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Heimatverein vor dem Aus

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Niemand warf bei der Hauptversammlung seinen Hut in den Ring.
Niemand warf bei der Hauptversammlung seinen Hut in den Ring. © Privat

Wenn nicht ein kleines Wunder passiert, steht der Heimat- und Verkehrsverein vor dem Aus. „Bitte helfen Sie uns, jemanden zu finden“, appellierte Siegfried Kruse während der Sitzung des Sozialausschusses an alle Kommunalpolitiker. Die Lage ist ernst.

Nachrodt-Wiblingwerde – Tatsächlich fast eine Katastrophe. Denn für drei der vier Vorstandsposten müssen neue engagierte Menschen gefunden werden. Doch sie sind nicht in Sicht. Und so war auch die Jahreshauptversammlung des Traditionsvereins von Sorgen geprägt. Für eine Übergangsfrist macht nun das amtierende Team weiter. Aber jetzt läuft der Countdown bis zur nächsten Hauptversammlung im März 2022, an dessen Ende die Auflösung des 1977 gegründeten Vereins stehen könnte.

Er möchte kein Totengräber sein

„Ich habe kein Interesse, Totengräber für eine jahrzehntelange Tradition zu sein. Der Verein gehört zum Tafelsilber unserer Gemeindekultur“, so Dr. Christian Schulze, der seit drei Jahren Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins ist. Aufgrund seiner Vollzeitstelle und Verpflichtungen an der Uni Bochum wird er von der Zeit eingefangen. So tritt Dr. Christian Schulze, dessen dreijährige Amtszeit bereits im März 2021 abgelaufen war, nicht wieder an, ebenso die Schriftführerin Susanne Schulze-Jaschok. Ohnehin ausgeschieden war auf eigenen Wunsch und aus gesundheitlichen Gründen der zweite Vorsitzende Ede Holstein.

Wer übernimmt das Steuer?

Wer übernimmt das Steuer? Natürlich wurden schon mögliche Kandidaten angesprochen. Doch sie sind schon lange in anderen Vereinsehrenämtern, in der Politik oder in der Kirche engagiert. Ressourcen für neue Aufgaben? Augenscheinlich nicht. Und auch während der gut besuchten Jahreshauptversammlung warf niemand seinen Hut in den Ring. „Allen, die sich es vielleicht doch noch überlegen, sei versprochen: Der Verein bietet außerordentlich viel an Gestaltungsmöglichkeiten, guten Finanzen, baulicher Infrastruktur und Kontakten“, wirbt Dr. Christian Schulze für ein Ehrenamt.

Verein ist sehr gut aufgestellt

Und in der Tat ist der Heimat- und Verkehrsverein hervorragend aufgestellt. Die Maßgaben des Leader-Projekts sind weitgehend erfüllt, das Inventarisierungsprojekt von Heimatstuben-Exponaten wurde abgeschlossen und veröffentlicht, der Kornspeicher von 1597 erstrahlt in frischem Glanz, die Wanderwegegruppe ist vorbildlich aktiv. Gerd Nolte berichtete, dass einige verwüstete Pfade wiederhergestellt sind. Die Zusammenarbeit mit dem SGV laufe produktiv. Auch Otto Camphausen konnte mit Blick auf die Brenscheider Mühlenbacktage verkünden, dass es trotz vieler Widrigkeiten der letzten Monate weitergehen soll: Die durch einen Hausbrand unterbrochene Stromversorgung ist wiederhergestellt, die Hochwasserschäden in der Backstube scheinen reparabel. Reinhard Ittershagen als Kassenführer legte zudem blendende Vereinsfinanzen und sauberen Bilanzen vor. Das alles macht Mut für die Zukunft. Doch das Damoklesschwert hängt tief. Dr. Christian Schulze hatte die Satzung mitgebracht, und eben diese regelt in Paragraph 11 die weiteren Schritte, wenn es hart auf hart kommt. Der Verein wird aufgelöst, wenn er keinen Vorstand hat.

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