Plötzlich ging alles sehr schnell

Gut, dass die Hebamme gleich nebenan wohnt: Hausgeburt wider Willen im MK

Ein gesunder Junge kam in Nachrodt-Wiblingwerde zuhause zur Welt. Geplant war das nicht.
+
Ein gesunder Junge kam in Nachrodt-Wiblingwerde zuhause zur Welt. Geplant war das nicht.

Gesund und munter ist der Kleine. Er kam zuhause in Nachrodt auf die Welt. Geplant war das nicht. Gut, dass die Hebamme gleich nebenan wohnt.

Nachrodt-Wiblingwerde – 3235 Gramm schwer, 53 Zentimeter groß – ein prachtvoller Junge. Willkommen in Nachrodt-Wiblingwerde. Fast wäre er am Kreinberger Weg zur Welt gekommen. Im Auto. Auf der Huppelstrecke.

Hebamme Diana May-Ganswind wusste, dass das passieren würde. Die Entscheidung für eine Hausgeburt fiel deshalb mitten in der Nacht. Ganz spontan, war dies auch für die erfahrene Hebamme eine ganz besondere Nacht.

Keine Zeit mehr für die Klinik

„Der Geburtstermin wäre eigentlich in zwei Wochen gewesen“, erzählt Diana May-Ganswind. Sie war überrascht, als der Mann ihrer Nachbarin sie um halb 4 in der Früh anrief, dass die Wehen eingesetzt hätten. „Normalerweise dauert es dann einige Stunden, man geht in die Badewanne, schaut, ob die Wehen bleiben. Ich bin ‘rüber und habe aber sofort gesehen, dass es sportlich wird, wenn wir noch in die Klinik wollen.“

Eine Hausgeburt war überhaupt nicht vorgesehen. Die Hebamme hat Belegbetten in der Berglandklinik in Lüdenscheid. Sie betreut die Frauen in der Schwangerschaft und begleitet sie in der Klinik. Dort wollte auch ihre Nachbarin ihr zweites Kind zur Welt bringen. Theoretisch.

Notarzt wartet vor der Tür

In der Realität sah es allerdings so aus, dass die Hebamme nach Hause eilte, wo sie für den Notfall alles parat stehen hat – darunter natürlich medizinische Unterlagen und eine Nabelklemme. Gleichzeitig rief sie den Notarzt und instruierte den werdenden Vater, der in Wohnzimmer alles für die Geburt herrichtete.

Der Notarzt, der zur Beruhigung der Familie nach Nachrodt eilte, „war kurz da, hat sich vorgestellt und war so nett, rauszugehen und draußen zu warten, bis das Kind da war“, erzählt die Hebamme.

Hausgeburt: Man muss sich darauf einlassen

Dann ging alles ganz schnell. Nach 45 Minuten war der Knirps gesund und munter auf der Welt. Eine unkomplizierte Geburt. Und auch der Mama geht es gut. „Ich hatte keine Angst. Wenn es so schnell geht, kann eigentlich nichts passieren. Für mich war es auch etwas besonders Schönes“, sagt die Hebamme glücklich, die seit vielen Jahren keine Hausgeburt mehr begleitet hatte.

Hebamme Diana May-Ganswind aus Nachrodt

Die junge Mutter, die anfangs auch etwas Angst vor der Hausgeburt hatte, konnte sich im Laufe der Geburt beruhigen. „Sie hat sich darauf eingelassen, es war eine schöne Atmosphäre“, erzählt Diana May-Ganswind stolz.

Hebamme: „Hausgeburten sind schön“

Eigentlich war die ganze Familie bei der Geburt in der Nähe: der Vater als große Unterstützung für seine Frau, der Opa, der sich um das erste Kind kümmerte, das bei dem Trubel mitten in der Nacht natürlich wach geworden war.

„Ich denke, für mich war es ein Auftakt. Ich habe mir schon seit Längerem überlegt, wieder in die Hausgeburtshilfe einzusteigen. Es hat sich jetzt spontan ergeben und ich habe wieder gemerkt, wie schön Hausgeburten sind“, sagt die 40-Jährige, die selbst Mama von drei Kindern ist.

Gute Planung sehr wichtig

Dass sich Schwangere jetzt aufgrund der Corona-Zeit spontan für eine Hausgeburt entscheiden, hält die Hebamme allerdings für keine gute Idee. „Das muss gut geplant sein. Werdende Mütter müssen das Gefühl dafür haben, dass sie sich das zutrauen. Die Schwangerschaft muss ganz normal sein, und es darf überhaupt kein Risiko geben“, sagt Diana May-Ganswind. Sie vertraut bei Wünschen für eine Hausgeburt auch auf ihre Intuition.

Im Februar 2021 steht zum Beispiel eine an – lang und gut geplant. Die Begleitung durch eine Hebamme wirke sich positiv auf die Schwangerschaft und Geburt aus. Ein natürliches Empfinden für sich und das Kind sowie viel Selbstvertrauen seien das A und O.

Kritik an Zahl der Kaiserschnitte

Und so schaut Diana May-Ganswind auch kritisch auf die Kaiserschnittrate, die im Märkischen Kreis hoch sei. 2013 lag sie bei 37 Prozent. „Das hat etwas mit der gesellschaftlichen Situation zu tun und wie man mit Schwangeren umgeht“, ist sich die Hebamme sicher.

Gut betreute Schwangere würden wesentlich seltener per Kaiserschnitt ihr Kind zur Welt bringen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist lediglich eine Kaiserschnittrate von bis zu zehn Prozent medizinisch notwendig. Kaiserschnitte sollten nur im Notfall angewendet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare