Weiteres Opfer des falschen Earl of Gloucestershire

Nachrodt-Wiblingwerde - Während der falsche Gregory Earl of Gloucestershire Ende 2012 in Nachrodt-Wiblingwerde nur noch sporadisch sein Unwesen bei seiner dortigen Freundin trieb, hatte seine Wuppertaler Freundin offenbar viel Zeit, über das berühmte Sprichwort „Rache ist süß“ nachzudenken. Dies wurde bei der Vernehmung der jungen Frau im Amtsgericht Altena deutlich, wo sich der falsche „Graf“, als Hochstapler und Heiratsschwindler derzeit wegen vielfachen Betruges verantworten muss.

Am 28. Oktober 2012 habe sie den Angeklagten kennengelernt, erzählte die 28-jährige Erzieherin und Studentin. Eine schriftliche Bestätigung der Barclays Bank habe den 28-Jährigen als Milliardär ausgewiesen: „Er trat als gutgekleideter Herr mit Hugo-Boss-Mantel und viel Geld im Portemonnaie auf. Er erzählte unter Tränen, dass sich seine Schwester nach einer Vergewaltigung mit einer Schrotflinte das Leben genommen habe und seine Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen seien.“ Er habe sich immer wieder Autos geliehen, einen Fernseher und anderes auf ihren Namen gekauft. Schließlich verlobte er sich mit der Wuppertalerin unter Zuhilfenahme eines Rings, den er bei seiner Nachrodter Freundin wieder mitgenommen hatte. Die Hochzeit sollte standesgemäß in Westminster Abbey in London stattfinden.

Auch der Wuppertalerin präsentierte der Angeklagte angebliche Kaufverträge über Fahrzeuge, die er ihr und ihrer Familie schenken wolle. Als die beiden Frauen sich schließlich telefonisch kennen lernten, verständigten sie sich statt über Geschenke über die Dimensionen, die ihre jeweiligen finanziellen Verluste angenommen hatten. Die Wuppertalerin hatte sich widerständiger gezeigt: Als er von ihr 10 000 Euro für die Bezahlung von Arztrechnungen haben wollte, zeigte sie ihm den Vogel. Die Frauen blieben in Kontakt „Ich hatte regelmäßigen Kontakt zu der Nachrodterin“, sagte die Zeugin. Von deren Existenz hatte die Wuppertalerin durch E-Mails des Angeklagten erfahren, die sie gelesen hatte. In der folgenden Zeit stellte sie Nachforschungen an, die Erfolg hatten, „weil der Angeklagte bei mir zu viele Fehler gemacht hat“. Eine Frau winkte an einem Fenster in Oberhausen, das der Angeklagte gemeinsam mit der Wuppertalerin besuchte. „Wundere dich nicht – die Leute sind hier ein bisschen ärmlicher“, erklärte er den Anblick, der eigentlich nicht seiner Klasse entsprach. Später erzählte die Frau am Fenster der Zeugin, dass sie die – angeblich tote – Schwester des Angeklagten sei. „Sie hat mir erzählt, dass er ein Krimineller und auf der Flucht ist“, sagte die Wuppertalerin im Amtsgericht. Ein guter alter Freund des Angeklagten in Oberhausen steckte ihr den wirklichen Namen ihres Begleiters. Auf dieser Grundlage begann die Wuppertalerin mit intensiven weiteren Recherchen im Netz. - Thomas Krumm

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