Industrie 4.0  praedata in Nachrodt ist inzwischen mehr als „scannen, drucken, faxen“

Hilfe bei der Digitalisierung

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Die Firma praedata ist auf Expansionskurs. Sie hatte gerade erst eine Halle in der Nachbarschaft gekauft.

Nachrodt-Wiblingwerde  - Industrie 4.0: Dieser Begriff ist in aller Munde. Aber was ist das überhaupt? Und was hat das mit uns und mit den Firmen in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde zu tun? Eine Spurensuche.

Ihr IT-Partner für drucken, kopieren, faxen und scannen“ - so steht es noch auf der Homepage von praedata in Nachrodt. Um 10000 Systeme (also beispielsweise Drucker und Faxgeräte) kümmern sich die 40 Mitarbeiter, die dazu in mittelständischen Unternehmen in ganz Südwestfalen unterwegs sind. Die Tendenz ist nach wie vor steigend. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass mit den von praedata betreuten Geräten Tag für Tag tausende Seiten von Papier bedruckt werden, Dutzende von Aktenordnern gefüllt werden.

400 Millionen Druckvorgänge pro Jahr

Praedata wirbt mit 400 Millionen vom Unternehmen betreuten Druckvorgängen pro Jahr. Und das passt eigentlich so gar nicht mehr zu Digitalisierung, papierlosem Büro und Industrie 4.0 ... Das weiß man auch in Nachrodt und sucht nach Antworten für sich selbst, aber auch für die Kunden. 2017 ist Maximilian Hell, Sohn des Firmengründers Uwe Hell, bei praedata eingestiegen. Nach seinem Studium in Köln hat er bei einem DMS-Hersteller gearbeitet.

Maximilian Hell ist Geschäftsführer von praedata.

DMS steht für Dokumentenmanagement-System. Darunter versteht man die Verwaltung digitaler Dokumente. Da wird nichts mehr abgeheftet, sondern in irgendwelchen Datenbanken abgelegt. Wer dabei schlampt, in dessen Computersystem herrscht schnell ein ebensolches Chaos wie in einer schlecht geführten Aktenablage. Das weiß jeder, der nach einem Absturz seines privaten Computers schon mal verzweifelt nach den (natürlich digitalen) Urlaubsbildern von 2012 gesucht hat. „In den Hallen stehen CNC-gesteuerte Maschinen, in den Verwaltungen wird manchmal noch im 70er-Jahre Style gearbeitet“ wundert sich Hell, der das ändern möchte.

Digitalisieren

Sein Ansatz: Informationen digitalisieren und so ablegen, dass sie jederzeit wieder gefunden werden können - und zwar nur von denen, die dazu berechtigt sind. „Dabei geht es zum Beispiel darum, für den Umgang mit Personalakten ein Rechtemanagement einzuführen“, erklärt der praedata-Juniorchef. Wo die Ordner früher weggesperrt wurden, müssen Daten heute mit anderen Mitteln gesichert werden, das verlangt nicht zuletzt die Datenschutzgrundverordnung, über die (auch) viele Unternehmen stöhnen. Sie verlangt eine Nachvollziehbarkeit von Datenwegen in Unternehmen. Darüber hinaus müssen alle personenbezogenen Daten jederzeit gelöscht werden können, was auch nachzuweisen ist - aber wie soll das gehen, wenn der langjährige Mitarbeiter Meier über Jahre hinweg -zig Spuren in den Firmenakten hinterlassen hat. Hell weiß es und bietet Hilfe an. „Ich möchte, dass von uns betreute Unternehmen wieder mehr Zeit für ihr Kerngeschäft haben“ sagte er. Digitales Chaos ist nicht nur in seinen Augen ein Zeiträuber.

Kontra Zeiträuber

Eine Umfrage unter über 1000 Angestellten führte zu dem Ergebnis, dass Software mit wenig Nutzerfreundlichkeit, die Notwendigkeit manueller Dateneingabe oder -übertragung wegen nicht kompatibler Systeme und derlei mehr nicht nur Zeit (und damit Geld) kosten, sondern auch demotivieren. Nicht zu unterschätzen sind nach Hells Ansicht auch die immer weiter steigenden Anforderungen, mit denen sich die mittelständische Wirtschaft in Südwestfalen von Seiten der Kunden konfrontiert sieht. Die meisten sind Zulieferer, ohne einen nnDatentransfer nach dem EDI-Verfahren geht da meist gar nichts mehr. „Wenn es da hakt, helfen wir gerne bei der Umsetzung“, sagt Hell. Das gilt auch für den Umgang mit sogenannten RFID-Etiketten, die inzwischen immer öfter verlangt werden. Auf ihnen lassen sich deutlich mehr Informationen speichern als auf einem QR-Code. Auch hier zeigt praedata, wie es geht und liefert (immerhin das ursprüngliche Kerngeschäft) die passenden Drucker und Etiketten gleich mit. Wenn es gewünscht wird, auch mit Fernüberwachung. Dann bestellt das Gerät selbst neue Etiketten, wenn der Vorrat zur Neige geht oder ruft den Kundendienst an, wenn es kaputt ist. Auch das ist schließlich Industrie 4.0 „Wir sind Mittelstandsbetreuer“.

Mittelstandsbetreuer

Auf diesen Satz legt Hell Wert. Und er weiß, dass er und seine Mitarbeiter bei der Installation eines Dokumentenmanagement-Systems in einem 50 Mann-Unternehmen ganz anders vorgehen müssen als Kollegen, die in Großbetrieben tätig sind – wobei es auch für de Mittelstand nichts von der Stange gibt. Wichtig sei, von A bis Z dabei zu sein, sagt er. Die Arbeit beginnt deshalb mit einem Beratungsgespräch, bei dem die Wünsche des Kunden abgefragt und erste Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Dann wird ein Lastenheft erarbeitet, nach einer Ablaufplanung erfolgt die Installation.

Qualitätsmanagement

Zum Qualitätsmanagement gehören dann die Kontrolle nach sechs Monaten und (so gewünscht) die dauerhafte weitere Unterstützung. Und weil das Ganze nur mit den Mitarbeitern funktioniert, übernimmt praedata auch deren Schulung - entweder vor Ort beim Kunden oder auch in Nachrodt. Anzunehmen ist, dass das etwas länger dauert als früher. Anfangs ist der Umgang mit digitalen Daten sicher komplexer als drucken, faxen, abheften ...

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