwerde geht‘s an die Wolle. Die landet hinterher in so manchem Bett.

Nachrodt-Wiblingwerde – Sokrates und Casper sind echte Plüschmonster – noch zumindest. Denn jetzt steht ihnen das jährliche Scheren bevor. Die beiden Alpakas werden von ihrer dicken Wolle befreit.

„Wir sind ganz schön spät dran dieses Jahr“, sagt Geraldine Hegemann-Malkus. Auf ihrem Hof an der Lüdenscheider Straße in Wiblingwerde leben derzeit 13 Alpakas. Normalerweise werden diese ab den Eisheiligen im Mai geschoren. „Dieses Jahr war es nachts noch so kalt, dass wir erst deutlich später beginnen konnten. Wir können den Tieren bei niedrigen Temperaturen und Regen ja schlecht ihre natürlichen Mäntel klauen“, erzählt die Hofchefin.

Kompressor pustet Dreck aus der Wolle

Bevor es für Sokrates und Casper auf den Schertisch geht, steht allerdings eine Reinigung auf dem Programm. Die Wolle muss vom groben Schmutz befreit werden. „Es klingt vielleicht komisch, aber wir nehmen dafür einen Kompressor. Mit dem Luftdruck blasen wir beispielsweise Heu- und Grasreste aus dem Fell und vor allem den Sand“, erzählt die Alpaka-Expertin.

Alpaka Casper vom Hof Hegemann in Wiblingwerde vor der Schur...

Der Sand würde die Scherblätter der Maschine im Nu stumpf machen. Und die Heureste müssten sonst später mit der Hand mühsam aus den Wollhaufen gefischt werden. Nach der Luftdusche, die die Tiere mit einer stoischen Gelassenheit über sich ergehen lassen, geht es zum Scheren. „Die Alpakas werden dafür auf diesen Tisch gebunden. Das sieht für einen Laien gefährlich und unschön aus. Ist aber für die Tiere viel weniger Stress“, erklärt Hegemann-Malkus.

Scharfe Scherblätter: Rumzappeln verboten

Zum einen kennen die Tiere die Prozedur und wurden mit viel Ruhe daran gewöhnt, zum anderen dient sie ihrem eigenen Schutz. „Die Scherblätter sind extrem scharf, da sie sonst ja gar nicht durch die Wolle kämen. Wenn jetzt ein Tier plötzlich zappelt, kann es zu schwereren Verletzungen kommen.“ Derweil liegt Sokrates ganz ruhig auf dem Tisch. In aller Ruhe kann Geraldine Hegemann-Malkus mit der Schur beginnen. Das Alpaka scheint die Behandlung – und die damit verbundene Massage – sogar zu genießen.

Alpaka Casper vom Hof Hegemann in Wiblingwerde nach der Schur

„Die große Schwierigkeit für mich besteht darin, dass ich quasi blind die Schermaschine führe. Die Wolle ist so dick und dicht, dass man nicht sehen kann, ob man ganz unten angekommen ist“, erzählt die Hofbesitzerin. Die Wolle wird im Anschluss direkt sortiert. Es gibt A- und B-Qualität. Die Wolle von Bauch, Hals und Beinen eignet sich beispielsweise nicht für Bettwaren. Sie kommt daher in einen extra Sack.

Alpaka-Wolle perfekt für Allergiker

Wenn alle 13 Alpakas geschoren sind, wird die Wolle nach Brandenburg gebracht und dort in einer kleinen Manufaktur von Hand bearbeitet. „Aus unserer Wolle entstehen zum Beispiel Bettdecken, Yogarollen, Kissen und Kinderoberbetten“, berichtet Geraldine Hegemann-Malkus. Das Besondere sei die Qualität der Wolle. Sie wirke besonders klimaneutralisierend.

„Sie ist ganz leicht, hält im Winter schön warm und ist im Sommer nicht zu warm. Die Wolle ist ja auf die Verhältnisse in den Anden abgestimmt. Dort ist es nachts oft bitter kalt und am Tag richtig warm. So sind die Tiere perfekt geschützt. Und genau diesen Effekt lieben auch viele Alpaka-Wolle-Fans an ihren Bettwaren“, erzählt die Produzentin. Außerdem enthalte Alpakawolle kein Wollfett und sei dadurch besonders für Allergiker geeignet.

Sechs Monate von der Schur bis zum Produkt

Doch der Prozess von der Schur bis zum fertigen Produkt ist lang. Etwa sechs Monate dauert es, bis die Bettwaren in Wiblingwerde eintreffen. „Wir haben uns bewusst für diese kleine Manufaktur entschieden. Dort wird nachhaltig und per Hand gearbeitet. Das war uns wichtig“, betont Geraldine Hegemann-Malkus.

Für ein gutes Ganzjahresoberbett bedarf es mindestens 1200 Gramm Füllung – also der Wolle von einem ganzen Alpaka. Die Wiblingwerder Wolle in B-Qualität von Bauch, Beinen und Hals wird auch verarbeitet. Daraus entsteht unter anderem Seife, Füllung für Kuscheltiere oder Düngepellets. Alle Produkte sind im Hofladen oder im Onlineshop des Hofs erhältlich.

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