In Nachrodt

Heiße Debatte um freies Wlan für alle 

WLAN-Hotspot (Symbolbild)
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Freies Wlan für alle: das hatten sich die UWG Fraktion und

Hitzige Debatten, eine Sitzungspause und eine Abstimmung, deren Ergebnis schon vorab klar war: Bei der Ratssitzung in Nachrodt war viel geboten. Im Fokus: Die Frage, ob es freies Wlan für alle in der Doppelgemeinde braucht.

Nachrodt-Wiblingwerde – Ein Wolkenbruch am Himmel. Der Regen hämmert auf das Dach der Lennehalle – geradezu passend zur Stimmung im Rat. Dort prallen die Ansichten aufeinander. Dort lässt die UWG über einen Antrag abstimmen, von dem sie genau weiß, dass er abgeschmettert wird.

Der Antrag von UWG und dem fraktionslosen Ratsherren Aykut Aggül: „Die Verwaltung wird beauftragt, die Möglichkeiten für ein Konzept zur schrittweisen Einrichtung einer kostenfreien Wlan-Versorgung des öffentlichen Raums durch öffentlichen Knotenpunkte auszuarbeiten.“ Was sich zunächst sehr fortschrittlich anhört, „braucht kein Mensch mehr“, so argumentierte Christian Pohlmann (SPD).

Thema überhaupt noch zeitgemäß?

Die Diskussion war kaum einzufangen. Die Sitzung wurde sogar deshalb unterbrochen. „Es würde ein nicht unerheblicher Aufwand auf die Verwaltung zukommen. Welche Ortsteile, welche Flächen, welche Gebäude? Gastronomie und Einzelhandel sollen angeschrieben werden. Wir fragen uns, ob das Thema überhaupt zeitgemäß ist oder ob wir nicht längst darüber hinaus sind“, meinte Ronny Sachse für die SPD-Fraktion.

Man sei nicht in Köln oder Dortmund, wo es belebte Innenstädte und Parks gebe. Vor fünf Jahren habe es noch teure Handytarife mit geringem Datenvolumen gegeben. Heute sei das ganz anders. „Uns fehlt eine Bedarfsanalyse“, so Ronny Sachse. Und eben besagte Bedarfsanalyse war das Wort des Abends. Eines, auf das alle „aufsprangen“. Auch die CDU-Fraktion: „Eine Anfrage bei anderen Kommunen wäre sinnvoll. Für uns ist wichtig, den Bedarf zu ermitteln und zu wissen, welche Kosten auf uns zukommen“, meinte Jens-Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU.

Vorstoß vor Jahren scheiterte

Sein Fraktionskollege Michael Schlieck erinnerte daran, dass es bereits vor einigen Jahren den Wunsch gab, alle Sportplätze und alle öffentlichen Gebäude mit freiem Wlan auszustatten. „Damals hat das aus rechtlichen Gründen nicht geklappt, weil der Betreiber für alle möglichen Schindluder hätte haften müssen“, so Michael Schlieck.

Und: Vor vier Jahren hatte Bürgermeisterin Birgit Tupat sämtliche Gewerbetreibende an der B 236 angeschrieben, um in Zusammenarbeit mit dem Verein Freifunk ein flächendeckendes Wlan-Angebot auf die Beine zu stellen. Die Schulen lehnten die Idee ab. „Nur Edeka hat sich zurückgemeldet und dies eingerichtet. Wir haben uns um den Bereich Rastatt und Jugendzentrum gekümmert“, so Birgit Tupat, die eine aktuelle Bedarfsanalyse befürwortet. Allerdings sagt sie auch: „Wir brauchen dafür aber externe Unterstützung.“

Pohlmann: „Keinen Anlass, freies Wlan zu suchen“

Es war Christian Pohlmann, der schließlich mit seinem Statement viele überzeugte. „Es geht darum, dass jemand mit seinem Handy oder Tablet an irgendeinem Ort ins Internet kann. Vor Jahren hat man das genutzt, um Daten zu sparen. Ich habe einen Handyvertrag mit 15 Gigabyte Datenvolumen für 19 Euro im Monat. Es gibt überhaupt keinen Anlass für mich, mir irgendwo in der Gemeinde freies Wlan zu suchen. Ich behaupte, dass der Bedarf nicht da ist.“

Die UWG fühlte sich missverstanden. „Im Antrag steht nicht, dass wir das umgesetzt haben möchten, sondern dass die Gemeinde gebeten wird, die Möglichkeiten auszuloten“, erklärte Sonja Hammerschmidt und ergänzte: „Natürlich gibt es viele kostengünstige Datenvolumen. Es gibt aber auch Leute, für die 20 Euro im Monat viel Geld ist. Und auch, weil wir den Tourismus fördern wollen und Wohnmobil-Standplätze anbieten, ist freies Wlan sicher attraktiv.“

Bedarfsanalyse teurer als Wlan?

Fast wäre die Verwaltung beauftragt worden, eine Bedarfsanalyse vorzunehmen. Bis Michael Schlieck darauf aufmerksam machte, dass diese wahrscheinlich mehrere tausend Euro kosten würde. „Die Einrichtung von freiem Wlan wäre wahrscheinlich günstiger als eine Bedarfsanalyse“, so Schlieck. Und so war das Kind in den Brunnen gefallen.

Christian Pohlmann schlug die kleine Variante vor – nämlich bei den Vereinen anzufragen, ob ein Bedarf gesehen wird. Aufgrund der Dynamik in der Diskussion beantragte Jens-Philipp Olschewski eine Pause zur Beratung. Danach ließ die UWG spontan über ihren Ursprungs-Antrag abstimmen, der von CDU und SPD abgelehnt wurde.

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