Klaras Höhe - das Tafelsilberstück

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Eine herrliche Aussicht gibt es von Klaras Höhe.

Nachrodt-Wiblingwerde  Die Pechnelke bringt eigentlich kein Unglück. Nur den Ameisen und Blattläusen, die an ihr kleben bleiben. Noch viele andere Pflanzen gibt es am Wegesrand zu Klaras Höhe. Der Heimatverein hat sich mit einem Experten auf den Weg gemacht.

Die Aussicht von Klaras Höhe war fantastisch. Das Wetter herrlich. Doch das I-Tüpfelchen waren die vielen Pflanzen am Wegesrand, die – sonst meist nicht beachtet – bei einem ökologisch-biologischen Spaziergang dank Friedrich Petrasch besondere Beachtung fanden. Und so wurde die erste Outdoor-Veranstaltung des Heimat- und Verkehrsvereins nach dem Lockdown ein echtes Erlebnis. 

Als eine im besten Sinne erschöpfende Darstellung eines Tafelsilberstücks von Nachrodt bezeichnete Dr. Christian Schulze, Vorsitzender des Heimatvereins, die Exkursion, an der 19 Interessierte teilnahmen. 

Bei jeder Gelegenheit blieb die Gruppe stehen, während Friedrich Petrasch sein umfassendes Wissen an das sehr interessierte Publikum weitergab. So wurde beispielsweise gleich an der Rastatt die Robinie bewundert. Der Baum des Jahres 2020 ist sehr robust. „Trockenheit macht ihm nichts aus“, sagt Friedrich Petrasch. Ob der Baum die Hoffnung im klimabedingten Waldumbau sein kann? 

Bevor die Wanderer zur Klaras Höhe aufbrachen, wurden auch die Lenne und die besondere Vegetation betrachtet. Und so erfuhren die Teilnehmer viele Details über die außergewöhnliche Topografie des Flusslaufs und über das Ufer – beides liegt dem Naturkenner Friedrich Petrasch besonders am Herzen. In Altena habe man schwer gesündigt, als man die natürlich Ufergestalt radikal abgeholzt und Friedhofsgehölze gepflanzt habe. Auf Klaras Höhe sind alle Pflanzen geschützt.

 Die Spaziergänger konnten noch die Pechnelke entdecken, die bereits verblüht ist. Ab Mitte Mai beginnt die Pechnelke zu blühen. Ihren Namen hat sie von einem unter dem Blattansatz zwei Zentimenter langen, klebrigen Streifen, an dem kleine Insekten wie Ameisen und Blattläuse, die hinauf klettern wollen, kleben bleiben. Bundesländer, wie NRW, Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt, stufen sie als gefährdet ein. 

Auch entdeckt: der Eingriffelige Weißdorn. „Er ist selten, wächst auf Kalk“, erzählt Friedrich Petrasch. Der Kalkmangel der Felsen wird ausgeglichen durch die besondere klimabegünstigte Südlage in Nachrodt. Er hat dunkelrote Früchte, „die wir als Kinder Mehlsäcke genannt haben“, erinnert sich Naturfreund Petrasch. Übrigens: Blätter und Blüten zu Tee verarbeitet, sorgen für eine bessere Durchblutung von Herzgefäßen.

 „Das waren detaillierte Runduminformationen von einem Kenner“, freut sich Dr. Christian Schulze über die Begleitung von Heimatkundler und Naturschutz-Vorstreiter Friedrich Petrasch. 

Geklettert sind die Wanderer übrigens nicht. Dann hätten sie aber den Wacholder gesehen oder auch den seltensten Baum Westfalens, die Elsbeere. „Sie wächst im obersten Teil der Felsen“, so Petrasch. Die Elsbeere war Baum des Jahres 2011. Ihr Holz ist besonders edel und ihre Früchte haben heilende Wirkung. Rar geworden, weil abgeholzt, ist die Wildbirne. Sie wuchs im unteren Bereich der Felsen „und wird höchstens zwei Meter groß. Davon kann also keine Gefahr von ausgegangen sein“, versteht Friedrich Petrasch nicht, dass sie bei Felssicherungsarbeiten das Zeitliche segnen musste.

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