„Am liebsten sofort losfahren“

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Michael Kling vor einem Einsatzfahrzeug. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ So genau wie in diesen Tagen hat sich Gemeindebrandinspektor Michael Kling die Landkarte Sachsen-Anhalts wohl noch nie angesehen. Jetzt kann er sie schon fast aus dem Gedächtnis zeichnen. Insbesondere die Katastrophengebiete entlang der Elbe, der Weißen und der Schwarzen Elster.

Die Karte ist übersät mit violetten Punkten. Diese Punkte bezeichnen die Stellen, an denen der Hochwasserstand den Normalpegel um ein Vielfaches überschritten hat und bereits verheerende Überschwemmungen eingetreten sind. Die Katastrophengebieten mussten evakuiert werden. Schon jetzt haben viele Menschen ihr Hab und Gut verloren.

Um noch größeren Schaden zu verhindern, hat das Land Sachsen-Anhalt um überörtliche Hilfe gebeten. Daher befindet sich die Bereitschaft vier im Regierungsbezirk Arnsberg in Alarmbereitschaft. Ihr gehören Feuerwehren aus dem Märkischen Kreis und der Stadt Hagen an. Unter anderem ist auch die Freiwillige Feuerwehr in Nachrodt-Wiblingwerde betroffen. Der Bereitschaft vier gehören insgesamt 190 Wehrleute an; die Einheiten stellen insgesamt 30 Fahrzeuge.

Dazu zählen neben Kranwagen auch Lkw, Löschfahrzeuge, Containerfahrzeuge und Einsatzleitfahrzeuge.

Darüber hinaus werden auch Fahrzeuge mit Pumpvorrichtung eingesetzt. „Die werden allerdings punktuell eingesetzt“, erklärt der

Vier Maschinisten

stehen parat

Gemeindebrandinspektor. „Wir setzen mehrere Fahrzeuge ein, die jeweils über eine Pumpleistung von 2000 Litern pro Minute verfügen“. Die angeforderten Einheiten stellen das Material selbst. Dazu gehören auch Boote, um sich an möglichen Evakuierungsmaßnahmen beteiligen zu können.

Aus der Doppelgemeinde würden sechs Blauröcke an dem möglichen Einsatz teilnehmen. Dazu zählen zwei Führungskräfte, neben Kling selbst auch Jens Klatt. Hinzu kommen noch vier voll ausgebildete Maschinisten. Die wiederum sind in der Lage, jedes der 30 zur Verfügung stehenden Fahrzeuge technisch zu betreuen.

Die sechs Einsatzkräfte aus der Doppelgemeinde haben ihren Koffer schon gepackt. „Jeder von ihnen verfügt über eine Checkliste“, erklärt Kling. Und aus der ergebe sich zwingend das Mitführen einer Mütze und einer starken Sonnenschutzcreme. „Hört sich banal an“, sagt Kling. „Ist aber unter Umständen lebenswichtig“.

Denn zwei Feuerwehrleute, davon einer in Bayern und ein zweiter in Sachsen-Anhalt, verloren aufgrund der starken Sonneneinstrahlung bereits ihr Leben. „Es ist ja nicht nur die Sonne von oben“, so Kling.

Sonne bedeutet

konkrete Gefahr

Denn das Wasser würde die Sonnenstrahlen auch reflektieren und so zu einer Doppelbelastung führen.

Bei einer möglichen Alarmierung müssen sich die beteiligten Wehrleute aus dem Märkischen Kreis und der Stadt Hagen mit ihren Fahrzeugen an der neuen Wache in Hohenlimburg einfinden und innerhalb von sechs Stunden abrücken. Ein Plan, wie die Fahrzeuge anzuordnen sind, existiert bereits.

Die Einteilung der Einsatzkräfte erfolgt vor Ort. Kling weiß daher nicht, wo seine Einheit eingesetzt werden könnte. Die Unterbringung der Rettungskräfte erfolgt in Schulen, Stadthallen oder auch Turnhallen. Die Nachrodt-Wiblingwerder Blauröcke jedenfalls sind bereit. Selbst Proviant haben sie schon auf das Containerfahrzeug geladen.

„Wenn wir uns die Bilder im Fernsehen anschauen“ sagt Kling – und er wirkt sehr betreten dabei –, „würden wir am liebsten sofort losfahren, um den Menschen dort zu helfen“. Die Alarmierung kann stündlich erfolgen. Die Möglichkeit dazu liege, so der Gemeindebrandinspektor, bei weit über 80 Prozent.

Aber Michael Kling meint auch: „Ich hoffe, dass die Pegel sinken. Weniger für uns, als für alle Menschen, die von dieser Katastrophe betroffen sind.“ ▪ hb

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