Andenkensfest für den Poeten, Musiker und Volksliedersammler 

Heimat- und Verkehrsverein empfängt 40 Zuccalmaglio-Fans aus Waldbröl

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Dr. Christian Schulze, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, freut sich auf das Zuccalmaglio-Fest am kommenden Samstag, 23. März

Nachrodt-Wiblingwerde - Er ist vor 150 Jahren gestorben und doch kennen ihn in Nachrodt noch viele. Zumindest ein bisschen. Denn der Poet, Musiker und Volksliedersammler Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio hat Spuren hinterlassen. Am kommenden Samstag, 23. März, gibt es ein doch sehr besonderes Fest für ihn in Wiblingwerde.

Zu den bekanntesten Liedern Zuccalmaglios zählt „Kein schöner Land in dieser Zeit.“ Das Lied wird noch heute sehr gern von Chören gesungen. Und: Zuccalmaglio ist in Nachrodt verstorben. „Unerwartet schied er am 23. März 1869, von einem Herzschlag getroffen, in Nachrodt aus dem Leben“, heißt es im Lieder-Archiv.

Ein Denkmal und eine Straße

An seinem Todestag gibt es in der Gemeinde eine ganz besondere Veranstaltung: Der Heimat- und Verkehrsverein empfängt nämlich am kommenden Samstag eine Delegation aus Waldbröl, der Geburtsstadt von Zuccalmaglio. 

Während es in Nachrodt einen eher kleinen Gedenkstein gibt – und zwar seit 1994 auf dem Wiesengelände am Nachrodter Feld – , hat Zuccalmaglio in Waldbröl gar ein eigenes Denkmal. Auch eine Straße wurde nach ihm bekannt.

Zuccalmaglio-Fans reisen Samstag an

Und: Gleich drei Vereine - der Waldbröler-Kulturtreff, der Verkehrs- und Verschönerungsverein und der MGV Waldbröl, organisieren den Ausflug in die Doppelgemeinde, die für die Zuccalmaglio-Fans 86,3 Kilometer entfernt liegt. Geplant ist ein kleines Zuccalmaglio-Andenkenfest. 

Mittendrin: die Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins, die die 40-köpfige Gruppe nicht nur in der Heimatstube empfangen werden, sondern auch mit einem eigenen Zuccalmaglio-Vortrag zu einem gelungenen Besuch beitragen wollen. 

Dr. Christian Schulze, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, stöbert dafür auch in alten Zeitungsarchiven. Wie wurde einst über Zuccalmaglio berichtet? Das gilt es herauszufinden. Fakt ist: Seine letzte Ruhestätte mit einem großen Grabstein befand sich in Altena im Garten des alten Vinzenz-Hospitals. Als das Krankenhaus neu gebaut wurde, fand der Grabstein seinen Platz im oberen Hof der Burg Altena. Dort wird nun auch von den Waldbröler Besuchern am Samstag ein Kranz niedergelegt. Anschließend wird die Waldbröler Gruppe einen Stopp am Haus Nachrodt einlegen, wo sie von Christian von Löbbecke empfangen wird.

Apfelbaum für den Waldlehrpfad

Nachmittags sind die Gäste dann gegen 15 Uhr in Wiblingwerde. Dort wird Gerd Schröder stellvertretend für Bürgermeisterin Birgit Tupat, die im Urlaub ist, die Grußworte in der Heimatstube sprechen. 

Ein kleiner Höhepunkt des Besuches dürfte die Zuccalmaglio-Renette sein, die der Heimat- und Verkehrsverein bekommt. Malus Zuccalmaglio Renette ist eine sehr seltene Apfelsorte. Die Äpfel sind saftig, würzig, mittelgroß, gelb und edel. Eine Besonderheit ist, dass diese Frucht nicht welkt. Die Frucht an sich gilt als unempfindlich, benötigt aber gute Böden. 

Die Idee ist es, den Apfelbaum, der nach dem Dichter und Denker benannt wurde, am Waldlehrpfad zu pflanzen und dort auch ein Informationsschild anzubringen. Kurz und knapp müssten die Worte dann aber wahrscheinlich gehalten werden, wobei es doch sehr viel über Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio zu erzählen gibt.

Zuccalmaglio stammte aus einer Adelsfamilie

Er entstammte, wie Kurt Mai, Vorstandsvorsitzender des Waldbröler Kulturtreffs weiß, einer alten italienischen Adelsfamilie, die um 1700 ins Rheinland gekommen war. Nach seiner Schulzeit in Wiesdorf, Mühlheim und Köln studierte Zuccalmaglio mit seinem Bruder Vincent Rechts- und Staatswissenschaften in Heidelberg, wo er Mitglied des Singkreises um Professor Thibaut wurde. Auf dessen Anregung begann er mit der Sammlung von Volksliedern. 

Die geplante Universitätskarriere musste er aber aus Geldmangel nach der Trennung der Eltern abbrechen. Nach finanziell wenig ergiebiger journalistischer und publizistischer Arbeit vermittelte ihm die Familie eine Stellung als Hauslehrer beim russischen Fürsten Gortschakoff in Warschau. Das bestimmte sein weiteres Leben.

Geheiratet hat der Poet nie

Neben seiner Hauslehrertätigkeit bei verschiedenen Familien schrieb er Aufsätze, Lust- und Trauerspiele, Texte für Singspiele, sammelte Volksbräuche und auch ein Wörterbuch für mittelalterliche Baukunst. Er schrieb unter mehreren Pseudonymen, meist unter Wilhelm von Waldbrühl oder Dorfküster Wedel. 

Geheiratet hat er nie. Und auch niemals einen dauerhaften Wohnsitz besessen. Er war ständig unterwegs, benutzte die Kutsche, später die Eisenbahn und vor allem seine Füße. Seine letzte Station als Hauslehrer trat er 1860 bis 1866 im Haus Nachrodt an. Bei einem erneuten Besuch in Nachrodt 1869 verstarb er dann plötzlich und unerwartet.

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